Ein Schönhauser Schäfer ist sicher, dass in der Region Strasburg noch Wölfe leben.
Ein Schönhauser Schäfer ist sicher, dass in der Region Strasburg noch Wölfe leben. Armin Weigel
Bei Schäfer Oliver Barf in Schönhausen waren polnische Studenten zu Gast. Es ging auch um das Thema Wolf.
Bei Schäfer Oliver Barf in Schönhausen waren polnische Studenten zu Gast. Es ging auch um das Thema Wolf. Bianka Lenz
Studenten aus dem polnischen Nachbarland waren unlängst in der Schäferei am Fuchsberg in Schönhausen zu Gast.
Studenten aus dem polnischen Nachbarland waren unlängst in der Schäferei am Fuchsberg in Schönhausen zu Gast. Bianka Lenz
Naturschutz

Schäfer warnt – Wölfe im Raum Strasburg sind noch da

Erst kürzlich fand Oliver Barf die Überreste eines Hirschkalbs. Studenten interessieren sich sehr für Wölfe – und sind damit auf seinem Hof genau richtig.
Schönhausen

Zwar gilt das Wolfsrudel, das zwischen Friedland (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) und Strasburg (Landkreis Vorpommern-Greifswald) lebte, seit Mai 2021 als verschollen, das bedeutet aber nicht, dass es in der Region gar keine Wölfe mehr gibt. Darauf weist Oliver Barf vom Milchschafhof Am Fuchsberg in Schönhausen hin.

Mehr lesen:  Mann sieht bei Pasewalk Wolf ganz aus der Nähe

Viele Wolfsmeldungen in der Region

Aktuell gebe es wieder sehr viele Wolfsmeldungen in der Region, macht der Schäfer deutlich. Unweit einer seiner Schafsherden habe er vor wenigen Tagen den abgefressenen Kadaver eines Hirschkalbs gefunden. Ein Hobbyschafhalter verlor vor wenigen Wochen im brandenburgischen Grünberg, nur wenige Kilometer von Schönhausen entfernt, die Hälfte seiner kleinen Schafherde, sagt Oliver Barf.

Lesen Sie auch: Schäfer aus Schönhausen kann Stralsunder Protest verstehen

Studentin forscht zum Thema Wolf

Mit dem Thema Wolf beschäftigen sich auch 20 Studenten aus Stettin, die den Schäfer unlängst bei einer Bildungsreise besuchten. Es war nicht der erste Besuch von polnischen Gästen bei ihm, und es wird nicht der letzte gewesen sein. So viel steht schon fest. Bereits für die nächsten Semesterferien hat sich eine Studentin aus Stettin angekündigt, die sich in einer Forschungsarbeit mit Wölfen beschäftigt. „Da ist sie bei uns genau richtig“, sagt Oliver Barf.

Tierzucht-Studenten an Praxis interessiert

Den Kontakt zu der Universität in Stettin gibt es schon länger, vermittelt wurde er einst über den Bauernverband Uecker-Randow. Coronabedingt war allerdings länger Funkstille. Jetzt konnten sich die jungen Leute aus Stettin – allesamt Studenten im Fach Tierzucht – wieder in der Praxis damit beschäftigen, wovon sie ansonsten nur in der Theorie hören. Sie wollten den praktischen Umgang mit Herdenschutzhunden und alten Schafsrassen vor Ort erleben.

15 Herdenschutzhunde passen auf

Oliver Barf gab gern Auskunft. Er hält 15 Herdenschutzhunde, die sieben Schafherden, sogenannte Leistungsgruppen, mit je 50 Tieren betreuen. „Nicht jeder Hund kann überall eingesetzt werden“, macht der Schäfer deutlich. So könne ein junger Hund, der noch viel bellt, nicht nahe einer Siedlung bei der Herde stehen. Für einen Standort im Wald hingegen brauche man einen „richtig scharfen Hund“, so der Schäfer.

Diese praktischen Dinge des auch durchaus mit Fingerspitzengefühl zu bewältigenden Umgangs mit den Hunden hatten die Studenten bislang so nicht bedacht, stellte sich während des Besuchs heraus.

Produkte von Schafen und Ziegen

Der Schönhausener Schäfer Oliver Barf ist mit seinem Bio-Betrieb am Fuchsberg seit dem Jahr 2017 aktiv. Er hält ostfriesische Milchschafe, Coburger Fuchsschafe sowie Zackelschafe und Ziegen der Rassen Poitevin und Toggenburger. Seine Fleisch- und Milchprodukte sind unter anderem im Bioladen in Pasewalk, im Hofladen in Schönhausen, auf Märkten in der Region und im Internet erhältlich.

Ministerium: Fünf Wölfe illegal getötet

Wo das Eichhorster Rudel geblieben ist, weiß Oliver Barf nicht. Im Landwirtschafts- und Umweltministerium in Schwerin schließt man nicht aus, dass die sechs Tiere illegal getötet wurden. Immer häufiger würden in Mecklenburg-Vorpommern Wölfe getötet, sagte Ministeriumssprecher Claus Tanzen dem Nordkurier.

18 tote Wölfe seien in diesem Jahr gefunden worden – die meisten kamen demnach bei Verkehrsunfällen ums Leben, fünf wurden absichtlich getötet, und zwar in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Ludwigslust-Parchim. Auch im Eichhorster Gebiet wurde Anfang des Jahres ein toter Wolf gefunden. Woran er starb, ist noch unklar. Das Obduktionsergebnis in diesem Fall steht noch aus.

Die Zahl der gerissenen Nutztiere im Raum Friedland und Strasburg ist indes zurückgegangen. Wurden im Jahr 2021 noch zwei Vorfälle gemeldet, bei denen nachweislich Wölfe Verursacher waren, gab es in diesem Jahr bisher keinen Vorfall.

 

zur Homepage