Ob Steuern, Aktien, Spenden oder Rechnungen bezahlen: Wer voraussichtig agiert, spart Geld.
Ob Steuern, Aktien, Spenden oder Rechnungen bezahlen: Wer voraussichtig agiert, spart Geld. Christin Klose
Finanzen

So sparen Sie zum Jahreswechsel noch richtig Geld

Wer sich nach Weihnachten noch einen Tag Zeit nimmt, um einige Dinge zu erledigen, könnte viel Geld sparen. Andere Dinge sollten jedoch besser ins neue Jahr verschoben werden. Eine Übersicht.
Neubrandenburg

Zwischen Weihnachten und der ersten Januar-Woche wollen viele locker machen und einen Gang runter schalten. Doch gerade in dieser Zeit lohnt sich ein kurzer Blick auf die eigenen Finanzen. Denn zwischen den Jahren lassen sich an vielen Stellen noch ein paar Euros rausholen, was gerade mit Blick auf eine erhöhte Inflation und steigende Energiepreise wie Balsam für die geschundene Geldbörse wirkt.

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Vor allem der Blick auf die Steuern ist entscheidend. Wichtig ist hier, dass steuerlich das sogenannte Abflussprinzip gilt: Ausgaben sind in dem Jahr steuerlich zu erfassen, in dem sie geleistet wurden. Für Sie macht es also nur einen Unterschied von ein paar Stunden, ob Sie zum Beispiel eine Rechnung am 31. Dezember oder am 1. Januar begleichen. Für das Finanzamt beträgt der Unterschied aber ein ganzes Jahr, was für ihr Portemonnaie Einsparungen im dreistelligen oder vierstelligen Bereich bedeuten kann. Aber immer der Reihe nach. Worauf müssen Sie jetzt achten?

1. Werbungskosten

Da sind zunächst einmal die sogenannten Werbungskosten, also alle Ausgaben, die Sie im Jahr mit Bezug zu einer Erwerbstätigkeit getätigt haben. Die Pauschale beträgt 1.000 Euro einschließlich der Fahrten zum Arbeitsplatz – nur wenn Sie diese Pauschale überschreiten, werden die Kosten angerechnet. Wenn Ihre Ausgaben für das Jahr 2021 über dieser Summe liegen, dann lohnt es sich, mögliche Kosten im Jahr 2022 noch ins alte Jahr zu holen. Ob Computerzubehör, Schreibwaren, Steuersoftware, Fachbücher, ein neuer Schreibtisch oder der ergonomische Bürostuhl – es zählt das Datum, an dem Sie die Rechnung bezahlt haben, ob im Geschäft oder online.

Sollten Sie die Pauschale nicht überschreiten, dann haben Sie durch zusätzliche Ausgaben im Jahr 2021 auch keinen Steuervorteil. Dann bündeln Sie die Ausgaben lieber und verschieben sie ins nächste Jahr. Sollten Sie hingegen im Jahr 2022 absehbar weniger verdienen, zum Beispiel weil Sie in Rente oder in Elternzeit gehen, dann bündeln Sie die Ausgaben lieber für das Jahr 2021 – denn dann wirkt sich der Steuervorteil stärker aus.

2. Handwerkerkosten

Bei Kosten für Handwerker gilt dasselbe Prinzip, aber unter umgekehrten Voraussetzungen: Hier ist nämlich eine Obergrenze von 6.000 Euro entscheidend. Bis zu dieser Summe dürfen Sie Handwerkerrechnungen von der Steuer absetzen. Wenn Sie den Höchstbetrag für das Jahr 2021 bereits ausgeschöpft haben, dann begleichen Sie Rechnungen lieber erst ab dem 1. Januar 2022, ansonsten davor. Wieder ist der Zeitpunkt der Zahlung entscheidend, nicht der Rechnung.

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Bei hohen Kosten könnten Sie Ihren Handwerksbetrieb auch bitten, eine Abschlagszahlung und eine finale Zahlung vornehmen zu dürfen, die Sie dann separat in den Jahren 2021 und 2022 überweisen. So würden Sie den Höchstbetrag optimal ausschöpfen. Lohn-, Fahrt- und Maschinen­kosten müssen in der Rechnung gesondert ausgewiesen sein, Material­kosten akzeptiert das Finanz­amt hingegen nicht.

