ZOFF UM ERNEUERBARE ENERGIEN

Pfarrer legt sich mit Windkraftgegnern an

Die Einladungen zu einer Mahnwache in Linken gegen den Windkraftausbau bezeichnete Retzins Pfarrer Matthias Jehsert als „Krawall-Postwürfe“ und setzte dann noch zum Ärger der Bismarker Bürgerinitiative einiges drauf.
Pfarrer Matthias Jesert legte sich mit einem Facebook-Kommentar kräftig mit den Windkraftgegnern der Region an.
Pfarrer Matthias Jesert legte sich mit einem Facebook-Kommentar kräftig mit den Windkraftgegnern der Region an. Rainer Marten/Nordkurier-Bildmontage
Retzin.

Die immer wieder hörbaren Proteste der Windkraftgegner in der Region ließen dem Retziner Pfarrer Matthias Jehsert den Kragen platzen. Als er beim Blick in seinen Briefkasten am Montag eine Einladung der Bismarker Bürgerinitiative zur Mahnwache am Freitag in Linken fand, wurde der sonst so umgängliche Mann wütend. Er ließ seinem Ärger auf der Facebook-Seite der Bismarker Windkraftgegner Luft und wurde da sehr direkt: „Ich habe ja nichts gegen bürgerschaftliches Engagement. Aber das Herumkrakelen von Zugezogenen (zu denen ich auch gehöre) gegen die wirtschaftliche Entwicklung einer zutiefst peripheren Region mit Zukunftstechnologien geht langsam zu weit. Heute gab es schon wieder Krawall-Postwürfe mit Einladungen zu Mahnwachen, als ginge es um das Abschlachten von Robbenbabys...“, kommentierte er alles.

Jehsert bekannte sich klar zur Windkraft als die einzige Brückentechnologie, die funktioniere. Offenbar hätten die Windkraftgegner noch nichts vom Klimakollaps gehört, kommentierte er weiter. „Für mich sind Sie allesamt als Klimaleugner und unsolidarische Egoisten einzuordnen“, schrieb er. „Stoppt den Protest. Stoppt den Unsinn! Ja zur Onshore-Windkraft!“, so Jehsert.

Die Bürgerinitiative war empört

Das schlug auf der anderen Seite wie ein Blitz ein. Kornelia Karkossa-Bruchhaus, Mitglied der Bismarker Initiative, griff nicht nur zum Telefon, um mit dem Pfarrer zu sprechen, sondern machte sich auch schriftlich Luft: „Ihre Äußerungen auf der Facebook-Seite der Bürgerinitiative Bismark haben mich bestürzt und sehr betroffen gemacht“, schrieb sie. Wenn sich der Pfarrer mit der Bürgerinitiative gegen den unkontrollierten weiteren Ausbau der Windenergie beschäftigt hätte, dann wüsste er, dass sie sich nur gegen Windenergie in der Region, „die schon überproportional betroffen ist, einsetzt“ und weiter: „Statt dessen beleidigen Sie die Mitglieder der Bürgerinitiative in übler Weise, verallgemeinern, benutzen im Zusammenhang mit unseren Aktivitäten die Begriffe ‚Krawall‘, ‚Krakeelen‘, ‚unsolidarische Egoisten‘. Sie stellen Behauptungen bzw. Forderungen auf, ohne jeglichen sachlichen Hintergrund. Was soll der Unsinn, zum kompletten Verzicht auf Elektroenergie aufzufordern?“

Der Pfarrer hat sich inzwischen entschuldigt

Pfarrer Jehsert hat inzwischen seinen Kommentar gelöscht. Per Brief entschuldigte er sich bei der Bürgerinitiative. Er bekräftigte aber, dass sich die Gesellschaft dem Klimawandel stelle müsse. Es habe nicht in seiner Absicht gelegen, jemandem nahe zu treten, schrieb er weiter. Ob sich die Initiative damit zufrieden gibt, bleibt abzuwarten. Sie hat sich auch bei Propst Andreas Haerter über den Retziner Pfarrer beschwert. Für einen Kommentar war der Pfarrer am Donnerstag nicht erreichbar.

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