MERKEL ZU CORONA-SCHNELLTEST

Ab März können sich die Menschen „freitesten”

Ab März könnten sich die Menschen „freitesten”, wie es Kanzlerin Merkel formulierte. Wie bei der Impfstrategie gibt es auch bei Zulassung von Schnelltests Nachholbedarf.
dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiß noch nicht wann genau, aber im März können sich die Menschen in Deuts
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiß noch nicht wann genau, aber im März können sich die Menschen in Deutschland durch Schnelltests „freitesten”, wie sie sagte. Sean Gallup
Berlin ·

Mit der Ankunft von mehr Impfstoffen rechnen die Bundesländer bis Anfang April mit einem deutlichen Fortschritt bei den Impfungen gegen das Coronavirus. In mehreren Ländern könnten die Impfkapazitäten bis dahin verdoppelt werden, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. Unterdessen wies Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Kritik am Tempo der Zulassung von Corona-Selbsttests in Deutschland zurück. Die ersten drei Tests sollen nach erfolgter Freigabe in den nächsten Tagen in Apotheken und Drogeriemärkten frei zu kaufen sein.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) koppelt mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen an die Schnelltests. „Eine intelligente Öffnungsstrategie ist mit umfassenden Schnelltests, gleichsam als Freitesten, untrennbar verbunden”, sagte sie. „Wie lange es dann dauert, bis ein solches System installiert ist, kann ich auf den Tag genau noch nicht sagen. Es wird aber im März sein.” Zuvor berät sie am 3. März noch mit den Landesregierungschefs auch über diese Frage.

Kritik an Impf- und Teststratgie

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 11.869 Corona-Neuinfektionen und damit 1.662 mehr als vor einer Woche. Das geht aus Zahlen des RKI vom Donnerstag hervor. Auch die Zahl neuer Ansteckungen binnen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Donnerstagmorgen mit bundesweit 61,7 höher als am Vortag (59,3). Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 385 weitere Todesfälle verzeichnet. Die Daten geben den Stand des RKI-Dashboards von Donnerstag, 03.10 Uhr, wieder, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen sind möglich.

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Wegen Verzögerungen sowohl bei den Impfungen als auch bei der Zulassung von Tests gab es zuletzt zunehmend Kritik am deutschen Kurs. Spahn selbst drängte auf ein höheres Impftempo in den Ländern. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurden bis einschließlich Dienstag bundesweit 5,4 Millionen Impfdosen gespritzt, vor allem an Menschen über 80 Jahren. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) mahnte nach Versäumnissen bei der Bestellung von Impfstoffen ein besseres Zusammenspiel zwischen Bund, Ländern und Gemeinden an.

Doppelte Impfkapazitäten in MV

Die Länder hoffen nun auf einen schnellen Ausbau der Kapazitäten. In Bayern zum Beispiel soll sie von 46.000 Impfungen pro Tag bis April auf 111.000 steigen. In Baden-Württemberg könnten bis zu 60.000 Impfungen erfolgen. Derzeit sind es 14.000 bis 19.000. Zuwächse bis hin zu einer Verdopplung oder gar Vervielfachung der Möglichkeiten sind nach Länderangaben auch in Bremen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein oder Thüringen möglich.

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Als Hauptursache für die aktuelle Lage nennen die Länder einen Mangel an Impfstoffen, an Personal fehlt es indes nach ihren Angaben nicht. Mit größeren Impfstoffmengen können die Länder bis Anfang April rechnen. Insgesamt könnten nach Zahlen der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca bis dann knapp 19 Millionen Impfdosen ausgeliefert werden.

Massenimpfungen in Arztpraxen

Ob in Kürze auch in Hausarztpraxen flächendeckend geimpft werden kann, ist noch unklar. Einige Länder arbeiten an Pilotprojekten. Ärztepräsident Klaus Reinhardt mahnte: „Das Ziel eines Impfangebots für alle Bürgerinnen und Bürger bis Ende September lässt sich nur dann erreichen, wenn wir möglichst bald mit Massenimpfungen in den Arztpraxen beginnen.”

In den nächsten Tagen sollen in Deutschland Kits in den Handel kommen, mit denen man sich selbst testen kann. Dafür müssen bei diesen Produkten Proben mit einem Abstrich im vorderen Nasenbereich genommen werden. In anderen Ländern sind Tests schon seit längerer Zeit auf dem Markt. Spahn erklärte dies damit, dass die Zuverlässigkeit genau geprüft werden müsse. Er sagte: „Zu viele falsche Ergebnisse können fatale Folgen haben.”

Finanzminister Scholz drängte auf bessere Absprachen. Die Impfung von etwa 60 Millionen Menschen müsse „zügig und möglichst reibungslos” gelingen, sagte der SPD-Kanzlerkandidat. „Nachdem das mit der Impfstoff-Bestellung schlecht gelaufen ist, will ich nicht, dass wir beim Impfen die nächsten Schwierigkeiten bekommen und selbst den Impfstoff, den wir haben, nicht restlos verimpft bekommen, weil die Organisation nicht klappt.”

Hohe Strafen für Impf-Vordrängler?

FDP-Generalsekretär Volker Wissing sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung”, mit Selbsttests könnten auch Besuche in Restaurants und Fitnessstudios wieder möglich werden. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht in den Schnelltests eine Möglichkeit, zeitnah zur Normalität zurückkehren. „Unsere Betriebe dürfen nicht einen Tag länger als unbedingt notwendig geschlossen sein”, sagte Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz begrüßte Pläne der Koalition, dass Vordrängler bei Corona-Impfungen bis zu 25.000 Euro Strafe zahlen sollen. Es gehe nicht um eine Bagatelle, wenn Vakzine damit noch knapper werden, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. „Es darf nicht unbestraft bleiben, das Leben von alten, kranken und pflegebedürftigen Menschen zu gefährden.” In den vergangenen Wochen hatten sich unter anderem mehrere Bürgermeister und Landräte impfen lassen, obwohl sie noch nicht an der Reihe waren.

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Kommentare (2)

Die Bürger sollen sich wegen allem und jeden überall schnell testen lassen können? Mit solch "Freitesten" wird die Freiheit weiter eingeschränkt.

unser Wohl hängt von den Konzernen ab.
Testen, Masken, Impfungen...