Tod mit 58

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Schule trauert um ihren Leiter Gerhard Scherer

Die Gymnasiasten trauern um ihren Schulleiter: Vor dem Sekretariat richteten sie am Mittwochvormittag eine Gedenkecke ein.
Die Gymnasiasten trauern um ihren Schulleiter: Vor dem Sekretariat richteten sie am Mittwochvormittag eine Gedenkecke ein.
Rainer Marten

Die Nachricht ereilte die Gymnasiasten, die Lehrer und anderen Angestellten unverhofft: Gerhard Scherer (58), Leiter der Europaschule Deutsch-Polnisches Gymnasium, lebt nicht mehr. Der Löcknitzer erlag einer schweren Krankheit.

Es ist immer zu früh, wenn ein Mensch die Reise ohne Wiederkehr antritt. Seine Stimme verstummt für immer. Sein Lachen ist nicht mehr zu hören. Nur eine Leere bleibt, die auch später niemand füllen kann. Es gibt auch keine einprägsamen Sätze mehr. Sätze wie diese: „Wissen Sie, ich bin Europäer deutscher Nationalität, so sehe ich mich. Ich bin also überzeugter Europäer, und ich lebe diese europäische Grenzregion.“ Das sagte Gerhard Scherer einst in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur. Am Dienstag starb er im Alter von 58 Jahren.

Europa. Europa  leben – genau das war es, was der Lehrer und Schulleiter Gerhard Scherer seinen Gymnasiasten mit auf dem Weg gab. So waren sie es am Mittwoch, die spontan und voller Trauer vor dem Sekretariat die ersten Kerzen anzündeten. Es folgen Blumen, bald ein Foto Gerhard Scherers.

Europa wird gelebt

In den Schuldienst trat Gerhard Scherer, der aus Güstrow stammt, im August 1979. Er kam als Junglehrer nach Grambow. Zum 1. August 1991 wechselte er an das Gymnasium Löcknitz und wurde nur ein Jahr später mit der Schulleitung beauftragt. Mitte der 90er stand dann dank Gerhard Scherer fest, wie sich das Gymnasium entwickeln wird – als eine Bildungsstätte, die jungen Menschen beiderseits der Grenze den Weg in das neue Europa ebnen wird.

Seit dem 10. Dezember 1994 besteht eine unbefristete Verwaltungsvereinbarung zwischen Land, Landkreis und der Wojewodschaft Stettin, dass jährlich Schüler aus Polen in Löcknitz das deutsche und polnische Abitur ablegen können. Seit 1995 trägt die Schule den Namen Deutsch-Polnisches Gymnasium. 1999 folgte das Etappenziel: Im Schloss der Pommernherzöge in Stettin erhalten 66 Absolventen, darunter 22 junge Polen, ihre Reifezeugnisse überreicht. Das wird fortan zu einem Ritual. Schule und Ort strahlen künftig beiderseits der Grenze weit in die Länder hinein. Europa wird gelebt. Das bleibt bis heute. Gerhard Scherer sei Dank.