Preise an den Tankstellen
Warum Diesel-Fahrer nicht mehr in Polen tanken

Bei der Star-Tankstelle in Eggesin kostete der Liter Diesel am Samstag Mittag 1,17 Euro. 
Bei der Star-Tankstelle in Eggesin kostete der Liter Diesel am Samstag Mittag 1,17 Euro.
Holger Schacht

Deutsche Diesel-Fahrer können sich im Moment die Fahrt zum Tanken nach Polen sparen. Im Südteil Vorpommerns-Greifswald ist der Preis für den Liter günstiger als hinter der Grenze. Für Benziner lohnt sich aber weiter der Trip zur polnischen Zapfsäule.

Es ist so in den Köpfen drin: Hinter der Grenze in Polen tanken Autofahrer günstiger als in Deutschland. Doch das stimmt nicht immer. In den vergangenen Wochen hat sich der Zapf-Tourismus vertauscht. Fernfahrer Georg Münster aus Ueckermünde sagt: „Der Liter Diesel ist in Polen doch deutlich teurer.“ Am Wochenende waren die Preisunterschiede zwar etwas moderater als sonst, aber beispielsweise an der Star-Tankstelle in Eggesin gab es den Liter Diesel am Samstag Mittag für 1,17 Euro, in Lubieszyn beim Polenmarkt waren zeitgleich 1,22 pro Liter fällig.

Inhaber und Pächter von Tankstellen in der Uecker-Randow-Region spüren das Kundenverhalten am Umsatz. Klaus Laade, Inhaber der HEM-Tankstelle in Ueckermünde: „Hiesige Dieselfahrer fahren nicht mehr nach Polen. Die bleiben hier.“ Auch bei der Star-Tankstelle in Eggesin heißt es: „Seit Ende des vergangenen Jahres wird bei uns deutlich mehr Diesel getankt.“ In der gesamten Region machen inzwischen verstärkt Polen halt, um zum Diesel-Zapfhahn zu greifen. In der Region Pasewalk sind die Preise im Moment zu Polen angeglichen.

Beim Benzin ist alles so wie immer

Die deutschen Diesel-Schnäppchen resultieren aus dem aktuell niedrigen Weltmarktpreis für Rohöl. Im November kostete der Liter Diesel in Deutschland etwa 30 Cent mehr. Zum Jahreswechsel fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) auf 46 Dollar. Ende Oktober hatte er noch 72 Dollar gekostet. Am Freitag lag er bei gut 60 Dollar. Diesel-Fahrer Jacek B. aus Stettin erklärt den hohen Diesel-Preis in seinem Land so: „Wir haben dieses Jahr Parlamentswahl in Polen und die Regierungspartei PiS hat Ende Dezember beschlossen, dass die Strompreise in Polen stabil bleiben.“

Über die Spritpreise entscheidet in Polen insbesondere das halbstaatliche Mineralölunternehmen PKN, das offenbar die Preis-Schwankungen auf dem Weltmarkt nicht unmittelbar an die Kunden weitergibt. Um das Strompreis-Geschenk an die Wähler finanzieren zu können, werden in der polnischen Staatskasse zusätzliche neun Milliarden Zloty gebraucht, rechnete die Zeitung „Gazeta Wyborcza“ aus. Neun Milliarden Zloty haben einen Gegenwert von rund zwei Milliarden Euro.

Alles so wie immer steht es hingegen beim Benzin. Bei BP in Lubieszyn kostete der Liter Super am Wochenende umgerechnet 1,14 Euro. 28 Kilometer weiter westlich in Pasewalk lag der Super-Literpreis bei 1,33 Euro. Der ADAC rät, in Deutschland zwischen 6 Uhr und 9 Uhr nicht zu tanken. In diesem Zeitraum liegen die Preise etwa sechs Cent über dem Tagesdurchschnitt, ergab eine Untersuchung des Automobilverbands.