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Acht Jahre lang hat Sandra Nachtweih als Bürgermeisterin die Geschicke der Stadt Pasewalk maßgeblich mitbestimmt. Eine Entschei-dung, welcher beruflichen Tätigkeit sie in Zukunft nachgehen wird, hat sie nach eigenem Bekunden noch nicht getroffen. NK-Archiv
Interview

So schätzt Sandra Nachtweih ihre Amtszeit als Bürgermeisterin von Pasewalk ein

Nach acht Jahren endet die Amtszeit von Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih (CDU). Fred Lucius sprach mit der scheidenden Amtsinhaberin über ihre Amtszeit und ihre Pläne.
Pasewalk

In welchem Büro oder an welchen Arbeitsplatz werden wir Sie demnächst antreffen?

Auch die letzten Monate als Bürgermeisterin waren zeitlich immer noch anspruchsvoll für mich. Es standen viele Termine an. Viele Vorgänge, damit sich die Stadt weiterhin positiv entwickelt, mussten organisiert, vorbereitet und begleitet werden. Das Alltagsgeschäft darf nicht liegenbleiben und Anfragen nicht vernachlässigt werden. Ich werde mir in den kommenden Tagen Zeit nehmen, um zu überlegen, in welche Richtung ich weiter gehen möchte und welcher zeitliche Aufwand es mir wert ist, neue Herausforderungen anzunehmen. Einige Optionen klingen sehr interessant, ich habe allerdings noch keine Entscheidung getroffen.

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Im Nachgang kann man nichts mehr am Wahlausgang ändern. Was aber hätten Sie heute anders gemacht, um die Wahl zu gewinnen?

Es ist müßig, über Vergangenes nachzudenken, man kann es nicht ändern. Ich blicke optimistisch nach vorn, denn nur in der Zukunft können Veränderungen herbeigeführt werden.

Was wird Ihnen als Nicht-mehr-Bürgermeisterin am meisten fehlen? Worauf freuen Sie sich nach der Amtsübergabe am meisten?

Natürlich werden mir am meisten meine eng vertrauten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen, die sich mit mir für die Entwicklung Pasewalks und der ganzen Region in vielfältigen Themenbereichen eingesetzt haben. Fehlen wird mir auch die aktive Mitgestaltung der Stadt Pasewalk zu einer attraktiven Kommune, die für Investoren interessant ist, um so mittelfristig mehr Geld im Haushalt für Vereine, Feuerwehr, Kultur, Tourismus und Bildung zur Verfügung zu haben. Ich freue mich auf die gewonnene Zeit, die ich jetzt anderweitig nutzen kann. In den vergangenen acht Jahren habe ich meine ganze Kraft für die Entwicklung der Stadt Pasewalk investiert und private Interessen und meine Familie immer untergeordnet.

Sie haben unlängst gesagt, die vergangenen drei Jahre waren die erfolgreichsten für Pasewalk. Woran machen Sie das fest?

Wir haben es geschafft, in Pasewalk nicht nur eine gut aufgestellte und moderne Verwaltung aufzubauen, unter anderem mit der Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Uecker-Randow-Tal, die Verschuldung der Stadt aus den Kassenkrediten auf Null zurückzuführen, den Stadtumbau zu beschleunigen, wichtige Sanierungen von städtischen Einrichtungen wie aktuell der städtischen Turnhalle auf den Weg zu bringen und umzusetzen, sondern neben wichtigen lokalen Firmenerweiterungen auch bedeutende Firmenansiedlungen für Pasewalk gewinnen zu können.

Die ersten Jahre meiner Amtszeit waren davon geprägt, viele Gespräche zu führen und Entscheider davon zu überzeugen, dass die Stadt Pasewalk und ihre Einwohner es wert sind, hier in Projekte zu investieren und mit Landesmitteln zu fördern. Ich denke, es gibt keine andere Stadt, in der in den vergangenen Jahren so viel finanzielle Mittel in die Infrastruktur geflossen sind.

