Die Hochseile sind gespannt, die Motorräder wurden in lichter Höhe platziert: Am Wochenende tritt in Plöwen die
Die Hochseile sind gespannt, die Motorräder wurden in lichter Höhe platziert: Am Wochenende tritt in Plöwen die Hochseiltruppe Geschwister Weisheit auf. Von links: FRV-Vorstandsmitglied Jens Riemer, Hochseilartist André Weisheit und FRV-Vorsitzender Mario Hobom. Rainer Marten
Artistik

Warum die Geschwister Weisheit dem kleinen Dorf Plöwen die Treue halten

Am Wochenende tritt die Hochseiltruppe „Geschwister Weisheit” aus Gotha mehrmals in Plöwen auf. Dorf und Artistenfamilie verbindet eine 38-jährige Freundschaft.
Plöwen

Solche Momente sind für André Weisheit im Sommer selten. Er legt das Buch zur Seite und sagt fast entschuldigend „Fachliteratur...“. Also Literatur über Hochseilartistik? Schon möglich. Seit Montag gastiert die europaweit bekannteste Hochseil-Artistenfamilie, die Geschwister Weisheit, in Plöwen. Am Dienstag hatten sie bereits die rund 60 Meter hohen Hochmasten und die Seile über den Reitplatz gespannt. Sogar die drei Motorräder hatten da bereits ihre Plätze in luftiger Höhe gefunden. Am Mittwoch war also Zeit für Entspannung und für ein Buch.

1981 holte LPG-Vorsitzender Karl Zunk die Truppe das erste Mal in den Ort. Plöwen feierte die Kulturfesttage auf dem Lande. Der Vorsitzende wollte seinen Leuten etwas bieten. Vom ersten Tag an stimmte die Chemie zwischen der Artisten-Familie und dem Dorf. Nur die Plöwener wissen, wie Zunk und die anderen Familien das geschafft haben. Die Artisten lernten Hoboms, Riemers, Zunks und viele andere kennen. „Als Kind, ich war 13, war ich sogar in den Ferien hier“, erzählt André Weisheit. Das verbindet. 1990 folgte der nächste Auftritt in Plöwen. Das war genau die Zeit, als das Geld überall knapp war und die DDR-Hochseiltruppe nicht wusste, wie die Zukunft aussehen wird. Hilfe in so einer Zeit vergisst man nicht! 1998, 2003, 2008 folgten weitere Gastspiele.

Alle 20 Familienmitglieder leben von der Hochseil-Artistik

„Auftritte in einem so kleinen Dorf sind heute die absolute Ausnahme“, sagt André Weisheit. Der Grund liegt auf der Hand: Zur Familie gehören knapp 20 Personen. Sie alle leben von der Hochseilartistik. Ihre Auftritte werden größtenteils über den Eintritt bezahlt. Die Artistenfamilie muss also dort sein, wo das Leben brummt. „Unser Geld müssen wir in rund 25 bis 30 Wochen des Jahres verdienen. In den anderen Wochen wird im Heimatort unter anderem die Technik gewartet. In dem Sinn gibt es keine Winterpause.“

Die Geschwister Weisheit sind heute bundesweit unterwegs, unter anderem gastierten sie mehrmals in den Niederlanden. 2011 gewann die Hochseiltruppe beim Zirkusfestival von Monte Carlo den Ehrenpreis der Jury und den Preis der deutschen Zirkusfreunde. Damit wurden die Spitzenleistungen der Hochseilartisten seit vielen Jahrzehnten anerkannt.

Von diesen Leistungen überzeugen können sich die Besucher des Reit- und Springturniers in Plöwen am Sonnabend und am Sonntag. Am Samstag präsentiert die Truppe um 18.30 Uhr die Hochseilshow und um 21.30 Uhr die Hochmast- und Motorradshow im Scheinwerferlicht. Am Sonntag gibt es um 17 Uhr die große Abschlussveranstaltung zu sehen. In dem Ort wird unter anderem die Fünf-Personen-Pyramide als Drahtseilakt auf dem Hochseil gezeigt. Eine Steilseildarbietung ohne Netz mit und ohne Balancierstange gehört zum Repertoire, ebenso die große Motorradshow mit zehn Artisten und drei Motorrädern in bis zu 40 Metern Höhe.

zur Homepage