SITUATION ESKALIERT

Lehrer nach Schul-Ärger in Pasewalk entlassen

Die Vorwürfe eines inzwischen gekündigten Lehrers sind schwer: An der Regionalen Schule Pasewalk herrscht Disziplinlosigkeit. Die Schulleitung setzt Recht und Ordnung nicht durch. Das Schulamt kontert.
Schwere Vorwürfe gegen Schüler und Schulleitung erhebt ein ehemaliger, kurzeitig an der Regionalen Schule Pasewalk t
Schwere Vorwürfe gegen Schüler und Schulleitung erhebt ein ehemaliger, kurzeitig an der Regionalen Schule Pasewalk tätiger Lehrer. Laut Schulamt Greifswald ist dem Pädagogen zum 31. Oktober gekündigt worden. Fred Lucius
Pasewalk.

Dieter Schmidt* hatte sich seine Arbeit als Lehrer an der Regionalen Schule Pasewalk ganz anders vorgestellt. Nur wenige Tage nach seinem Start Ende Juli ist nach seiner Schilderung die Situation eskaliert. „Schüler haben mich bedroht. Knapp die Hälfte der Klasse sabotiert den Unterricht und benimmt sich daneben. Mir ist Hass entgegengeschlagen, den ich mir nicht erklären kann.

Das gipfelte in der Aussage eines Schülers, dass er mich fertigmachen will und er bestimmt, welcher Lehrer geht oder bleibt“, sagt der 54-Jährige, der an der Schule als Seiteneinsteiger begann und der nach eigenen Angaben auf 20 Jahre Lehrerfahrung – unter anderem mit der Schulung von Migranten – verweisen kann. Auch außerhalb des Unterrichts sei er verbal angegriffen worden, ein Kollege habe ihn zusammengestaucht.

„Schulleitung mit der Situation überfordert”

Dieter Schmidt zufolge hat die Schulleitung keine klare Linie, Recht und Ordnung, Sitte und Anstand durchzusetzen. Sie sei mit der Situation überfordert und ratlos. „An der Schule fehlen zahlreiche Lehrerstellen. Es wird getrickst und manipuliert. Die Rahmenbedingungen, zum Beispiel mit Internet-Zugängen, sind nicht gut. Deshalb herrscht unter den Lehren Frust. Auch andere haben große Probleme mit der Disziplin dort“, sagt Dieter Schmidt, der aus Rheinland-Pfalz stammt und der seit Mitte August krankgeschrieben ist. Dass er als Seiteneinsteiger Defizite habe, wolle er nicht verschweigen. Gerade deshalb müsse die Schulleitung mit solchen Kollegen anders umgehen und ihnen den Rücken stärken.

„Ihm kann man keine Landeskinder anvertrauen”

Schulleiterin Colette Hoche möchte sich zu der Personalie und den Vorwürfen nicht äußern und verweist auf die Zuständigkeit des Schulamtes Greifswald. Nach Auskunft von Schulrat Olaf Schröder ist dem 54-Jährigen zum 31. Oktober gekündigt worden. „Wir brauchen Lehrer. Deshalb tun wir uns mit Entlassungen in der Probezeit sehr schwer. Jemanden im öffentlichen Dienst zu kündigen, ist die Ausnahme“, erklärt Schröder. Er wie auch die Vorsitzende des Bezirkspersonalrats hätten Gespräche mit Dieter Schmidt geführt.

Darin sei klar geworden, dass dieser Probleme als Lehrer habe, seinen Aufgaben nicht nachkomme und kritikunfähig sei. „Wir haben positive Erfahrungen mit Seiteneinsteigern, aber eben auch diese negativen“, sagt der Schulrat. Dass es an der Pasewalker Schule einen Mangel an Lehrern gebe, sei unstrittig. Für andere Probleme würden wie an anderen Einrichtungen Lösungsstrategien gesucht. Die Schulleitung habe es mit Dieter Schmidt probiert, aber erfolglos. Als Schulrat sei er der Ansicht, dass man jemandem wie ihn Landeskinder nicht anvertrauen könne, so Olaf Schröder.

* Name von der Redaktion geändert

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Kommentare (4)

