Die Geschlechtszusammensetzung in manchen Berufen wie Lehrerin oder Apothekerin hat sich mit der Zeit geändert. Forscher haben nun eine neue Erklärung dafür.
Die Geschlechtszusammensetzung in manchen Berufen wie Lehrerin oder Apothekerin hat sich mit der Zeit geändert. Forscher haben nun eine neue Erklärung dafür. Sebastian Gollnow / Caroline Seidel
Geschlechterrollen

Männer verlassen Berufe, wenn dort immer mehr Frauen arbeiten

Warum arbeiten Männer und Frauen in bestimmten Berufen? Interessen und Fähigkeiten sind Gründe – aber wohl auch das Geschlecht, das in der Branche dominiert.
Zürich

Viele Frauen und Männer arbeiten in geschlechtstypischen Berufen. Ein wichtiger Grund dafür ist offenbar auch, dass Männer Berufe verlassen, die vermehrt von Frauen ergriffen werden. Dieser Umstand erklärt laut einer Studie der Universität Zürich auch, warum Berufe ihre Geschlechterzusammensetzung ändern oder wie es innerhalb von Berufen zu frauen- und männerdominierten Spezialisierungen kommt. Die Forscher ziehen den Schluss, dass Geschlechtertrennung in Berufen nicht nur von geschlechtstypischen Berufsattributen verursacht wird, sondern auch von Männern und Frauen, die sich bewusst oder unbewusst gegen eine Durchmischung wehren.

Mit diesen Erkenntnissen wird die Annahme infrage gestellt, dass Frauen und Männer verschiedene Berufe wegen „natürlichen unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen” wählen. Wie es in der kürzlich im Fachblatt „Social Networks” publizierten Studie weiter heißt, blieb die Geschlechtertrennung in den vergangen Jahren konstant hoch. Die empirischen Daten der Studie stammen aus Großbritannien aus den Jahren 2000 bis 2008. Die Forscher vermuten es zwar, haben allerdings keine Beweise dafür, dass ihre Schlüsse auch für andere Länder und Zeiträume gelten.

Berufe ändern Geschlechterzusammensetzung

Die Studie verglich unter anderem zwei hypothetische Berufe durch ein neues soziologisches Modell. Bei einem der Berufe lag der Frauenanteil bei 25 Prozent, beim anderen bei 75 Prozent. „Die Analyse zeigt, dass Männer mit doppelter Wahrscheinlichkeit den sich feminisierenden Beruf verlassen”. Dies erklärte Studienautor Per Block in einer Mitteilung der Universität Zürich vom Dienstag. Zwischen 19 und 28 Prozent der beobachteten Geschlechtertrennung bei Berufen sollen mit diesem aufkommenden Phänomen zusammenhängen.

Dies erkläre auch, warum gewisse Berufe mit der Zeit ihre Geschlechterzusammensetzung ändern. So war zum Beispiel Lehrer einst ein männerdominierter Beruf, heute wird er vorwiegend von Frauen ausgeführt. Zudem könne so erklärt werden, wie es innerhalb von Berufen zu geschlechtsspezifischen Spezialisierungen kommt: So arbeiten in der Radiologie eher Männer und in der Dermatologie eher Frauen. Das ist aber gemäß der Studie nicht die Folge von gewissen beruflichen Merkmalen, sondern die Ursache davon.

„Der Pflegeberuf wird eher mit stereotyp weiblichen Attributen beschrieben: sozial, empathisch, kümmernd”, erklärt Block. Aber: Wären die meisten Pflegepersonen Männer, würden eher die Begriffe „verantwortungsbewusst, durchsetzungsstark oder körperlich anstrengend” fallen. Weil mehr Frauen in der Pflege arbeiten, hat sich also die gesellschaftliche Wahrnehmung dieses Berufs geändert. Daher entscheiden sich Männer nun seltener für den Pflegeberuf, weil sie sich selbst vielleicht nicht als „empathisch” sehen.

 

 

 

 

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