KINDERGARTEN

So erleben Erzieher die Corona-Krise

Seit Montag dürfen Vorschulkinder wieder in den Kindergarten gehen. Die Leiterinnen der Pasewalker „Kita am Storchennest“ erzählen, welche neuen Regelungen jetzt gelten und wie sie die vergangenen Wochen erlebt haben.
Kirstin Saß (links) und Dana Rosentreter leiten die „Kita am Storchennest“ in der Pasewalker Innenstadt.
Kirstin Saß (links) und Dana Rosentreter leiten die „Kita am Storchennest“ in der Pasewalker Innenstadt. Johanna Horak
Kita am Storchennest Pasewalk
Kita am Storchennest Pasewalk Johanna Horak
Pasewalk.

„Als Erzieherinnen haben wir schon oft am Limit gearbeitet, doch damit hat keiner gerechnet“, beschreibt Kirstin Saß ihre Arbeit während der Corona-Pandemie. Seit sieben Jahren leiten sie und ihre Kollegin Dana Rosentreter die von der Volkssolidarität Uecker-Randow getragene Pasewalker „Kita am Storchennest“. Dort arbeiten sie nebst Führungsposition auch als Erzieherinnen.

„Wir fühlten uns allein gelassen”

„Während der letzten Wochen haben wir uns allein gelassen gefühlt“, sagt Kirstin Saß. Vor allem vom Jugendamt hätten sie und ihre Kollegin sich mehr Unterstützung gewünscht. Natürlich sei den beiden bewusst, dass das Amt viel zu tun hatte. Dennoch hätten sie sich die ein oder andere Nachfrage gewünscht, beispielsweise, wie es mit der Umsetzung laufe, ob Hilfe benötigt werde. „Wir waren alle ein bisschen überfordert mit der Situation, keiner von uns hat so etwas erwartet, keiner konnte das proben“, sagt Kirstin Saß. Dennoch gehe sie gestärkt aus der Krise heraus. „Es war eine schwere Zeit, aber man wächst auch in solche Aufgaben rein.“

Die Kinder müssen sich erst wieder an den Alltag gewöhnen

Seit dieser Woche dürfen neben den Kindern aus der Notbetreuung auch Vorschulkinder wieder die Kindertagesstätte besuchen. Rund 69 Kinder seien es nun insgesamt in der „Kita am Storchennest“. Ab kommendem Montag dürfen auch die verbliebenen 71 Kinder zurück in ihre Kita, dann sind alle 140 Kinder aus Krippe, Kindergarten und Hort zurück. „Ich denke, die meisten Kinder freuen sich, wieder zu uns kommen zu können und ihr letztes Kindergartenjahr gemeinsam ausklingen zu lassen“, sagt Kirstin Saß. Auch wenn geplante Abschlussfahrten und Feste ausfallen müssen.

Doch auch, wenn die Freude bei den Kindern überwiegen dürfte, so müssten sie sich aber auch wieder an den Kindergarten gewöhnen. „Ich denke, die Kinder sind völlig raus aus dem Alltag im Kindergarten und müssen langsam wieder eingewöhnt werden.“

Unmut wegen neuer Öffnungszeiten

Und auch die Eltern müssten sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Zum Beispiel mit den geänderten Öffnungszeiten von 7.30 bis 16 Uhr. Diese hätten bereits bei einigen für Unmut gesorgt, erzählt Dana Rosentreter. „Würden wir früher eine Mischgruppe aufmachen, dann müssten die Kinder den ganzen Tag in dieser bleiben, denn jede Gruppe braucht einen Haupterzieher“, sagt sie. Für diese Variante mangele es aber an einem Gruppenraum, einem Badezimmer und auch an einem Erzieher, erklärt Dana Rosentreter das Problem. Den Unmut einiger Eltern über diese Regelung können die beiden Leiterinnen nachvollziehen, ändern können sie die Situation aber nicht. „Viele Eltern hören nur, dass Manuela Schwesig sagt: ‚Ab dem 25. Mai können alle Kinder wiederkommen.‘ Den Rest hören sie nicht mehr, und sie sehen auch nicht, was da alles dran hängt“, vermutet Kirstin Saß. Aber immer weitere Lockerungen würden nun mal immer mehr Regeln bedeuten. Alles in allem habe sich der Großteil der Eltern aber toll verhalten: „Die Änderungen und Regeln wurden gut angenommen, auch schon am Anfang, als es ständig Neuerungen gab.“

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Die Liste der Regeln ist lang

Dass es davon von nun an tatsächlich eine Menge gibt, macht sich für die Eltern bereits bemerkbar, wenn sie morgens den Knopf der Sprechanlage betätigen, um ihr Kind in die Betreuung zu geben. Täglich müssen sie unterschreiben, dass ihr Kind gesund ist. „Beim Abgeben des Kindes müssen die Eltern außerdem Mundschutz und Handschuhe tragen. Zudem achten wir darauf, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird“, sagt Dana Rosentreter. Im Haus hängen Wegweiser, an die sich gehalten werden muss, und die Eltern haben nur noch Kontakt zum sogenannten Haupterzieher, dem Erzieher, der fest einer Gruppe zugeordnet ist. Nicht weniger regelkonform muss die Abholung des Kindes aus der Betreuung erfolgen, und zwar durch einen zuvor festgelegten Abholberechtigten. Vollständig ist die Liste der Regeln damit noch lange nicht.

Von den Eltern wünschen sich die Leiterinnen der Einrichtung vor allem weiterhin Verständnis. „Und dass sie ihr Vertrauen in uns und unsere Arbeit behalten, denn alles, was wir machen, tun wir für das Wohl der Kinder. Wir ziehen keinen Vorteil daraus“, betont Kirstin Saß.

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Kommentare (2)

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