Gefährliche Hunderassen
Wo sind Vorpommerns Listenhunde geblieben?

Vor knapp 20 Jahren waren die sogenannten Listenhunde oder Kampfhunde ein Thema in den Medien. Sie spielen noch immer eine Rolle, aber in der Öffentlichkeit nicht so wie noch vor Jahren. 
Vor knapp 20 Jahren waren die sogenannten Listenhunde oder Kampfhunde ein Thema in den Medien. Sie spielen noch immer eine Rolle, aber in der Öffentlichkeit nicht so wie noch vor Jahren.
Bernd Thissen

Lange beschäftigten bestimmte Hunderassen die öffentliche Debatte. Täuscht der Eindruck, dass es heute deutlich weniger dieser Tiere in der Region gibt?

In Strasburg gibt es offiziell keinen angemeldeten Listenhund. In Pasewalk und im Amtsbereich Uecker-Randow-Tal existiert offiziell ein Tier. Ebenfalls auf nur einen Listenhund kommt das Amt Löcknitz-Penkun. Das ergab in dieser Woche eine Umfrage in den Ordnungsbehörden. Sollte die Verordnung über das Führen und Halten von Hunden, die im kommenden Jahr 20 Jahre alt wird, einen so durchschlagenden Erfolg haben, dass Hundeliebhaber keine gefährlichen Rassen mehr halten oder züchten?

Der Sprecher der Kreisverwaltung, Achim Froitzheim, ist da sehr skeptisch. „Auch wenn die Zuständigkeit nicht bei uns, sondern bei den örtlichen Ordnungsbehörden liegt – ich gehe von einer hohen Dunkelziffer aus. Spätestens bei einem nächsten Vorfall mit einem nicht registrierten Listenhund erfahren wir, dass nicht alle Tiere erfasst sind, die sich auf unseren Straßen bewegen“, sagt er.

Ralf Linse vom Ordnungsamt des Amtes Löcknitz-Penkun nennt einen anderen Grund, warum die Zahlen so niedrig sind: Ein Teil der einst gemeldeten Tiere sei in den Jahren schlichtweg gestorben.

Bis zu 500 Euro Hundesteuer pro Jahr

Gefährliche Hunderassen werden nicht als solche angemeldet, weil das mit Kosten, Arbeit und Aufwand verbunden ist, mutmaßt Kreissprecher Froitzheim. Wer einen gefährlichen Hund ausbilden, abrichten oder halten will, bedarf der Erlaubnis der örtlichen Ordnungsbehörde. Also muss der Halter den Weg dorthin gehen.

In durchgehend allen Gemeinden werden darüber hinaus Hunde der Rassen American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bull Terrier, Bull Terrier sowie deren Kreuzungen untereinander und mit anderen Hunderassen als Listenhunde steuerlich höher belastet. Bis zu 500 Euro Hundesteuer im Jahr verlangen die Kommunen vom Halter. Warum sollten Halter da ihre Rasse ehrlich angeben?

84 Verletzungen durch Hundebisse

„Darüber hinaus wird von den Haltern verlangt, dass ihre Hunde einem Gutachter vorgestellt werden und sie einen Wesenstest machen“, so Froitzheim. Wie oft Halter mit ihren Tieren einen Wesenstest durchgeführt haben, ist dem Landkreis nicht bekannt, da hier die Hundezuchtvereine eingebunden sind. „Über das Veterinäramt haben im Jahr 2018 fünfzehn Hundehalter eine Sachkunde abgelegt. Wir sind jederzeit bereit, befähigte Hundesportvereine zu vermitteln, in denen zum Beispiel ein Wesenstest gemacht werden kann“, so Froitzheim weiter.

Lediglich im Strasburger Ordnungsamt laufen derzeit Verfahren mit dem Ziel, dem Halter zu bestätigen, dass sein Hund ungefährlich ist. In einem Fall wurde jüngst die Unbedenklichkeitsbescheinigung wieder eingezogen, weil das Tier anders reagierte, als es ihm bestätigt wurde. „Eine solche Bescheinigung verliert mit dem Wechsel des Hundehalters und nach Feststellung der Gefährlichkeit des Hundes, spätestens jedoch fünf Jahre nach der Ausstellung ihre Gültigkeit“, so der Sprecher. Wer mit seinem Hund außerhalb seines umzäunten Besitzes unterwegs ist, muss die Bescheinigung bei sich führen und auf amtliches Verlangen vorzeigen.

Übergriffe von Hunden auf Menschen waren, auch unabhängig von der Zahl der vorhandenen Listenhunde, 2018 immer wieder einmal ein Thema in der Behörde. Kreisweit wurden 84 Verletzungen durch Hundebisse registriert, an einem Fall war ein Kampfhund-Mix beteiligt.