EINWOHNER SCHOCKIERT

Rätselraten um Russenfahnen

In einem kleinen Ort in Vorpommern waren vier Tage lang uniformierte junge Leute unterwegs und hissten russische Fahnen. Was war dort los?
Das ist die Gruppe Pfadfinder, die Battinsthal verunsicherte. Sie leben im Großraum Berlin, ihre Eltern kamen als Migranten nach Deutschland.
Das ist die Gruppe Pfadfinder, die Battinsthal verunsicherte. Sie leben im Großraum Berlin, ihre Eltern kamen als Migranten nach Deutschland. ZVG
Krackow.

Knüppelbauten vor der Battinsthaler Grabkapelle und über allem die russische Fahne – nicht nur Heide Ruttmann war entsetzt. Denn Battinsthal (ein Ortsteil der Gemeinde Krackow im Landkreis Vorpommern-Greifswald unweit der polnischen Grenze) war vier Tage lang „russisch besetzt“, samt Grabkapelle. „Schuld“ daran haben Nina und Vera Merz. Beide sind Pfadfinder, engagieren sich in der Scouts of Europe gGmbH und organisierten in dem Ort ein Pfadfindertreffen.

Die Gruppe war zu Gast bei Heino von Schuckmann, dem Stiefvater der beiden. „Leider haben wir einen Fehler gemacht“, gesteht Nina Merz ein. „Wir haben unser Pfadfindertreffen in dem Ort vorher nicht ausreichend kommuniziert.“

Batthinsthaler waren schockiert

Vor diesen Hintergrund waren die Battinsthaler ziemlich schockiert, dass etliche Zehn- bis 25-Jährige in dem Ort in Uniformen unterwegs waren, aus Naturmaterialien Knüppelbauten errichteten und Russlands Fahne hissten, obwohl sie alle aus dem Großraum Berlin stammen. Ihre Eltern kamen einst als Migranten nach Deutschland.

Nina und Vera Merz, beide Theologiestudentinnen, sowie die Gruppe Pfadfinder fühlen sich weder dem heutigen Russland noch der Sowjetunion verbunden, sondern den christlichen russisch-orthodoxen Werten aus der vorrevolutionären Zeit. Religion und Geschichte, Aufenthalt in der Natur, ein geregelter Tagesablauf spielten an den vier Tagen in Battinsthal eine Rolle. Dass innerhalb der international agierenden Scouts of Europe gGmbH die Landesfahnen aufgezogen werden, gehört zur Tradition.

Inzwischen hat die Gruppe Battinsthal verlassen – und vorher alle Spuren ihres Wirkens beseitigt.

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Kommentare (2)

Irritiert hätte ich verstanden - schockiert erweckt einen merkwürdigen Eindruck. Miteinander Reden hilft. In so kleinen Dörfern auch prophylaktisch gegen Schocks. Vielleicht für ein besseres Miteinander.🤦🏼‍♀️

ob dies auch der Fall wäre wenn deutsche Fahnen in Russland gehisst werden? den christlichen russisch-orthodoxen Werten verbunden sein und diese dann auch durch Fahnen zu zeigen macht Sinn in RUSSLAND. Vielleicht wäre es sinnvoll diese Treffen dann dort zu organisieren. Und wenn man sich so sehr verbunden fühlt kann man doch auch gleich dort bleiben.