„30 JAHRE SIND GENUG”

Revolutionäre FDJ-Mitglieder ziehen durch Jena

Im 30. Jahr der Deutschen Einheit ziehen wieder Mitglieder der FDJ durch deutsche Städte. Diesmal traten die Anhänger der DDR-Organisation in Thüringen auf. Es gab reichlich Gegenproteste.
Teilnehmer einer Demonstration der Freien Deutschen Jugend (FDJ) laufen mit Fahnen durch Jena.
Teilnehmer einer Demonstration der Freien Deutschen Jugend (FDJ) laufen mit Fahnen durch Jena. Bodo Schackow
Das Motto der FDJ-Demonstration: „30 Jahre sind genug – Revolution und Sozialismus”
Das Motto der FDJ-Demonstration: „30 Jahre sind genug – Revolution und Sozialismus” Bodo Schackow
Symbole des Sozialismus: Die Demonstranten hatten einen Trabant dabei. Darauf saß eine Hyäne.
Symbole des Sozialismus: Die Demonstranten hatten einen Trabant dabei. Darauf saß eine Hyäne. Bodo Schackow
Mit Fahnen auf dem Marktplatz von Jena
Mit Fahnen auf dem Marktplatz von Jena Bodo Schackow
Die FDJ hat in Jena demonstriert.
Die FDJ hat in Jena demonstriert. Bodo Schackow
Eine Gegendemonstrantin wird am Rande einer Demonstration der Freien Deutschen Jugend (FDJ) von der Polizei abgedrängt.
Eine Gegendemonstrantin wird am Rande einer Demonstration der Freien Deutschen Jugend (FDJ) von der Polizei abgedrängt. Bodo Schackow
Jena.

Erneut sind Anhänger der Freien Deutschen Jugend durch eine ostdeutsche Großstadt gezogen, diesmal durch Jena. Am Sonnabend liefen rund 30 Anhänger der kommunistischen FDJ mit Plakaten, einem Trabi, blauen Hemden und roten Fahnden durch die thüringische Stadt. Die Mitglieder der früheren DDR-Massenorganisation liefen bereits im März und im Juni durch Zwickau. Bei ihren Kundgebungen werben sie für ihre revolutionären Ziele mit dem Motto: „30 Jahre sind genug! Revolution & Sozialismus”.

Bei einigen Zuschauern sorgte die Veranstaltung für Unmut und Kopfschütteln, berichtete nun der MDR. Mitglieder mehrerer Parteien, auch der Linken, hatten zu Gegenprotesten aufgerufen. Der frühere Ost-Beauftragte der Bundesregierung und stellvertretende CDU-Landesvorsitzende Christian Hirte nannte es einen „Treppenwitz der Geschichte, dass wir uns im 30. Jahr der Wiedervereinigung einer Demonstration entgegenstellen, welche die DDR in einer unerträglichen Art und Weise verherrlicht”. Laut MDR hatten auch linke Gruppen zu Protesten aufgerufen. So würden die Anhänger der FDJ auf Autoritarismus und Stalisnismus setzen, was mit den Zielen einer „emanzipatorischen Linken” nicht vereinbar sei, heißt es in dem Bericht.

FDJ-Auftritte im Osten bis heute legal

Der FDJ-Aufmarsch in Zwickau hatte bereits ein juristisches Nachspiel. Je zwei junge Frauen und Männer sollen den Balkon des Zwickauer Rathauses erklommen haben. Die Staatsanwaltschaft Zwickau hatte danach Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch angekündigt, zudem prüfe man einen Anfangsverdacht gegen den Anmelder der Kundgebung. Dabei gehe es um das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, hieß es im März. Nach einem Auftakt in Zwickau im März hatte die FDJ auch Kundgebungen in Rostock, Halle und Eisenhüttenstadt angekündigt. Sie fanden aber in der Corona-Krise nicht statt.

Die FDJ ist Mitglied im Weltbund der Demokratischen Jugend und im Internationalen Studentenbund. Nach dem Ende der DDR versank die einstige Massenorganisation in der politischen Bedeutungslosigkeit. Die „FDJ in Westdeutschland“ ist seit 1954 als verfassungswidrige Organisation verboten, während die 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründete FDJ heute legal operieren kann. Die meisten Mitglieder der heutigen FDJ sollen dennoch aus den westlichen Bundesländern stammen.

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