Firmeninhaber Winfried Lemke sucht schon seit Längerem einen Nachfolger für den Betrieb, den der 70-Jährige im
Firmeninhaber Winfried Lemke sucht schon seit Längerem einen Nachfolger für den Betrieb, den der 70-Jährige im November 1993 gegründet hat. Jetzt ist diese im Besitz der Stadt Pasewalk befindliche Immobilie verkauft worden. Fred Lucius
Immobilien

Verkauf unter Wert? Stadt Pasewalk sieht Schieberei-Vorwurf gelassen

Bei der Veräußerung der Halle und des Areals ist alles rechtens zugegangen, heißt es. Was klar ist: Es handelt sich um eine verworrene Geschichte.
Pasewalk

Die Anschuldigungen, die Peter Meyer* erhebt, sind schon heftig. Die Stadt Pasewalk, behauptet der Mann, habe eine ihrer Immobilien unter Wert und damit zum Schaden der Stadt verkauft. Die fragliche Immobilie liegt im Gewerbegebiet am Schlachthof und wird derzeit und von der Firma Lemke Naturstein gemietet. Der Verkaufswert: 16.000 Euro.

Der neue Eigentümer, Malermeister Roman William aus Zerrentin, verlange nun monatlich 1800 Euro Miete von Firmeninhaber Winfried Lemke. Damit müsse dieser deutlich mehr zahlen als er es bislang an die Stadt gezahlt hatte. Lemke konnte zudem nicht wie geplant zum Jahresende 2021 die Halle räumen, weil er den Auszug mit den Maschinen nicht so schnell bewerkstelligen könne. Im Eiltempo habe die Stadt den Verkauf vollzogen.

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Anderer Interessent nicht zum Zuge gekommen

Nach den Worten von Peter Meyer habe der Malermeister den 70-jährigen Naturstein-Firmeninhaber zudem bei einem Termin mit der Information über den Eigentümer-Wechsel vor den Kopf gestoßen. Darüber hinaus sei ein anderer Interessent für das Objekt, Frank Schmigalla mit seiner Firma SBW Genossenschaft Pasewalk, nicht zum Zuge gekommen, berichtet Peter Meyer, der über Insider-Wissen zu der Firma von Winfried Lemke zu verfügen scheint. Schmigalla, so behauptet Meyer, hatte zu 5 bestehenden Arbeitsplätzen weitere etwa 20 in Aussicht gestellt. Die Fördergesellschaft FEG und die Handwerkskammer seien beim Erstellen eines Finanzplanes bereits eingebunden gewesen. „Für mich stinkt das zum Himmel. Warum verzichtet die Stadt auf Geld?“, fragt Meyer, der in einem Dorf bei Pasewalk wohnt.

Stadt Pasewalk: „Da ist alles sauber gelaufen“

Winfried Lemke, der seit Längerem einen Firmen-Nachfolger sucht, will sich zu dem Thema nicht weiter äußern. Nur so viel: Vor allem seit dem Brand im Jahr 2003, an seinem alten Firmenstandort, in der Friedenstraße, fühle er sich als Handwerker von der Stadt im Stich gelassen. Absprachen mit der Stadt seien nicht eingehalten und er sogar verklagt worden. Frank Schmigalla bestätigt indes sein Interesse an der Immobilie Am Schlachthof. „Ich hätte sogar deutlich mehr gezahlt als die 16.000 Euro, weil wir als Existenzgründer gelten“, sagt er.

Im Pasewalker Rathaus nehmen Bürgermeisterin Sandra Nachtweih (CDU) und Bauamtsleiter Marko Schmidt die Vorwürfe interessiert, aber gelassen zur Kenntnis. „Da ist alles sauber gelaufen. Und das ist auch schriftlich belegt“, meint Schmidt. Seit 2016 habe es immer wieder Gesprächsrunden mit Winfried Lemke gegeben, in denen auch immer klargemacht wurde, dass bei einer Firmen-Nachfolge die Immobilie auch verkauft werde. Daher sei die Stadt mit der Halle auch nie in die Werbung gegangen. Über den Verkaufspreis gebe es wie üblich ein Wertgutachten, das später noch einmal aktualisiert worden sei.

Asbest auf dem Dach

„Der Gutachter war natürlich im Beisein von Herrn Lemke in der Firma. Er hätte das Objekt auch selber kaufen können, was er aber nicht wollte. Außerdem ist Roman William an die Stadt mit der Bitte herangetreten, die Immobilie zu kaufen, als er von den Verkaufsabsichten der Stadt durch Winfried Lemke gehört hatte“, erklärt Marko Schmidt. Frank Schmigalla sei erst im Nachgang aufgetreten, als das Objekt schon veräußert war.

Diese Angaben bestätigt auch Malermeister William. „Ich habe außerdem nicht 1800 Euro Miete, sondern 1200 Euro von Herrn Lemke verlangt. Der bisherige Mietpreis der Stadt von 460 Euro war lächerlich. Dafür braucht man eine Halle mit Grundstück nicht zu vermieten“, meint Roman William. Die auf dem Dach mit Asbestplatten versehene Halle sei im Grunde nur noch eine Hülle, die Entsorgungskosten bei einem Abriss entsprechend hoch. Bei einem derartig niedrigen Mietpreis für die Immobilie brauche man nicht zu investieren. Ob er selbst das Objekt nutzen oder einem Mieter überlassen werde, sei noch offen.

* Name ist geändert und bekannt

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