ÖFFENTLICHER NAHVERKEHR

Seit Monaten ist Grambow ohne Zuganschluss

Seit Mitte März sind Polens Grenzen dicht. Dies wirkt sich auch auf den Nahverkehr aus. So beginnt und endet der RE4 von Lübeck in Löcknitz. Als Folge ist ein ganzer Ort ohne Zugverbindung.
Seit knapp drei Monaten schon fährt der RE4 aus Lübeck nur noch bis nach Löcknitz.
Seit knapp drei Monaten schon fährt der RE4 aus Lübeck nur noch bis nach Löcknitz. Johanna Horak
Grambow.

Rund 700 Einwohner hat das Örtchen Grambow im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Dort wohnen viele ältere Menschen, aber auch Familien mit Schulkindern. Marianne Spiegel lebt ebenfalls dort. Sie arbeitet in einem Pflegeheim in Pasewalk und pendelt für gewöhnlich jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit.

Seit knapp drei Monaten wird der Haltepunkt in Grambow nicht mehr bedient. Der RE4 von Lübeck kommend, mit dem sie jeden Tag zur Arbeit fuhr, endet und beginnt in Löcknitz. Der Grund dafür ist Polens Grenzschließung zur Eindämmung des Coronavirus. Täglich fährt ihr Mann sie nun nach Löcknitz, damit sie dort in den Zug nach Pasewalk steigen kann.

„Der Zustand ist unhaltbar”

Anstrengend sei dieser Zustand, sagt die Grambowerin. Zudem bleibt sie auf den Kosten für die Fahrt nach Löcknitz sitzen. Ein wenig besser sei die Situation, seit die Schulen wieder den Betrieb aufgenommen haben. „Jetzt fahren immerhin die Schulbusse wieder“, sagt Marianne Spiegel.

Dass die zuständige Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern (VMV) keinen Schienenersatzverkehr und keinen Rufbus bereitgestellt haben, bemängelt auch Jörg Ballenthin, der als Zugführer beschäftigt ist und den Nordkurier auf die Lage in Grambow hinwies. Nichts hänge am Bahnhof aus. Lediglich eine digitale Anzeige der Bahn verweise darauf, dass weitere Informationen im Internet zu finden seien. Doch was, fragt er, wenn man kein Internet hat? Für ihn ist der momentane Zustand unhaltbar. „Wer keinen Führerschein hat, kein Auto, der ist aufgeschmissen“, sagt er.

Ministerium: Nachfrage ist stark zurückgegangen

Aus dem Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung heißt es auf Nordkurier-Nachfrage zum Sachverhalt sinngemäß, dass in Absprache mit der DB Regio AG angesichts der pandemiebedingten sehr stark zurückgegangenen Nachfrage auf die Einrichtung eines Schienenersatzverkehrs verzichtet wurde, dieser aber bei etwaigen Beschwerden kurzfristig hätte eingerichtet werden könne. Doch weder bei der VMV noch bei der DB Regio AG seien nennenswerte Beschwerden aufgelaufen.

Bei Grenzöffnung besteht das Problem nicht mehr

Zudem solle, nach heutigem Kenntnisstand, der grenzüberschreitende Verkehr nach Polen am 13. Juni wieder aufgenommen werden. Die Frage nach einem Schienenersatzverkehr sei damit obsolet, heißt es weiterhin. Für Aushänge an den Stationen sei die Bahn verantwortlich. Diese habe im Zuge des Pandemiegeschehens die Verteilung, Aktualisierung und Erneuerung von Aushängen auf den Stationen bundesweit vorübergehend eingestellt. Man werde dem Unternehmen aber einen entsprechenden Hinweis geben, versichert das Ministerium.

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