BUNDESWEHR IN DER KRITIK

Soldaten beschießen Frau auf dem Arbeitsweg mit Platzpatronen

Hätte es sich um scharfe Munition gehandelt, wäre Jessica Knoblauch jetzt wohl tot. Auf dem Weg zur Arbeit wurde die Frau von Soldaten beschossen.
Mit Schüssen auf sie auf dem Weg zur Arbeit hatte Jessica Knoblauch aus Blumenhagen, hier mit ihrem Lebensgefährten
Mit Schüssen auf sie auf dem Weg zur Arbeit hatte Jessica Knoblauch aus Blumenhagen, hier mit ihrem Lebensgefährten Ricardo Piper und Tochter Rosalie-Joline, hatte sie am Sonnabendmorgen nun wirklich nicht gerechnet. Fred Lucius
Gegen Mittag fand Ricardo Piper sechs Patronenhülsen von Platzpatronen.
Gegen Mittag fand Ricardo Piper sechs Patronenhülsen von Platzpatronen. Fred Lucius
Aus Richtung Blumenhagen kommend, wurde Jessica Knoblauch an dieser Stelle kurz vor Klein Luckow beschossen.
Aus Richtung Blumenhagen kommend, wurde Jessica Knoblauch an dieser Stelle kurz vor Klein Luckow beschossen. Fred Lucius
Blumenhagen.

Jessica Knoblauch ist beileibe keine ängstliche Frau. Doch was ihr am Sonnabendmorgen widerfuhr, machte ihr mächtig Angst. Auf dem Weg zur Arbeit in die Agrargesellschaft Klein Luckow, hier ist sie in der Tierproduktion tätig, blickte die Landwirtin plötzlich in Mündungsfeuer. Sie wurde in ihrem Chevrolet-Geländewagen von zwei Bundeswehrsoldaten beschossen.

+++ Aktualisierung: Nach Schüssen auf junge Frau entschuldigt sich die Bundeswehr. +++

„Ich bin wie immer normal zur Arbeit gefahren. Es war noch dunkel. Etwa 100 Meter vor dem Abzweig nach Klein Luckow feuerten zwei Soldaten auf mich, ich schätze jeder etwa fünf bis sechs Schüsse. Ich wusste gar nicht was los ist und habe mich total erschrocken“, berichtet die 29-Jährige, die mit ihrem Lebensgefährten Ricardo Piper und zwei Kindern in Blumenhagen lebt.

Bundeswehr äußert sich nicht zu dem Vorfall

Auf Höhe der Soldaten habe sie dann angehalten und gefragt, was das solle. Während sich ein Soldat am Auto versteckte, habe der andere gesagt, dass es ihm leid tue und ihr einen guten Tag gewünscht.

Im Betrieb habe sie erst einmal nachgesehen, ob bei den Tieren alles in Ordnung ist. Dann habe sie die Polizei informiert und auch bei der Bundeswehr in Torgelow angerufen. Bei letzterer Stelle konnte ihr niemand eine Auskunft geben. „Der Geländewagen der Bundeswehr stand schon einen Tag vorher dort“, sagt Jessica Knoblauch. Gegen Mittag am Sonnabend ist dann Lebensgefährte Ricardo noch einmal zu dem Tatort am Klein Luckower Damm gefahren. „Sechs Patronenhülsen habe ich dort gefunden“, meint der 28-Jährige.

Nachfragen bei der Bundeswehr blieben auch für den Nordkurier am Wochenende ohne Erfolg. In der Kürassier-Kaserne in Viereck, in der Ferdinand-von Schill-Kaserne Torgelow und in der Tollense-Kaserne in Neubrandenburg wollte, konnte oder durfte niemand etwas zu dem Vorfall sagen. Und auch in der Rettberg-Kaserne im schleswig-holsteinischen Eutin hüllte man sich in Schweigen. Aus dem dortigen Aufklärungsbataillon 6 sollen die beiden Soldaten kommen, die in Klein Luckow schossen, wie die Polizei in Pasewalk auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte.

