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Zu viele Wolfsrisse – Rinderhalter ist frustriert

Nach dem sechsten wahrscheinlichen Wolfsriss in der Agrargesellschaft Grambow fragt man sich dort: Ist die Weidehaltung von Mutterkühen so noch machbar und sinnvoll?
Wieder wurde auf einer Weide der Agrargesellschaft Grambow bei Retzin ein totes Kalb gefunden.
Wieder wurde auf einer Weide der Agrargesellschaft Grambow bei Retzin ein totes Kalb gefunden. ZVG
Rund 180 Mutterkühe gehören zur Agrargesellschaft Grambow. Die Kälber werden in diesen Tagen geboren. Für
Rund 180 Mutterkühe gehören zur Agrargesellschaft Grambow. Die Kälber werden in diesen Tagen geboren. Für den Wolf sind die Jungtiere eine leichte Beute. Fred Lucius
Retzin ·

Für Landwirt Felix Pickert ist die extensive Weidehaltung von Mutterkühen in vielerlei Hinsicht optimal. „Diese Haltungsform dient dem Tierwohl, sie schützt die Umwelt und erhält die Kulturlandschaft“, sagt der Geschäftsführer der Agrargesellschaft Grambow. Auf ausgedehnten Flächen könnten die Mutterkühe und ihr Nachwuchs ganzjährig und ohne Weidedruck draußen gehalten werden. Um den Wolf zu schützen, wird diese extensive Beweidung nach Ansicht des Landwirts infrage gestellt. „Bei ständigen Wolfsrissen ist das nicht mehr realisierbar“, erklärt Felix Pickert.

Erneut zwei tote Kälber gefunden

Am Dienstag waren auf einer Weide bei Retzin erneut zwei Tote Kälber gefunden worden. Bei einem toten Tier sei ein Wolfsriss sehr wahrscheinlich. Bei dem anderen könnte es sich auch um eine Totgeburt handeln. Daher sei dieses Kalb zur Untersuchung eingeschickt worden. Mittlerweile gibt es in der Agrargesellschaft damit sechs tote Kälber, bei denen der Wolf als sichere Todesursache angenommen wird. Für ihn wie auch für die Mitarbeiter, die sich um die Tiere kümmern, sei das ziemlich frustrierend. „Wir können die Randow-Region doch nicht großflächig mit einem massiven Zaun einzäunen! Anforderungen wie bei der Schafhaltung kann man bei Rindern nicht umsetzen. Bei fünf Schafen im Garten kann man das machen. Aber nicht hier“, erklärt der Geschäftsführer.

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In der Grambower Agrargesellschaft würden die rund 180 Muttertiere und ihr Nachwuchs auf etwa 250 Hektar weiden. Auch Herdenschutzhunde würden hier nicht infrage kommen. Nicht realisierbar sei zudem, die Tiere nachts in Ställe zu bringen. Dazu würden sich die Weiden zu weit entfernt von Stallanlagen befinden. „Wir sind keine Hobbyhalter. Wir verdienen damit unseren Lebensunterhalt“, betont Felix Pickert. In der Agrargesellschaft Grambow und den verbundenen Betrieben würden jeden Monat 50 Mitarbeiter bezahlt. Als Ausgleich für die getöteten Kälber bekommen der Betrieb 250 Euro je Kalb. Auch wenn bislang noch keine Entschädigung gezahlt wurde – eine solche würde den Wert der Tiere nicht wirklich widerspiegeln und nur einen Teil des späteren Erlöses für ein Tier abbilden.

Klare Regeln für Abschuss von Wölfen

Nach Einschätzung des Landwirts muss der Wolf nicht zwingend ins Jagdrecht aufgenommen werden. Es gebe auf Landesebene und bei den untergeordneten Stellen die Möglichkeit, die Entnahme von Wölfen anzuordnen. „Das muss juristisch klar geregelt sein. Und es muss nach Fakten entschieden werden. Sind die Bedingungen erfüllt, muss eine Entnahme möglich sein“, sagt der Geschäftsführer und fügt hinzu, dass Gewissensentscheidungen in diesem Prozess der Verwaltung keine Rolle spielen dürfen.

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Im Fall der getöteten Kälber der Agrargesellschaft Grambow seien die Indizien eindeutig. Es gebe den genetischen Nachweis laut DNA, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat. Zudem hätten Jäger die Raubtiere mehrfach gesehen. „Was sollen wir machen, wenn ein Jäger anruft und einen Wolf meldet – verscheuchen? Und zwei Stunden später ist er wieder da“, sagt Pickert. Es sei zu vermuten, dass sich der Wolf weiter an den Jungtieren der Herde bedient.

Am Mittwoch meldete die Storkower Agrar AG, dass auch dort erneut ein Kalb gerissen wurde. Die Reste des Tieres fanden Mitarbeiter am Nachmittag bei einer Kontrollfahrt. Den Fall begutachteten Wolfsbeauftragter Torsten Dinse und die Amtstierärztin. Entdeckt wurde das Tier in den Randow-Wiesen in der Grenzlage zu Glasow. Wie in der Agrargesellschaft Grambow werden auch hier weitere Verluste befürchtet. Täglich kommen hier zurzeit acht bis zehn Kälber zur Welt.

Eine Übersicht über Wolfssichtungen und Risse in Mecklenburg-Vorpommern finden Sie in dieser Karte:

 

 

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Kommentare (1)

Da hilft nur die 3 S- Methode: Schießen, Scharren, Schweigen