Außerdem wird mir die konstruktive und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Pasewalks Stadtvertretern fehlen. Im übertragenen Sinn ist nicht nur der ,Acker‘ bestellt, sondern die Saat ist bereits aufgegangen und entwickelt sich zur vollen Pracht.

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Was hatten Sie als Bürgermeisterin auf dem Plan, was Sie nicht erreicht oder geschafft haben?

Nicht geschafft habe ich, dass die beantragten Fördermittel für die Entwicklung des Lokschuppens auch schon verbaut worden sind. Aber dieses Projekt zur touristischen Entwicklung ist angeschoben und auf einem guten Weg. Des Weiteren ist es uns noch nicht gelungen, für das Kürassierkasino ein Nutzungskonzept zu erstellen und einen Investor für dieses Gebäude begeistern zu können.

Worauf sind Sie besonders stolz, das Sie in Ihrer Amtszeit erreicht haben?

In Pasewalk ist es gelungen, dass Verwaltung und Politik ihre Kräfte zum Wohle der Stadt und der Bürgerinnen und Bürger gebündelt haben. Dank vieler Maßnahmen wurde Pasewalk moderner, dem Investitionsstau konnte Einhalt geboten werden. Das triste Grau, das noch zwanzig Jahre nach der Wende in Pasewalk vorherrschte, verschwand. Schon viele kleine Veränderungen trugen dazu bei, dass Pasewalk sauberer, ordentlicher und farbenfroher wurde und zum Verweilen einlädt. Die Städtebauförderung machte es möglich, dass viele Immobilien der Innenstadt saniert werden konnten.

Besonders stolz bin ich auch darauf, dass der Industriepark Berlin-Szczecin Wirklichkeit wurde und wir dafür die größte Summe, die je in die Erschließung eines Industriegebietes in Mecklenburg-Vorpommern investiert wurde, nämlich 13 Millionen Euro, vom Land erhielten. Die Übergabe des Fördermittelbescheides im November 2020 war einer der emotionalsten Momente für mich in meiner Amtszeit.

Es freut mich, dass alle Maßnahmen, die wir unternommen haben, dazu führten, dass sich mit Topregal und Birkenstock die ersten Unternehmen ansiedelten und wir beide Firmen durch unsere sehr gute Performance davon überzeugen konnten, dass sie mit der Ansiedlung in Pasewalk die richtige Entscheidung getroffen haben.

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Welche Entscheidung ist Ihnen als Bürgermeisterin am schwersten gefallen? Was würden Sie als Fehler bezeichnen?

Mit Entscheidungen, beispielsweise Gebühren oder Steuern aufgrund von finanziellen Engpässen in einer Stadt erhöhen zu müssen, macht sich kein Bürgermeister oder keine Bürgermeisterin beliebt. Dennoch gehören solche Entscheidungen zum Wohl aller Bürger leider auch zum Tagesgeschäft.

Wurmt es Sie, dass jetzt Ihr Nachfolger die Lorbeeren für erfolgreiche Ansiedlungen in Pasewalk einsteckt?

Zur Demokratie gehört auch immer ein Wechsel. So wie ich Projekte von meinem Vorgänger Rainer Dambach übernommen, fortgeführt oder abgeschlossen habe, wird es jetzt auch mein Nachfolger tun. Letztendlich dienen die Ansiedlungen der wirtschaftlich guten Entwicklung der Region und der Stadt und nicht einem Einzelnen.

Würden Sie zu einem späteren Zeitpunkt noch mal für eine Bürgermeisterwahl in Pasewalk antreten oder schließen sie das definitiv aus?

Sie können Fragen stellen! Bis sich die Frage einer Kandidatur zur Wahl stellt, fließt noch viel Wasser die Uecker herunter. In den nächsten Jahren kann so viel passieren. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich daher noch nicht sagen, ob der Gedanke an eine Kandidatur überhaupt reizvoll ist.

Welchen Ratschlag würden Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben?

Jeder muss seinen eigenen Weg finden, wie er die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt und die gegebenen Wahlversprechen einlöst. Ein Erfolgsrezept gibt es nicht.

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