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Von einem, der Hartz IV hinter sich lassen will, es aber nicht schafft

So wie dieser junge Mann hatte sich Martin R. sein Berufsleben vorgestellt. Er wollte unbedingt Erzieher werden. Aber aus seinen Plänen wird nichts. Es gibt vorerst keine neue Umschulung, außerdem ist der 35-Jährige nicht geeignet.  Foto: P. Pleul/dpa-Archiv

VonAngela StegemannMartin R. will raus ausHartz IV. Doch das ist schwerer als gedacht.Seine Träume lassen sich nicht einfach so verwirklichen. „Ich fühle ...

VonAngela Stegemann

Martin R. will raus aus
Hartz IV. Doch das ist schwerer als gedacht.
Seine Träume lassen sich nicht einfach so verwirklichen. „Ich fühle mich gemobbt“, sagt er.

Uecker-Randow.35 Jahre alt, keinen Beruf erlernt, keinen Job, Hartz IV. So stellt sich das Leben von Martin R. (Name geändert) derzeit dar. Doch irgendwie scheint jetzt der Knoten geplatzt zu sein. „Ich will raus aus diesem System, einen zukunftsfähigen Job“, meint er. Vieles hat der junge Mann schon ausprobiert. Er ist kein Dummer, machte Abitur. Ein begonnenes Studium schmiss er, versuchte sich in einigen Jobs – alles nicht die richtigen. „Es hat gedauert, bis ich meine Talente herausgefunden haben“, meint er. Die liegen laut ihm im sozialen Bereich.
Plötzlich stand Martins Berufswunsch fest: „Ich möchte Erzieher werden. Mit Kinder arbeiten macht mir Spaß.“ Und in der Zeitung steht ja jeden Tag, dass Erzieher gebraucht werden. Doch das Jobcenter hält ihn hin, kritisiert der Mann. Zunächst wurde ihm gesagt, dass er ein Praktikum von 600 Stunden absolvieren muss, da er keine Ausbildung hat. Also suchte er sich eine Stelle. In dieser Zeit ereilten ihn gleich zwei Schicksalsschläge: Seine Mutter starb und seine langjährige Freundin trennte sich von ihm. Das nahm ihn so stark mit, dass er in die Ueckermünder Klinik kam. Drei Wochen lang wurden dort seine Vorstufen zur Depression behandelt. „Ich wurde als geheilt entlassen“, so Martin R. Mit seinem Vermittler im Jobcenter vereinbarte er danach, dass er sich eine weitere Praktikumsstelle besorgt.
Dann musste er im Auftrag der Behörde nach Neubrandenburg zum psychiatrischen Dienst, um sich testen zu lassen. Dabei kam heraus, dass er für pflegerische und soziale Berufe nicht geeignet ist. Trotzdem schickte man ihn wieder zum Praktikum. „Ich fühle mich nicht gefordert, sondern werde gemobbt“, sagt der 35-Jährige.
Unsere Zeitung sprach darüber mit Christian Gärtner, dem Chef des Jobcenters. „Unser Kollege hat nicht immer richtig beraten“, räumt er ein. Sprich: Er hätte Martin R. gleich reinen Wein einschenken müssen. Denn als dieser mit dem Wunsch kam, Erzieher werden zu wollen, da war der Zug schon längst abgefahren. Im August des vorigen Jahres hatte das BFZ bereits die vorerst letzte Umschulung zum Erzieher gestartet. Martin R. sprach aber erst Ende September/Anfang Oktober in der Behörde vor. Damit wäre die Geschichte eigentlich schon erledigt gewesen.
Aber selbst, wenn es noch weitere Umschulungen in diese Richtung gegeben hätte, die Behörde ist verpflichtet zu prüfen, ob der Kunde die schwere Umschulung über zwei Jahre auch durchhält, argumentiert Christian Gärtner. „Wenn jemand 35 Jahre alt ist und bisher noch nichts in den Griff bekommen hat, gucken wir natürlich besonders hin“, meint er. Denn letztendlich sind es auch Steuergelder, die ausgegeben werden. Zwischen 800 und 1000 Euro monatlich kostet die Umschulung zum Erzieher. Waren für Martin R. also alle Bemühungen umsonst, kommt er aus Hartz IV nicht heraus?
„Wir lassen ihn nicht fallen“, verspricht Christian Gärtner. Der 35-Jährige wird in das Jobcenter eingeladen, mit ihm wird der weitere Weg besprochen. 350 Ausbildungsberufe stehen zur Auswahl. Ein Orientierungskurs könnte helfen, den geeigneten zu finden. Viel Glück!