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Antaios-Verlag

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AfD-Funktionär übernimmt rechten Verlag - angeblich

Der rechte Verleger Götz Kubitschek sitzt in seinem Arbeitszimmer in Schnellroda am Schreibtisch (Archivfoto 2008).
Der rechte Verleger Götz Kubitschek sitzt in seinem Arbeitszimmer in Schnellroda am Schreibtisch (Archivfoto 2008).
Georg Ismar

Der neurechte Verleger Götz Kubitschek will den bekannten Szene-Verlag Antaios verkaufen. Dem Nordkurier verriet der neue Besitzer, dass er nicht davor zurückschreckt, auch linke Bücher zu veröffentlichen. Doch irgendwas scheint mit der Geschichte nicht zu stimmen.

Der Verleger Götz Kubitschek will den in der neurechten Szene bekannten Verlag Antaios verkaufen, um eine Agentur für politische Kommunikation zu gründen. Das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Mittwoch. Der Verlag gilt als intellektueller Leuchtturm der neurechten Bewegung in Deutschland, sein langjähriger Besitzer Kubitschek als rechter Vordenker.

Als politischer Berater zählt Kubitschek nach eigenen Angaben bereits „einen Kreis von CDU-Abgeordneten aus zwei Landtagen und dem Bundestag” zu seinen Kunden sowie einen nicht näher benannten AfD-Landesverband. Bei den Beratungen soll es in erster Linie um die Vorbereitung einer möglichen Koalitionspartnerschaft zwischen AfD und CDU gehen.

Zweifel an der Geschichte werden wach

Zu Beginn der Frankfurter Buchmesse schien die Meldung wie eine Bombe einzuschlagen. Doch irgendwas stimmt da nicht. Bei dem Käufer handelt es sich um den badischen AfD-Funktionär Thomas Veigel. Dem Nordkurier bestätigt der im Kreisverband Ortenau tätige Zahnarzt den Kauf der Verlages.

Veigel gründete in diesem Jahr den Loci-Verlag, in dem „später” vier Bücher erscheinen sollen. Einzelheiten auf der Website des Verlages lassen aufhorchen: So sollen alle Bücher genau 19,18 Euro kosten und Stimmen zu einem Buch werden in Andeutung verschiedenen bekannten Kritikern neurechten Denkens – Olaf Sundermeyer, Jakob Augstein und Sibylle Berg – zugeschrieben.

Auch linke Bücher sind erlaubt

Der Loci-Verlag selbst ist – anders als Antaios – auf der Frankfurter Buchmesse präsent, er steht inmitten linker Verlage und musste nicht, wie zum Beispiel der Verlag der rechtskonservativen Wochenzeitung Junge Freiheit, an den Rand der Veranstaltung weichen. „Ich habe heute auf der Buchmesse viele interessante Bücher aus dem sogenannten linken Spektrum gesehen, die ich auch verlegen würde”, sagte Thomas Veigel dem Nordkurier. Ihm ginge es um eine freie politische Debatte.

Nach eigenen Angaben habe sich die Partnerschaft zwischen Veigel und Kubitschek innerhalb eines Jahres entwickelt. Ursprünglich sollte Veigel nur einen Teil des Verlages übernehmen, nach mehreren Gesprächen hätten sich beide aber über eine Übernahme des gesamten Verlages geeinigt. Kubitscheks Ehefrau Ellen Kositza wird die redaktionelle Leitung des Verlages übernehmen.

Alles nur Selbstinszenierung?

Zu diesem Zeitpunkt ist nicht zu verifizieren, ob der Antaios-Verlag tatsächlich verkauft wird oder ob es sich um eine PR-Aktion Kubitscheks handelt. Vielleicht nicht umsonst soll eines der Bücher, das der Loci-Verlag angeblich verlegt, aus der Feder Kubitscheks und seiner Frau stammen. Es trägt den Titel „Home Story – Selbstinszenierung als Strategie”.