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Gastbeitrag

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Schwerin, wo bleibt die Hilfe für die Feuerwehren?

Überwiegend alte IFA W 50-Löschfahrzeuge fuhren in Pasewalk vor: Das erinnert eher an ein DDR-Nostalgietreffen als an einen Feuerwehreinsatz.
Überwiegend alte IFA W 50-Löschfahrzeuge fuhren in Pasewalk vor: Das erinnert eher an ein DDR-Nostalgietreffen als an einen Feuerwehreinsatz.
Rita Nitsch

Das Foto vom Brand eines Supermarktes in Pasewalk erinnerte einen unserer Leser an DDR-Nostalgietreffen. Die Ausrüstung der Feuerwehr: Blanker Horror. Müssen erst Leben und immenses Eigentum vernichtet werden, bevor etwas passiert - fragt er.

Zum Brand im Pasewalker „Kaufland“ und zur Lage der Feuerwehren schreibt Mario Winkler aus Torgelow:

Tagtäglich erfährt man von Bränden und Unglücksereignissen, die einen Einsatz der Feuerwehren erforderlich machen. Gerade seit April dieses Jahres sind sie gefordert, um Wald- und Flächenbrände zu löschen. (...) Die Freiwilligen Helfer verlassen ihre Familien, ihr Hab und Gut, ihren Arbeitsplatz, um den Nächsten zu helfen. Dabei setzen sie ihre eigene Gesundheit, ja ihr Leben aufs Spiel. Auch dieser Löscheinsatz in Pasewalk zeigte, wozu die Feuerwehren trotz einiger behindernder Umstände in der Lage sind.

Viele Nachbarwehren aus umliegenden Dörfern unterstützten die Pasewalker Wehr und ich wage zu behaupten, dass der Markt nachts oder sonntags abgebrannt wäre (ich erinnere an den verheerenden Brand eines REWE-Marktes in Greifswald am Pfingstsonntag).

Jeder erwartet aber auch von der Feuerwehr, dass sie im Fall der Fälle schnell vor Ort ist und hilft. Aber wenn man sich das dazugehörige Foto auf der Internetseite des Nordkurier ansieht, muss man ohne Zweifel denken, dort ist ein „DDR-Nostalgietreffen“. Überwiegend alte IFA W 50-Löschfahrzeuge sind dort im Einsatz, robust, wie diese Fahrzeuge sind, machen die auf dem letzten Zylinder pfeifend ihren Dienst.

Blanker Horror im gut gerüsteten Deutschland

Erst kürzlich wurden in einem Medienbericht Zahlen aus den MV-Landkreisen veröffentlicht, die prozentual den Anteil von Feuerwehrfahrzeugen mit einem Alter von über 25 Jahren belegen. Der blanke Horror in einem technisch begabten und gut gerüsteten Deutschland. Hut ab, dass die Brandschützer mit solchen Klapperkästen umgehen und trotzdem noch zur Stange halten. Wo bleibt die Motivation, die Unterstützung aus Schwerin? Wie man immer wieder liest, reicht die derzeitige Förderung schon seit vielen Jahren nicht aus, was der Landesregierung mehr als bekannt ist. Neue Überlegungen, neue konstruktive Lösungsansätze – Fehlanzeige. (...)

Der Forstminister höchstpersönlich lässt sich beim Großwaldbrand im Juli in Groß Laasch blicken, stellt mit einmal fest, dass die vorhandene Löschtechnik in MV ziemlich marode und nicht mehr zeitgerecht ist… Auch schon ausgeschlafen, Herr Backhaus? Der zuständige Innenminister labert nur davon, dass sich die Anschaffungskosten für Feuerwehrfahrzeuge deutlich erhöht haben. Ja, Herr Caffier, wussten Sie gar nicht, alles Andere, ja das ganze Leben ist im Laufe der Jahre teurer geworden.

Als sein zweites Argument ist im Nordkurier zu lesen, dass die Landesfeuerwehrschule dieses und nächstes Jahr mehr Gelder verschlingt. Klar, die Feuerwehren benötigen fachgerechte Ausbildung. Diese fälligen Investitionen dürfen und können doch nicht zu Lasten der Gewährleistung des flächendeckenden Brandschutzes gehen.

Was muss noch passieren?

Ich vermisse hier ganz klar die Einhaltung der Wahlversprechen, alles festgehalten in der Koalitionsvereinbarung von 2016. (...) Damen und Herren Landtagsabgeordnete, was muss erst passieren, dass Sie ein spezielles Sonderförderprogramm für den Brandschutz auflegen und beschließen? Muss erst eine Brandkatastrophe Leben und immenses Eigentum vernichten, weil Feuerwehrfahrzeuge auf der Anfahrt zum Einsatzort schon schlapp machten? Lassen Sie die finanzgebeutelten Gemeinden mit den Fahrzeugbeschaffungen nicht allein, diese sind damit überfordert!

Allen Kameradinnen und Kameraden in unserer Region sei Dank gesagt für die außergewöhnlichen Leistungen in diesem „Jahrhundertsommer“. Wie wunderbar ist es doch, Menschen an der Seite zu haben, die Dinge einfach tun, ohne darauf bedacht zu sein, was für sie selbst dabei rausspringt.