KAUM SERVICE FÜR REISENDE

Wer in Pasewalk ein Taxi braucht, hat schlechte Karten

Wer als Gast von einem der Pasewalker Hotels oder Pensionen zum Bahnhof fahren möchte, der muss Glück haben: Taxis warten nicht mehr auf die Anrufe der Kundschaft – die Unternehmer haben sich andere Geschäftsfelder gesucht, um überleben zu können. Ihre Beförderungspflicht besteht aber weiter.
Rainer Marten Rainer Marten
Taxi-Unternehmen können allein von den Personentransporten nicht mehr existieren. Schüler-, Flughafen oder Krankentran
Taxi-Unternehmen können allein von den Personentransporten nicht mehr existieren. Schüler-, Flughafen oder Krankentransporte gehören zum Geschäft. Im Landkreis sind aktuell 63 Taxi-Unternehmen angemeldet. Rainer Marten
Pasewalk.

Sehr groß ist Pasewalk nicht. Aber der Weg zum Bahnhof, legt man ihn mit gepackten Koffern und zu Fuß zurück, ist ziemlich beschwerlich. Wer den Versuch unternimmt, kurzfristig ein Taxi zu ordern, hat oft Pech: Taxen warten nicht mehr auf Kundschaft. Reisende ärgert das. „Die Hotels dürfen uns nicht fahren. Und Taxis waren nicht aufzutreiben, die uns aus der Innenstadt zum Bahnhof fuhren. Offenbar haben es die Unternehmen nicht mehr nötig, Dienstleister für Reisende zu sein“, sagte ein Gast, der kurzzeitig in Pasewalk weilte.

Fahrdienste sind nicht an die Taxi-Tarife gebunden

Bei der Pasewalker Taxi-Innung kann man Fragen zum Thema nicht mehr loswerden: Die Innung existiert nicht mehr. Aber die Telefonnummer funktioniert noch. „Es gibt keine Leute mehr“, sagt Taxi-Unternehmer Torsten Müller, bei dem die Anrufe auflaufen. Den Vorwurf, dass Taxi-Fahrer nicht mehr auf Draht seien, kennt er. „Aber das hängt mit den Fahrdiensten und Mietwagen-Unternehmen zusammen, die den regionalen Markt regelrecht abfischen“, sagt er. „Diese Unternehmen sind nicht an die Tarife der Taxiunternehmen gebunden, sie bieten ihre Fahrten wesentlich billiger an und machen unser Geschäft und damit den Service der Taxi-Unternehmen für die Bürger kaputt“, sagt er. „Eine Fahrt im Taxi vom Krankenhaus zum Bahnhof kostet rund elf Euro. Das ist der Preis laut Tarif. Mietwagen-Unternehmen fahren für fünf Euro, und das bekommen wir dann auch von den Kunden vorgehalten, wenn wir fahren und unseren Tarif nennen. Wie sich fünf Euro angesichts der fälligen 19 Prozent Mehrwertsteuer für diese Unternehmen rechnen, weiß ich wirklich nicht. Aber das ist die Praxis“, sagt er.

Zahl der Taxi-Unternehmen im Landkreis ist stabil

„Wir Taxi-Unternehmen können nur noch existieren, wenn wir Schüler- und Krankentransporte oder Fahrten für die Krankenkassen übernehmen“, sagt er. Das schränkt aber den Service für den Bürger ein. „Hinzu kommt, dass es immer weniger Taxi-Unternehmen gibt“, so der Taxi-Unternehmer. „Wir tun, was wir können“, sagt er. Allerdings: „Ein Anruf, und wir sind da, das war einmal. Taxis an jeder Ecke gibt es nur noch in Berlin. Wer gefahren werden möchte, der muss die Fahrt rechtzeitig anmelden und sich nicht erst eine halbe Stunde vorher melden.“

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald existieren aktuell 63 Taxi-Unternehmen. Die Zahl ist stabil. In diesem Jahr gab es bisher zwei Unternehmensan- und -abmeldungen, teilte auf Nachfrage Peter Weirauch, Leiter des Straßenverkehrsamtes beim Landkreis, mit. Die Unternehmen haben eine Beförderungspflicht laut Pflichtfahrgebiet, erinnert er. Das sei in der Taxiverordnung des Landkreises so festgelegt. An Spekulationen, ob rechtmäßig befördert wird oder nicht, will er sich nicht beteiligen. „Als Behörde können wir nur handeln, wenn uns konkret gesagt wird, wann wer Fahrleistungen verweigert hat und wann möglicherweise nicht zugelassene Unternehmen Fahrten in der Region ausführen. Für uns zählen die Fakten. Dann reagieren wir auch.“

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