3. Außergewöhnliche Belastungen im Bereich Gesundheit oder Pflege

Jetzt wird es ein wenig komplizierter. Denn bei den Ausgaben, die Sie für Ihre Gesundheit, Pflege oder im Krankheitsfall getätigt haben, gilt ein „zumutbarer” Eigenanteil, der wiederum von der Höhe Ihres Einkommens und Ihrer familiären Konstellation abhängig ist. Die Stiftung Warentest hat einen aktuellen Rechner dazu (https://www.test.de/Rechner-Aussergewoehnlichen-Belastungen-So-ermitteln-Sie-Ihren-Eigenanteil-5536032-0/), der Ihnen ausrechnet, wie viel Sie bei der Steuererklärung angeben können.

Absetzbar sind hier zum Beispiel Ausgaben für die Brille, den Zahnersatz, die Kur oder eine Physiotherapie, hinzu kommen die Kosten von medizinisch notwendigen Behandlungen, Medikamenten, der häuslichen Pflege oder Heimunterbringungen, sowie Ausgaben für Beerdigungen, wenn diese das Erbe übersteigen, oder die Kosten von Umbaumaßnahmen am Haus, wenn es durch nachgewiesen gesundheitsgefährdende Stoffe belastet ist. Wenn Sie hier größere Ausgaben hatten, lesen Sie sich am besten ein bisschen ein oder fragen einen Steuerberater – es könnte sich lohnen.

4. Spenden

Gerade in der Weihnachtszeit wird viel gespendet. Das ist nicht nur für die vielen notleidenden Menschen toll, sondern auch für den Spender selbst – denn im Jahr können bis zu 20 Prozent des Gesamt­betrags der Einkünfte steuerlich abgesetzt werden. Spendet man mehr, lässt sich die Differenz auch ins Folgejahr mitnehmen. Normalerweise erkennt das Finanzamt Spenden bis 300 Euro ohne Weiteres an, darüber hinaus ist eine Spendenquittung nötig. Überweisungsnachweise sollten für Rückfragen trotzdem aufbewahrt werden.

5. Verluste aus Wertpapiergeschäften

Normalerweise verrechnet die Depotbank Verluste aus Wertpapieren automatisch mit Gewinnen. Mit den vielen aufstrebenden Neobrokern wie Scalable Capital oder Trade Repulic haben viele Anleger heute aber Depots bei mehreren Banken. Wer Verluste jetzt depotübergreifend verrrechnen lassen will, der sollte schnell eine Verlustbescheinigung anfordern, die dann mit der Steuererklärung eingereicht wird. Beantragt wird diese bei der Bank, bei der der Verlust entstanden ist.

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6. Staatliche Zulagen für Kapitalanleger

Wer bereits über die Riesterrente, vermögenswirksame Leistungen oder die Wohnungsbauprämie vorsorgt, der muss bis spätestens 31. Dezember 2021 die Anträge für das Jahr 2019 gestellt haben, ansonsten verfallen die steuerlichen Zuschüsse. Hier müssen Sie unter Umständen die Steuererklärung für 2019 nachträglich abgeben. Und damit kommen wir auch schon zum letzten wichtigen Punkt:

7. Steuererklärungen nachreichen

Wer nicht zu einer Steuererklärung verpflichtet ist, hat oft gute Chancen, dass er eine Nachzahlung erhält. So können einem im Laufe der Zeit nicht unerhebliche Summen durch die Lappen gehen. Glücklicherweise kann dies bis zu vier Jahre im Nachhinein noch erledigt werden. Das heißt: Bis zum 31. Dezember 2021 kann die freiwillige Steuererklärung für das Jahr 2017 eingereicht werden, die für 2018 wird spätestens zum Jahresende 2022 fällig, und so weiter. Es spricht aber auch nichts dagegen, bis Ende 2021 alle freiwilligen Steuerklärungen für die Jahre 2017 bis 2021 abzugeben – außer Sie haben etwas gegen einen warmen Geldregen zur Osterzeit.

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