Die verlobten Schleuser (rechts und 2.v.l.) mit ihren Rechtsanwälten im Amtsgericht Pasewalk
Die verlobten Schleuser (rechts und 2.v.l.) mit ihren Rechtsanwälten im Amtsgericht Pasewalk Thomas Beigang
Menschenschmuggel

Schleuserpaar legt Widerspruch gegen Haftstrafe ein

Zwei Warschauer kutschierten geflüchtete Iraker quer durch Polen nach Deutschland – unter unerträglichen Bedingungen. Mit dem Urteil dafür sind sie nicht einverstanden.
Pasewalk

Zwei Polen, die in der vergangenen Woche am Pasewalker Amtsgericht wegen des gemeinschaftlichen Einschleusens von Ausländern nach Deutschlands verurteilt worden waren, haben Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt – damit ist der Richterspruch noch nicht rechtskräftig. Ein 39 Jahre alter Mann erhielt in dem Verfahren eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, seine 38-jährige Verlobte soll für zwei Jahre und vier Monate hinter Gitter.

„Unmenschliche und erniedrigende Bedingungen”

In der allerersten Verhandlung gegen Schleuser, die im Jahr 2021 Migranten aus Belarus nach Deutschland gebracht haben sollen, wurde beiden der Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz vorgeworfen. Das Paar war am 18. August 2021 bei Löcknitz festgenommen worden. Sie haben nach Ansicht des Gerichts 16 Frauen, Männer und Kinder für Geld von der belarussischen zur deutsch-polnischen Grenze gefahren und sie dann nach Deutschland eingeschleust.

Lesen Sie auch: Bundesweite Razzien gegen Schleuserbande

Vor Gericht wurde auch auf eine unmenschliche und erniedrigende Behandlung verweisen, weil 16 Menschen, darunter vier Kinder, auf einer Ladefläche von 3,60 mal 1,50 Meter über 1000 Kilometer mit nur einem Stopp transportiert worden seien. Das sind gerade mal 0,33 Quadratmeter pro Flüchtling. Die Flüchtlinge aus dem Irak wurden damals zwischen Löcknitz und Brüssow in einem „erbärmlichen Zustand” entdeckt, medizinisch versorgt und in eine Erstaufnahmeeinrichtung gebracht.

Prozess wird nun vor Landgericht neu aufgerollt

Mit dem Urteil folgte das Gericht weitgehend der Forderung des Staatsanwaltes. Die beiden Verteidiger hatten jeweils Bewährungsstrafen für ihre Mandanten gefordert, die fast sechs Monate in U-Haft saßen. „Eine Bewährungsstrafe lässt die Verteidigung der Rechtsordnung nicht zu”, sagte Richter Gerald Fleckenstein in seiner Urteilsbegründung.

Auch interessant: 31 Flüchtlinge im Transporter – Haftbefehl gegen Schleuser

Der Prozess muss nun vor der Berufungskammer des Landgerichts in Neubrandenburg neu aufgerollt werden.

zur Homepage