WOLFSRISS

Wolf verschleppt Kalb vor den Augen des Jägers

Den Verlust von gleich mehreren Kälbern muss ein Storkower Agrar-Betrieb verkraften. In einer Kuhherde des Unternehmens mit Sitz in Krackow hat ein Wolf am Montagabend gewütet – ein Jäger musste tatenlos zusehen.
Fred Biederstädt (Dritter von links) schildert seine Beobachtungen. Am Montagabend sah der Jäger, wie ein Wolf ein K
Fred Biederstädt (Dritter von links) schildert seine Beobachtungen. Am Montagabend sah der Jäger, wie ein Wolf ein Kalb ins Dickicht zog. Vor Ort: Rissgutachter Torsten Dinse (Zweiter von links), Martin Krause (links) und Vorstand Stefan Krause. Rainer Marten
Die beiden Limousin-Herden der Storkower Agrar AG umfassen jeweils rund 150 Kühe. Sie weiden naturnah in den Randow-Wiese
Die beiden Limousin-Herden der Storkower Agrar AG umfassen jeweils rund 150 Kühe. Sie weiden naturnah in den Randow-Wiesen. Seit März bis Ende Juli erblicken die Kälber das Licht der Welt. Rainer Marten
Vermutlich handelt es sich um eine Einzeltier, das aktuell bei Krackow in den Rinderherden wütet.
Vermutlich handelt es sich um eine Einzeltier, das aktuell bei Krackow in den Rinderherden wütet. Julian Stratenschulte
Krackow.

Am Montag war Jäger Fred Biederstädt in seinem Revier in den Randow-Wiesen auf Pirsch. Was der Jäger dort beobachten musste, ließ den Mann erschauern: Eine völlig aufgelöste Kuhherde, blökende Kälber und am Wiesenrand ein Wolf, der ein gerade erlegtes Kalb aus der Herde ins Dickicht zog. „Es war gegen 20.30 Uhr“, berichtete der Jäger am Tag danach noch immer betroffen. Er informierte sofort den Vorstand der Storkower Agrar AG. „Das war nicht meine erste Begegnung mit dem Wolf: Vor 14 Tagen, es war ein Sonntag, waren wir hier ebenfalls unterwegs. Gegen 14.10 Uhr hat sich ein Wolf an Rehwild zu schaffen gemacht. Ohne Scheu und am helllichten Tag!“, berichtete Biederstädt weiter. 

Vor sechs, sieben Jahren zeigte sich der Wolf zum ersten Mal

Seit rund 16 Jahren betreut der Jäger das Revier an den Randow-Wiesen, vor sechs oder sieben Jahren sei dort das erste Mal ein Wolf aufgetaucht. Seit etwa zwei Jahren spürt der Storkower Agrar-Betrieb ganz massiv die Präsenz des Räubers.

„Etwa zehn Kälber haben wir im vergangenen Jahr verloren, mindestens fünf sind es schon in diesem Jahr. Wo soll die Reise hingehen?“, fragte Vorstand Stefan Krause.

Die Nachsuche am Dienstag in den Randow-Wiesen offenbarte dem Landwirt das ganze Ausmaß der Hatz am Vorabend. Drei, möglicherweise sogar vier Kälber seien ums Leben gekommen. „Ein Kalb haben wir ertrunken im Wasser gefunden, von den anderen waren nur noch die Läufe da“, berichtete er.

Als Rissgutachter Torsten Dinse am Dienstagvormittag die Reste in Augenschein nahm und barg, hatten sich Stunden vorher andere Wildtiere an den Kadavern zu schaffen gemacht. Ein Greifvogel, ein Fuchs – es wird schwierig sein, noch Wolfs-DNA zu finden, sagte der Fachmann.

Fast täglich werden Wölfe gesehen

Für den ganzen Aufwand, der nach so einem Vorfall betrieben wird, hat Vorstand Krause nicht viel übrig. „Für uns zählt, was wir hier erleben. Das sind die fast täglichen Begegnungen der Herdenmanager mit dem Wolf“, sagte er. Seit zwei Jahren lasse der Räuber in dem kleinen Unternehmen niemanden mehr wirklich schlafen, so der Chef des Biobetriebes. „Wir machen hier alles im Interesse der Kühe: naturnahe Haltung, Abkalben im Freien. Was wir hier nicht können ist, alle Anforderungen der Politik zu den Schutzmaßnahmen umsetzen. Überall Zäune setzen, das ist angesichts der unterschiedlichen Eigentümer und der Flächenüberschneidungen gar nicht möglich. Darüber hinaus schließen Besitzer, darunter die BVVG, mit uns nur kurzfristige Pachtverträge ab. Für das Wild wäre das eine künstliche Barriere. Der große Aufwand rentiert sich einfach nicht“, sagte er.

„Hier muss die Politik reagieren!”

Wenn die Wolfsrisse, wie in diesem Jahr begonnen, so weiter gingen, dann rechne sich auf Dauer die Rinderhaltung nicht. Zwar fließe bei einem eindeutigen Wolfsriss eine Entschädigung, sie gleiche aber nicht den Verlust aus. Gezahlt werden rund 200 Euro, eine junge Färse bringt im Herbst im Durchschnitt 600, ein Jungbulle 800 Euro, rechnete er auf. „Aktuell können wir den Verlust in dieser Herde nicht wirklich beziffern, denn es ist gar nicht möglich, den Bestand täglich durchzuzählen“, fügte er hinzu.

Seit März kalben die Kühe. Das dauert bis Ende Juli. In der Herde mit rund 150 Kühen müsste es im Herbst rund 140 Kälber geben. Schon jetzt zeichne sich ab, dass diese Zahl nicht erreicht wird. Für den Landwirt steht fest: Hier muss die Politik reagieren! „Wie beim Biber“, sagte er und meinte damit die Bestandsregulierung.

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