Fahrer genervt

Plötzlich Stau auf der A20 – auch ohne Unfall

Auf der wegen Bauarbeiten ohnehin einspurigen A20 bei Pasewalk staut plötzlich der Verkehr. Offenbar wurde auf der eigentlich freien Seite gebaut. Ist das erlaubt?
Rainer Marten Rainer Marten
Wer bei Pasewalk auf die A 20 in Richtung Lübeck und Berlin auffährt, muss aktuell mit Staus rechnen.
Wer bei Pasewalk auf die A 20 in Richtung Lübeck und Berlin auffährt, muss aktuell mit Staus rechnen. Daniel Bockwoldt
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Strasburg.

Simone S. ärgert sich. Die Frau ist Pendlerin und nutzt die A 20, um ihren Arbeitsort zu erreichen. Am Dienstagabend gegen 18 Uhr erlebte sie, dass plötzlich der Verkehr auf der Autobahn zwischen Strasburg und Pasewalk-Nord staute. Etwa dreißig Minuten bewegte sich nichts. Ein Unfall?

„Ich weiß, dass es derzeit wegen der Sanierungsarbeiten eine Reihe von Baustellen gibt, aber der Verkehr fließt auf einer Spur immer weiter“, berichtet sie. Nach der Freigabe der Strecke ahnte sie im Vorbeifahren den Grund des Staus: Die Strecke war dichtgemacht worden, weil das Bauunternehmen mal kurz die ganze Fahrbahn beanspruchte. „Dürfen Bauunternehmen so ohne Weiteres in den Verkehrsfluss eingreifen, wenn eine Fahrspur eigentlich dem Verkehr vorbehalten ist?“, fragte sie beim Nordkurier an.

Ohne Polizei ist es unerlaubt

Die Antwort aus der Presestelle des Landesbetriebes für Straßenwesen Brandenburg mit Sitz in Henningsdorf ist eindeutig: Nein! Aber: Im Zuge von Bauarbeiten an einer Fahrspur oder der Autobahn insgesamt kann es durchaus vorkommen, dass kurzzeitig die komplette Fahrbahn benötigt wird, teilte auf Nachfrage Sprecherin Dr. Cornelia Mitschka mit.

„Bezeichnet wird das als Verkehrshalt. Zum Beispiel, wenn Hochbauelemente montiert oder Verkehrstafeln aufgestellt werden. Erforderlich ist dafür aber immer eine Verkehrsrechtliche Anordnung des zuständigen Landesamtes für Straßenwesen“, erklärte sie. „Ein Verkehrshalt wird immer von der Polizei abgesichert“, fügte sie hinzu. Im Umkehrschluss bedeutet das, wenn die Autobahn an einer Baustelle kurzzeitig komplett dicht ist und die Polizei nichts absichert, hat jemand unerlaubt in den Verkehr eingegriffen.

Weitere Bauarbeiten geplant

Für einen offiziellen Verkehrshalt mit Polizeiabsicherung warb Dr. Cornelia Mitschka um Verständnis bei den Autofahrern. „Alle erwarten, dass die Straßen in Ordnung sind. Wenn die Straßendecken 15 Jahre oder älter sind, dann müssen sie erneuert werden. Das bringt natürlich Einschränkungen mit sich“, sagte sie.

Gebaut wird derzeit nicht nur auf der A 20 bei Pasewalk. Geplant oder aktuell ausgeführt werden Fahrbahnerneuerungen am Abzweig Neuensund-Rothemühl, in Retzin, auf der Strecke Krackow-Glasow und an der Grenzübergangsstelle Linken. Zwölf Monate sind für Retzin eingeplant, fünf Monate für die Erneuerungsarbeiten der Straße von Krackow nach Glasow. Alle anderen Arbeiten sollen nicht länger als acht Wochen dauern.