Küchendeko mit Mehrwert: Diese Schneidebretter kann man an die Wand hängen und auch als solche benutzen.
Küchendeko mit Mehrwert: Diese Schneidebretter kann man an die Wand hängen und auch als solche benutzen. Susanne Böhm/Maria Kamp
Svoboda Svitlana Zinchenko (links) macht Kunst auf Küchenbrettern. Zusammen mit ihrer Tochter Alesia Praedel ist sie vor
Svoboda Svitlana Zinchenko (links) macht Kunst auf Küchenbrettern. Zusammen mit ihrer Tochter Alesia Praedel ist sie vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet und stellt nun in Pasewalk aus. Lana Svirezheva
Kunst

Ukrainerin verziert Küchenbretter und stellt sie in Pasewalk aus

Svoboda Svitlana Zinchenko ist vor dem Krieg geflüchtet. Dass es sie nach Vorpommern verschlagen hat, betrachtet sie als Schicksal. Die Künstlerin hat jetzt eine Ausstellung eröffnet.
Pasewalk

Svoboda Svitlana Zinchenko zeigt ihre Arbeiten im Salon-Café „Bei Kerstin“ in Pasewalk. Die Künstlerin aus der Ukraine stellt Küchendeko aus Schneidebrettern her.

Ihre mit Applikationen und Malerei gestalteten Holzbrettchen kommen an. Schon bei der Eröffnung ihrer Ausstellung wurden fast alle verkauft. Sie wird nachlegen und die Serie fortsetzen, sagte sie auf Nordkurier-Nachfrage. Für jedes Brett benötige sie wegen einzuhaltender Trocknungszeiten fünf bis sieben Tage, wobei sie stets mehrere gleichzeitig in Arbeit habe. Die Objekte sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern sie beinhalten auch philosophische und politische, zumeist feministische Aussagen. Außerdem erfüllen sie neben ihrer Funktion als Wandschmuck einen praktischen Zweck. Die unbemalte Rückseite lässt sich nämlich zum Schneiden oder Servieren benutzen. „Ich mag es, wenn ein Bild nicht nur schön, sondern auch nützlich ist“, sagt die 53-Jährige. Schon in ihrer Heimatstadt Kiew habe sie solche Bretter angefertigt, oft für Restaurants.

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Was Schach mit dem richtigen Leben zu tun hat

Ihre Ausstellung in Pasewalk trägt den Titel „Schach“. Die Arbeiten sind auf einer Wand angeordnet, die wie ein Schachbrett gemustert ist. „Schwarz und weiß, Mann und Frau, Krieg und Frieden: Welche Spielerin hat die beste Taktik, wer behält die Nerven, und wem gelingt es, den eigenen König zu schützen? Mit einem Zug wandelt sich das Spiel- in ein Konfliktfeld und wird auf der Weltbühne zum Kriegsschauplatz“, erklärt Künstlerin Barbara Caveng, die ihrer Kollegin den Ausstellungsraum in der Großen Kirchenstraße vermittelt hat. „Ein Schachspiel hat – wie das richtige Leben – wichtige und weniger wichtige Figuren. Die wichtigen entscheiden, und die unwichtigen müssen darunter leiden – einzelne Personen oder ganze Länder, wie jetzt beim Krieg in der Ukraine, bei dem jemand seine Macht undemokratisch nutzt“, erläutert Svoboda Zinchenko ihren Ansatz.

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Mit Tochter und Enkelin vor dem Krieg geflüchtet

Svoboda Zinchenko ist mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin vor dem Krieg geflüchtet. Ein Großteil ihrer Familie ist weiter in Kiew in Gefahr. „In Kiew kann es keine Sicherheit geben“, sagt sie. Bei allen Sorgen um die Angehörigen freue sie sich, in Vorpommern zu sein. „Ich mag Pasewalk sehr.“ Auch deshalb finden sich Motive aus dem Stadtbild in ihren Arbeiten wieder – etwa das typische Straßenpflaster, eine Ähre des Reliefs vom ehemaligen Kornspeicher am Bahnhof, die Schaufensterpuppe eines Ladens oder ein roter Kater, der ihr über den Weg lief. „Die Brettchen spiegeln immer auch den Humor der Künstlerin in allen Lebenslagen wider – Miniaturen, die auf im Schachspiel des Lebens als Komödiantinnen erscheinen“, sagt Barbara Caveng.

Svoboda Zvinchenko wurde 1969 in Charkiw geboren, in eine Familie aus Dichtern und Künstlern. Sie studierte am Kunstinstitut in Charkiw, arbeitete als Grafikerin und Krankenschwester und fertigte als freischaffende Künstlerin Wandmalereien an. Unter anderem gestaltete sie die Wände in der Erlöserkathedrale und der Ikonostase in Swessa und in Cafés und Restaurants. Ihre jetzige Situation betrachtet sie als vorbestimmtes Schicksal. „Ich bin eine gläubige Person und Gott dankbar, dass wir hier sein dürfen. Dass ich Barbara Caveng getroffen habe, war kein Zufall, sondern ein Plan. Ich freue mich sehr und bin von Herzen dankbar, Barbara zu kennen. Sie ist eine starke Persönlichkeit.“

Die Ausstellung wurde durch Mittel der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern und des Vereins Kunstasyl ermöglicht. Geöffnet ist sie bis zum 24. Juli Mittwoch, Freitag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr oder auf Anfrage unter der Telefonnummer 0171 7560028.

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