Schallschutz gefordert
Radewitzer protestieren gegen ständigen Autobahn-Lärm

Seit der Sanierung der A 11 bei Radwitz macht der Lärm den Einwohnern zu schaffen. Eine Schallschutzwand soll das ändern, so die Ortsteilvertretung. Von links: Henri Langhoff, Ulrich Wormuth und Karsten Ehrke an der A 11.
Seit der Sanierung der A 11 bei Radwitz macht der Lärm den Einwohnern zu schaffen. Eine Schallschutzwand soll das ändern, so die Ortsteilvertretung. Von links: Henri Langhoff, Ulrich Wormuth und Karsten Ehrke an der A 11.
Rainer Marten

Die Menschen im Penkuner Ortsteil Radewitz fühlen sich mit dem zunehmenden Lärm auf der Autobahn 11 allein gelassen. Das wollen sie nicht mehr hinnehmen.

Das verschlug dem Stadtvertreter und Radewitzer Ortsvorsteher Karsten Ehrke die Sprache: Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr schmetterte ziemlich direkt eine Anfrage ab, die das Amt Löcknitz-Penkun im Auftrag der Kommunalpolitiker dort hingesendet hatte.

„Uns macht die Bundesautobahn 11 zu schaffen“, erklärt der Ortsvorsteher seinen Ärger. Nach 2000 wurde die direkt an Radewitz vorbeiführende Autobahn saniert. In Höhe des Ortes wurde sie um etwa 1,50 Meter angehoben. Von da ab merkten die Radewitzer, dass etwas anders ist: Plötzlich schwappte viel Lärm durch ihren Ort. „Und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer“, sagt Ehrke.

Nur Menschen zweiter Klasse?

Der Export Richtung Osten boomt. 2017 entstand darüber hinaus das große Zalando-Logistikzentrum in Gryfino (Greifenberg) in der Nähe von Stettin. Von dort aus werden Kunden nicht nur in Polen, sondern auch in Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen beliefert. Der Verkehr stieg noch einmal sprunghaft an – und seitdem leidet nicht nur Radewitz.

Das Brummen ist zum Beispiel auch in Penkun ein ständiges Thema. Angesichts dieser Entwicklung schickte das Amt Löcknitz-Penkun im Auftrag der Kommunalvertreter die Anfrage an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern, ob angesichts der zunehmenden Lärmbelastung bei den betroffenen Orten an der Autobahn der Lärmschutz verbessert werden kann. Lärmschutzwände, eine Anpflanzung oder ein Wall – die Einwohner sind für alles offen.

„Der Antwort war allerdings zu entnehmen, dass so etwas für uns nicht infrage kommen würde. So nach dem Motto: Von dem Lärm, wenn es ihn dort überhaupt gibt, sind zu wenige Menschen betroffen“, sagt Ehrke. Dass die Radewitzer und Penkuner möglicherweise Menschen zweiter Klasse sein sollen, will der Kommunalpolitiker nicht auf sich sitzen lassen.

„Unser Ortsbeirat will sich jedenfalls dafür einsetzen, dass der Schallschutz kommt“, kündigt er an. Man müsse nur genug Menschen ins Boot holen. Das Thema hat bereits eine weitere Wählerinitiative aufgegriffen, um damit in den Kommunalwahlkampf zu ziehen.

13 000 Fahrzeuge täglich

Das Radewitzer Problem ist im Landesamt bekannt, ergab eine Nordkurier-Anfrage. Aber: Für die Lärmaktionsplanungen sind die Kommunen zuständig, in diesem Falle also die Stadt Penkun. Sollte es in der Stadt eine Lärmaktionsplanung geben, in dem eine Lärmsanierung für Radewitz mit Bezug zur A11 enthalten ist, könne die Maßnahme nur umgesetzt werde, wenn dort die Lärmwerte überschritten werden. Festgelegt hat diese der Bund.

„Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass die A 11 trotz einer relativen Zunahme des Verkehrs in den vergangenen Jahren, unter anderem durch Einführung der LKW-Maut auf Bundesstraßen und Gewerbeansiedlungen auf polnischer Seite, eine für eine Autobahn immer noch geringe Verkehrsstärke aufweist: 2018 betrug der durchschnittliche tägliche Verkehr etwa 13 000 Fahrzeuge“, teilte die Sprecherin im zuständigen Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung, Renate Gundlach, mit.

Ob Radewitz die nötigen Voraussetzungen für eine Lärmsanierung erfüllt, müsste über eine aktuelle Verkehrszählung und über Lärmberechnungen geklärt werden.