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Überfall in Schmagerow jetzt vorm Landgericht

Im Verhandlungssaal im Landgericht Neubrandenburg hat auch die Greifswalder Rechtsmedizinerin Professor Britta Bockholdt (links) Platz genommen. Sie sagt als Sachverständige im Prozess um den Überfall auf einen Schmagerower Rentner aus. Rechts der Staatsanwalt, in der Mtte der Anwalt der Nebenklage.
Im Verhandlungssaal im Landgericht Neubrandenburg hat auch die Greifswalder Rechtsmedizinerin Professor Britta Bockholdt (links) Platz genommen. Sie sagt als Sachverständige im Prozess um den Überfall auf einen Schmagerower Rentner aus. Rechts der Staatsanwalt, in der Mtte der Anwalt der Nebenklage.
Simone Weirauch

Niemand hat es gesehen, aber Bernd N. aus Schmagerow behauptet, sein Nachbar habe ihn hinterrücks zusammengeschlagen. Bei dem Überfall wurde er schwer verletzt. Der Amtsrichter hat ihm nicht geglaubt. Wie wird das Landgericht entscheiden?

Vermutungen und Erinnerungslücken, Vorwürfe und Aussagen, die nicht mehr nachgeprüft werden können – die Beweisaufnahme im Fall eines angeklagten Schmagerowers, der im August 2014 seinen Nachbarn hinterrücks überfallen und krankenhausreif geschlagen haben soll, zog sich zäh über sieben Stunden hin und ist noch nicht abgeschlossen. In zweiter Instanz soll das Landgericht Neubrandenburg klären, ob die schweren Verletzungen des Opfers Bernd N. tatsächlich durch den Überfall entstanden sind, und wenn ja, wer sie ihm zugefügt hat. Erneut sitzt Nachbar Helge B. als Angeklagter vor Gericht. Das Amtsgericht Pasewalk hatte den Mann am 23. Oktober 2015 vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung frei gesprochen. Staatsanwalt und Nebenklage waren in Berufung gegangen.

Seit Mittwoch wird der Fall vor dem Landgericht neu aufgerollt. Doch das mühsame Zusammentragen von Fakten und das Rekonstruieren von Zusammenhängen werden erheblich erschwert, weil die polizeilichen Ermittlungen unvollständig sind, zu spät oder gar nicht ausgeführt wurden. Der Vorsitzende Richter übte scharfe Kritik an der Ermittlungsarbeit. Sie sei katastrophal. Das betreffe übrigens mindestens jeden zweiten Fall von Körperverletzungsdelikten, die vor dem Landgericht landen.

Auch die Rechtsmedizinerin Britta Bockholdt konnte ihre Expertise allein auf den Arztbrief mit dem Befund aus dem Krankenhaus stützen. Das Verletzungsbild beim Opfer sei typisch für ein ungebremstes Aufschlagen mit dem Hinterkopf. In Kombination mit den ausgeschlagenen Zähnen durch einen Schlag ins Gesicht decke es sich mit den Schilderungen des Opfers.

Bernd N. behauptet weiter, sein Nachbar sei der Schläger gewesen, er habe ihn aus den Augenwinkeln erkannt. Aber wird das Gericht ihm diesmal glauben? Die Verhandlung vor dem Landgericht Neubrandenburg wird am 10. Mai fortgesetzt.