Aktuell ist es um die Wölfe der Region ruhiger geworden. Einige vermuteten deswegen, dass einige Wölfe überfahr
Aktuell ist es um die Wölfe der Region ruhiger geworden. Einige vermuteten deswegen, dass einige Wölfe überfahren worden sind. Susanne Böhm/© JackF - stock.adobe.com
Gerüchteküche brodelt

Seltsame Ruhe – wurden Strasburgs Wölfe überfahren?

In der Kleinstadt kursiert das Gerücht, die Tiere seien bei einem Unfall ums Leben gekommen. Lange wurde kein Riss gemeldet. Dabei sind die Wölfe ganz in der Nähe.
Strasburg

Eine Zeit lang verbreiteten Wölfe im Strasburger Umland Angst und Schrecken. Oliver Barf vom Milchschafhof am Fuchsberg in Schönhausen verlor im August 2020 einen wertvollen Zuchtbock an die Wölfe. Der traurige Höhepunkt war erreicht, als Wölfe zwischen Strasburg und Rothemühl eine ganze Herde Schafe töteten. Und dann, so plötzlich wie der Spuk gekommen war, war er wieder vorbei. Seit Monaten wurden aus dem Raum Strasburg keine Risse mehr gemeldet.

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„Es ist sehr ruhig, schon den ganzen Sommer über“, hieß es am Montag von der Deutschen Wildtierstiftung aus Klepelshagen. Was ist geschehen? Haben die Wölfe keinen Appetit mehr auf Weidetiere? Oder sind sie abgewandert? In Strasburg kursiert das Gerücht, zwei seien überfahren worden. Zwischen Strasburg und Rothemühl sei es geschehen, auf Höhe der Pension Zum Burgwall, in deren Nähe auch die Schafe starben. Schäfer Oliver Barf hat das auch gehört. „Die sollen wohl gemeinsam vor ein Auto gelaufen sein.“

Ministerium ist kein überfahrener Wolf bei Strasburg bekannt

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsministerium bestätigt das nicht. Sieben Wölfe wurden im Jahr 2021 im Nordosten überfahren, sagte Ministeriums-Sprecher Claus Tantzen am Montag – ein Welpe bei Jager (Landkreis Vorpommern-Rügen), jeweils ein erwachsenes Tier bei Ducherow und Penkun (Landkreis-Vorpommern-Greifswald), bei Gollin (Landkreis Uckermark), bei Malchow (Landkreis Mecklenburgische-Seenplatte) und zwei bei Werbellin (Landkreis Barnim). Aus Strasburg ist der Behörde kein Fall bekannt.

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Wer glaubt, die Wölfe hätten die Wälder und Wiesen bei Strasburg verlassen, der irrt, sagt Oliver Barf. Wochenlang habe er keinen mehr gesehen, seit wenigen Tagen seien sie aber wieder ganz in der Nähe seines Hofs. „In der Nacht zu heute haben die Hunde verrückt gespielt. Ich habe kaum geschlafen.“ Auch die Nächte zuvor seien unruhig gewesen.

Drei Wölfe bei Treibjagd entdeckt

Peter Neumann vom Forstamt Rothemühl hat erst vor wenigen Tagen drei Wölfe gesehen, bei einer Treibjagd liefen sie 150 Meter von seinem Hochsitz entfernt vorbei. Dass sich die Tiere inmitten mehrerer Jäger zeigen, mache deutlich, dass sie keine Scheu vor Menschen haben. Das kann Oliver Barf bestätigen. „Einer lief mal über mein Grundstück.“ Er habe schon häufig Wölfe gesehen. Zuletzt habe einer auf einer Anhöhe gesessen und seine Schafherde beobachtet. „Der war schwarz und riesig.“

Wölfe seien beeindruckend. „Sie sind viel größer als Schäferhunde, werden 70 Kilo schwer, Schäferhunde 40. Sie haben so eine krasse Energie, wie sie sich bewegen, ihre Körperspannung. Wölfe sind schon ein anderes Kaliber als Hunde – wie eine Urgewalt.“ Die Gewalt, zu der Wölfe imstande sind, geht dem Schäfer an die Substanz.

Abschießen von Problemwölfen in MV für Schäfer ein Anfang

„Ich bin Schäfer geworden, weil ich das Gegenteil wollte – einen ruhigen, entspannten Job.“ Nun aber ist er mit verängstigten, verletzten oder schlimmstenfalls toten Schafen konfrontiert, muss mit Herdenschutzhunden und Stromzäunen arbeiten – Stress für alle Beteiligten. Die neue Regelung, wonach sogenannte Problemwölfe in MV ausnahmsweise erschossen werden dürfen, hält er für einen Anfang. „Man kann sie nicht einfach machen lassen.“ Er bezweifelt allerdings, dass das gut geht. „Wenn man die Chefin eines Rudels erschießt, wer weiß, auf welche Ideen das dann herrenlose Rudel kommt.“ Dass keine Risse mehr gemeldet werden, liege schlichtweg daran, dass keine Schafe mehr im Freien weiden. „Die Tiere wurden entweder eingesperrt oder gefressen.“

Der letzte Riss in MV wurde nach Auskunft von Claus Tantzen am 15. November aus dem Landkreis Rostock gemeldet. Ein Schaf wurde getötet. Noch sei nicht abschließend geklärt, ob das wirklich ein Wolf war. Bei Strasburg wurde am 16. August ein totes Schaf gemeldet. Ein Hund habe es umgebracht, das sei erwiesen. Mit Ausnahmegenehmigung erschossen worden sei in MV bisher eine Wölfin bei Schwaan im Landkreis Rostock, weil der Verdacht bestand, sie habe sich mit einem Hund gepaart.

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