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Was diese Hand näht, geht auch in die Luft

Gehört zur Ausstattung - ohne einen solchen Spezialhandschuh für das Nähen gäbe es viele Blasen. Dieser Handschuh hat schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel und verrichtet seinen Dienst noch bestens, versichert Dima Zenk.
Gehört zur Ausstattung - ohne einen solchen Spezialhandschuh für das Nähen gäbe es viele Blasen. Dieser Handschuh hat schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel und verrichtet seinen Dienst noch bestens, versichert Dima Zenk.
Lutz Storbeck

Günstiger kann eine Segelmacher-Werkstatt wohl kaum liegen. Dima Zenk aus Grambin hat das Haff gewissermaßen vor der Haustür.  Zenk fertigt aber nicht nur Segel für Schiffe, sondern auch Zeppelins.

Dima Zenk hat sich lange Zeit nicht den Haffwind um die Nase wehen lassen. Zwar hat der Mann im väterlichen Betrieb das Handwerk des Segelmachers gelernt, sich im thüringischen Ohrdruff auch die Theorie beibringen lassen. „Wobei die da gar nicht wussten, was sie mit mir machen sollten, denn zu dem Zeitpunkt, also 1981 bis 1983, war ich dort der erste Segelmacherlehrling seit 18 Jahren“, blickt Dima Zenk zurück. Und so hat er unter anderen mit angehenden Orthopädie-Schuhmachern und Sattlern die Schulbank gedrückt. Von 1983 bis zur Wende arbeitete Zenk-Junior als Geselle in der väterlichen Werkstatt, dann zog es ihn hinaus in die weite Welt, und das bedeutete: nach Berlin. „Dort bin ich Lkw gefahren, dann eine eigene Baufirma gehabt“, sagt Dima Zenk. Viel zu tun, viel Stress, Sechs-Tage-Woche. „Ab und an war ich zu Hause in Grambin, hab ab und zu bei Vater mitgeholfen“, sagt er. Dabei hat er erkannt: hier hast du Arbeit, aber hier kannst du ruhiger leben.

So kam folgerichtig die Übernahme der Segelmacherei. Seit dem 1. Mai 2012 ist Dima Zenk nun der Mann, der in der Werkstatt das Sagen hat. Unter anderem auch bestimmt, was hergestellt wird. Das sind „sämtliche textile Aufbauten für Segel- und Motoryachten“, erklärt der Segelmacher. Also natürlich Segel. In allen Größen und für alle Typen, aus Baumwolle, aber auch aus Kunststoff. Gerade erst hat Zenk zum Beispiel ein braunes Segel hereinbekommen. Rica Harder hat das Focksegel ihres Zeesbootes gebracht, damit es repariert werden kann. Für den Laien kaum erkennbar: an einigen Stellen haben Wind und Wetter dem Segel zugesetzt. „Auch einige Nähte sind nachzunähen“, sagt Dima Zenk.

Das größte in Grambin gefertigte Segel, an das sich der Experte erinnert, war ein etwa 100 Quadratmeter messendes Großsegel, für die „Ernst Schneller“. Das einstige Schulschiff gibt es noch – es ist die heutige „Wappen von Anklam“, die dem Seeportclub Anklam seit 1990 gehört. Außer Segeln und Planen hat der Segelmacher aber auch Traditionelles wieder neu in sein Produktionssortiment übernommen. „Seesäcke, so wie sie früher in Gebrauch waren“, sagt er. In mehreren Farben, aber allesamt aus schwerem, beständigen Baumwollstoff gefertigt, in verschiedenen Größen. Bei den Segeln, sagt Dima Zenk, gibt es keine Massenproduktion. „Es sind alles Einzelstücke, die wir hier fertigen“ , erklärt er und hält dann inne. Das „Wir“ ist ihm entschlüpft, denn früher haben in der Grambiner Werkstatt bis zu fünf Fachleute gearbeitet. Heute arbeitet Dima Zenk allein. Zwar ist November, die Segelsaison vorbei und darum das Geschäft etwas ruhiger.

Dennoch, in Zeiten, in denen die Nachfrage groß ist, wäre Hilfe nicht schlecht. Allerdings – es ist verdammt schwer, jemanden zu finden, der etwas von dem Fach versteht und wirklich eine Hilfe ist.

Übrigens gehen Produkte aus der Grambiner Segelmacherei auch in die Luft. Nicht irgendwo, sondern in Anklam. Für das dortige Lilienthal-Museum hat Dima Zenk nämlich einen Zeppelin gebaut. Kein Riesenteil, aber mit zehn Metern Länge und einem Durchmesser von vier Metern doch schon sehr imposant. Gesehen haben den fliegenden Zeppelin einige. Demnächst wird das Fluggerät wieder nach Grambin kommen, denn es sind, sagt Zenk, einige Änderungen nötig.