Bei dem Einsatz, so heißt es vonseiten der Polizei, habe es sich um eine so genannte frei laufende Übung gehandelt. Bei der dürfe auch außerhalb von Truppenübungsplätzen mit Platzpatronen geschossen werden. Die Übung sei auch der Polizei nicht angemeldet und bekannt gewesen. Dafür habe sich ein Hauptmann im Nachhinein entschuldigt.

„Was, wenn das ein richtiger Einsatz ist?“

Bei den Schüssen soll es sich demnach um ein Versehen gehandelt haben, wie die Bundeswehr der Polizei schilderte. Die beiden Soldaten hatten den Angaben zufolge die Aufgabe, die Straße zu bewachen. Als Jessica Knoblauch schließlich den ländlichen Weg passierte, hätten die Soldaten fälschlicherweise das Feuer eröffnet, weil sie im Rahmen der Übung ein anderes Fahrzeug vermutet hatten. Gefahr habe für die junge Frau nicht bestanden, gibt die Polizei Angaben der Bundeswehr wieder.

Für das junge Paar aus Blumenhagen ist das nur ein schwacher Trost. „Was, wenn das ein richtiger Einsatz ist? Wird dann auch die eigene Bevölkerung erschossen?“, fragt Ricardo Piper. Auch wenn es sich um eine Übung gehandelt habe, die Bevölkerung hätte man trotzdem informieren können, ist er sich mit seiner Lebensgefährtin einig.

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Kommentare (4)

...sich dieses Vorkommnis zwischen 1956 und 1989 ereignet hätte ?
Dann würden die Soldaten ihre Nachtruhe und die folgenden Tage in Schwedt verbracht haben.
Zivilisten beschießen, und die Vorgesetzten liefern dazu noch die passende Ausrede. Die einzigen Bundeswehrangehörigen, denen ich Respekt zolle aus meinem eigenen Erleben, sind die Herren Oberst Otto und Herr Brigadegeneral von Kirchbach. Alles Übrige, was ich "kennen"lernen durfte, sind Vertreter einer großen Männerspielgruppe, Dienst von 8 bis 16 Uhr, die täglich Hunderttausende von EURO verpulvern. Und ist der Frieden, seitdem wir die Bundeswehr und nicht mehr die Nationale Volksarmee haben, auch nur um einen Deut sicherer geworden ? Vielleicht am Hindukusch, wofür diese Bundeswehr-Klassenkasper in Blumenhagen geübt haben ? Es hat schon seinen Grund, weshalb es nur eine Bundeswehr ist und keine Armee - sie wehren sich eben, fragt sich nur, gegen wen und wie lange ????

die Soldaten die dort auf Übung sind haben lediglich die lageinformation das sich dort feind rumtreibt das dieses gebiet nicht abgeriegelt ist können sie eben nicht wissen das war ein fehler der oberen Führung sie haben ihren auftrag erfüllen wollen und sich dafür entschuldigt hätten sie die info gehabt das mit Zivilbevölkerung zu rechnen ist wär das vorher genauer beobachtet worden...

Welchen Feind meinen Sie denn? Den Russen? Geflüchtete? Nordkorea? Sie sind ja ein ganz Grosser Denker...
Anständig den Hosenboden versohlen sollte man den Burschen...
Das sollte jedes Kind wissen: Man zielt mit Waffen nicht auf Menschen. Schon gar nicht im "eigenen" Land...
Kindergarten und überflüssig wie ein Kropf, diese Geldmassenvernichtungswaffe Bundeswehr

Dann war es eine realistische Übung. Denn sowas kann immer passieren. Dass ein Feind beschossen wird und kein Kamerad oder gar ein Zivilist sollte schon sicher gestellt werden. Gewissheit gibt es vielleicht in Computerspielen aber nicht im echten Leben. Da kommt es doch mal anders und nicht selten als man denkt.