"Me too" -
soll nun eine Bewegung der Lehrer, die von den Schülern bedroht, erniedrigt und wegen der Noten erpresst werden, entstehen?!
Pasewalt,Neubrandenburg oder Eggesin, - es ist schliesslich egal, an welcher Regionalschule man als Lehrer seine Gesundheit aufs Spiel setzt. Lehrer beschuldigen die Schulleitung, diese meckert über das Schulamt, dieses schielt böse auf das Ministerium.
Doch machen kann kaum jemand was. Scharen von haltlosen Zufallskindern, welche von den trinksüchtigen, arbeitsllosen, fünfmal geschiedenen und ganz schlicht desinteressierten Eltern abstammen, bestimmen Spielregeln an den Regionalschulen in MV. Sie sind reale Macht dort. Kleine Wesen, die von Instinkten gesteuert sind und die ihre Zeit nach der Schule ohne Hausaufgaben /diese sind so gut wie abgeschafft/ in der Gesellschaft der Gleichgesinnten verbringen.Die Schule hält der deutschen Gesellschaft diesen Spiegel vor. Und der Blick in den Spiegel mag weh tun. In den 10 Klassen sitzen Dutzende, die einen Zeitungstext in der Muttersprache Deutsch nicht lesen, geschweige denn selbst schreiben können. Buchstaben hat man in der 1. Klasse gelernt, nach der 6. Klasse langsam wieder vergessen. Flugzeuge aus Papier basteln, darauf Hakenkreuz setzen, lange und laut seine Nase putzen /soll witzig sein/, Lautverstärker in der Tasche verstecken und die Anlage per Handy im Unterricht in Gang setzen /soll Lacher auf sich ziehen/. Was kann die Schulleitung machen? Nichts. Kinder haben etwas gelernt und leider nicht verstanden. Wieder gelernt. Wieder nicht verstanden. .... ob Deutschland von Kaiser oder Kanzler regiert wird, ob zwei Viertel und eine Hälfte etwa gleich sind. Alles gelernd und leider nicht verstanden. Nicht verstehen ist menschlich. Ist kein Grund für eine schlechte Note, oder? So bekommen die 10 Klässler Arbeitsblätter aus drr 6. Klasse in die Hand. Germanistik assozieren sie mit Ziehharmonika und können sich bei der Wahl zwischen der DDR - Nostalgie und der Nazi-Zeit- Nostalgie schwer entscheiden. Die beiden waren schlimme Diktaturen, aber tolle Zeiten. Wie reagiert der Blutdruck eines Lehrers, der zwischen der Fäkaliensprache der Schüler und dem heuchlerischen Jura-Deutsch der unzähligen Schulbehörden oszilliert? Der Blutdruck steigt. Ununterbrochen. Bis zum Schlaganfall!

Ich bin Dietmar Schmidt aus BaWü

das was Sie beschreiben, ist eine Bankrotterklärung des Schulsystems. Natürlich nicht überall, aber häufig so zu finden.
Wie hauen die Rütli Schule auf Seite eins der Boulevard Presse und Hochglanz TV "Nachrichten", ganz nach dem Prinzip von Frauentausch: Man ergötzt sich am Leid von Schwächeren.
Dabei vergisst man häufig, daß unser starres, preußisches, unterfinanziertes, wenig gewertschätztes Schulwesen oftmals eben direkt vor unserer Haustür versagt. Und nicht nur in Berlin.
Anscheinend glauben viele Menschen immer noch daran, daß wir im Besitz schier endloser Öl, Gas und Goldvorräte sind und wir nicht absolut abhängig von exzellenter Bildung sind.
Wir beschleunigen die Spaltung der Gesellschaft, wenn die öffentlichen Schulen, Schüler an Privatschulen verlieren.
Mir klingen noch die Vorgänge am Oskar Picht Gymnasium nach. Oder die Abschluss Rede eines jungen Abiturienten (Fiete Korn).
Ein Schelm wer denkt, wir haben ein strukturelles Problem.
Alles gute Ihnen und schön, daß mal jemand was sagt!!!

Ob dem Lehrer nun zu Recht gekündigt wurde, lässt sich von außen natürlich nicht sagen. Aber wenn eine Klasse aus welchen Gründen auch immer einen Lehrer fertig machen möchte, ist der Lehrer machtlos. Und das hat nichts mit MV oder der Muttersprache zu tun. Hauptsache, es bleibt keiner sitzen, dann sind alle zufrieden.

Setzt bereits dort an. Wenn sie Mittel der Wahl nach einem so kurzen Zeitraum das „Fertigmachen des Lehrers“ durch die Schüler gilt, setzt bereits da ein Versagen ein.
Kommunikation 6, setzen!
Von Außen mit Sicherheit schwer im Einzelfall wie diesem eine Beurteilung vorzunehmen/ ich gebe allerdings Recht - seit Jahrzehnten gibts Häppchen in Form von Reförmchen im Ländersuppenbrei.
Den Praxisbezug während des Lehramtstudiums mal in die ersten Semester zu legen war auch keine Idee der 90er. Die teils maroden Gebäude werden plötzlich und überraschend zum Corona Herbst bemängelt.
Unser duales Bildungssystem sollte flexibel angepasst werden an 2020. Das ist nämlich eine eigentlich super Sache. Allerdings auch da kann man nicht ewig erwarten das alles auf ewig in der ursprünglichen Form funktioniert. Gesellschaft unterliegt eben auch einem Wandel.