Selten hinterlassen Brandstifter Botschaften am Tatort. In Strasburg wurde eine Pokerkarte mit Aufschrift gefunden.
Selten hinterlassen Brandstifter Botschaften am Tatort. In Strasburg wurde eine Pokerkarte mit Aufschrift gefunden. Susanne Böhm, © MMphotos – stock.adobe.com
Brandstiftung im Kulturhaus

Polizei hat Rätsel um die Spielkarte am Tatort noch nicht geklärt

Sieben Monate nach dem Großbrand in Strasburg lässt sich die Polizei weiter nicht in die Karten gucken. Die Fahnder versichern: Der Fall hat hohe Priorität und gilt als ungewöhnlich.
Strasburg

Die Kriminalpolizei und weitere Behörden suchen weiter intensiv nach dem Täter, der im April das Strasburger Kulturhaus bis auf die Grundmauern niedergebrannt hat. Ein Ereignis, das im ganzen Landkreis Vorpommern-Greifswald für Mitgefühl sorgte. Nach außen hin ruhe der See zwar ziemlich still, doch unter der Oberfläche, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, werde umfangreich ermittelt, sagte Polizeisprecher Andrej Krosse am Freitag auf Nachfrage.

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Polizei hat bisher zwölf Zeugen befragt

Er könne verstehen, dass Strasburger sieben Monate nach dem Brand endlich Aufklärung wünschen, doch der Aufwand der Ermittlungsarbeit sei hoch und dauere nun einmal seine Zeit. Zwölf Zeugen seien bisher befragt worden. Vorladungen in dieser Größenordnung würden sich eben hinziehen. „Man lädt jemanden ein, der kann aber nicht, weil er arbeiten muss. Dann muss ein neuer Termin gefunden werden. Schon sind zwei Wochen rum“, beschrieb der Polizist.

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Spuren müssen noch ausgewertet werden

Zudem sei man auf weitere Behörden angewiesen, zum Beispiel das Landeskriminalamt. Auch die Auswertung der Spuren vom Tatort würde Zeit in Anspruch nehmen. Das sei inzwischen teilweise erfolgt, einige Untersuchungen stünden aber noch aus. „Da laufen unheimlich viele Maßnahmen.“ Details veröffentlicht die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Nur so viel: Der Fall steht auf den vorderen Plätzen der Prioritätenliste.

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Spielkarte am Tatort gilt als sehr ungewöhnlich

„Natürlich ist uns das sehr wichtig. Da ist ja ein Millionenschaden entstanden. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein Verbrechenstatbestand. Außerdem war das Gebäude wichtig für die Stadt. Mehrere Ermittler der Kriminalpolizei in Pasewalk stecken regelmäßig die Köpfe zusammen und überlegen, was man noch tun kann“, sagte Polizeisprecher Andrej Krosse.

Der Fall sei auch deshalb ungewöhnlich, weil der Brandstifter eine Botschaft am Tatort hinterließ – einen Kanister, darunter eine Pokerkarte, auf der in Handschrift „am Ende gewinnt immer das House“ stand. „Das ist atypisch. In der Regel wird nichts zurückgelassen. Es kommt vor, dass jemand seinen Ausweis am Tatort verliert, aber dass jemand mit Absicht etwas hinterlässt –ich kann mich nicht an etwas Ähnliches erinnern. Das wird alles berücksichtigt.“

Täter vielleicht schon im Gefängnis?

Auffällig ist auch, dass der Täter anscheinend nur ein einziges Mal aktiv wurde, das aber mit voller Wucht. Er vernichtete eines der bedeutendsten Gebäude der Stadt und unternahm danach scheinbar nichts mehr dergleichen. Anfangs hatten Strasburger befürchtet, als nächstes würde das Rathaus brennen, aber nichts geschah. Ist der Täter möglicherweise gar nicht mehr auf freiem Fuß, sitzt wegen anderer Taten im Gefängnis? „Das beachten wir alles.“ Mehr Informationen zum Wissensstand der Polizei könnten aber zum jetzigen Zeitpunkt beim besten Willen nicht veröffentlicht werden, machte Krosse deutlich.

Das Kulturhaus war am Morgen des 14. April 2022 abgebrannt. Es soll wieder aufgebaut werden. Das Land sicherte finanzielle Unterstützung zu. Mittlerweile werden in der Stadt auch Spenden für den Wiederaufbau gesammelt.

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