TRUPPENBESUCH

Annegret hat 'nen Spürhund, und den hat sie nicht ohne Grund

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ist zum Truppenbesuch nach Afghanistan geflogen. Doch auch vierbeinige Angehörige der Bundeswehr verdienen Respekt.
Nordkurier Nordkurier
dpa
Kuscheln mit Hund: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Afghanistan.
Kuscheln mit Hund: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Afghanistan. Britta Pedersen
Ein Leckerli für Kampfmittelspürhündin Evelyn brachte sie aber leider nicht mit.
Ein Leckerli für Kampfmittelspürhündin Evelyn brachte sie aber leider nicht mit. Britta Pedersen
Evelyn hatte sich trotzdem über den Besuch gefreut.
Evelyn hatte sich trotzdem über den Besuch gefreut. Britta Pedersen
Und die Ministerin war auch glücklich.
Und die Ministerin war auch glücklich. Britta Pedersen
Masar-i-Scharif.

Hundeliebe auf den ersten Blick? Kampfmittelspürhündin Evelyn hat sich am Dienstag sehr über den Besuch ihrer obersten Befehlshaberin Annegret Kramp-Karrenbauer im Camp Marmal in Afghanistan gefreut. Die Verteidigungsministerin spielte mit ihrem roten Schal hinter dem Rücken Verstecken und knuddelte den militärischen Diensthund, der sich mit einem Schlecker über die Nase der Ministerin bedanken wollte, aber – vielleicht ganz gut so – sehr knapp verfehlte. „Jetzt hab ich gar kein Leckerli für Dich“, sagte die Ministerin. Die Diensthundeführer der Bundeswehr wünschen sich seit langem mehr Aufmerksamkeit für ihre Arbeit – und haben auch eine Wunschliste bei Kleidung und Ausrüstung.

Fast 1300 deutsche Soldaten sind in dem Land stationiert, davon knapp 1000 im Camp Marmal in Masar-i-Scharif. Im Norden Afghanistans ist Deutschland größter Truppensteller der Nato-Ausbildungsmission „Resolute Support“, die den internationalen Kampfeinsatz abgelöst hat. Die Soldaten helfen nun mit Ausbildung und Unterstützungsleistungen. Die Verteidigungsministerin ist am Dienstag zu Gesprächen in Kabul, wo sie die politische Führung des Landes trifft. Ob es eine Einigung im Streit um die Auszählung der Präsidentenwahl gibt, ist eine Frage dieser Tage. Ende September wurde in dem Land mit geschätzten 35 Millionen Einwohnern die seit mehreren Monaten überfällige Präsidentenwahl abgehalten. Allerdings hat die Unabhängige Wahlkommission nach technischen Problemen und Vorwürfen der Wahlmanipulation immer noch keine Ergebnisse veröffentlicht.

Regelmäßige Taliban-Angriffe auf dem Land

Die CDU-Politikerin erlebt bei ihrem ersten Besuch aber auch ein Land zwischen Gewalt und der Hoffnung auf Verhandlungen. In der vergangenen Woche hatte US-Präsident Donald Trump bei einem unangekündigten Besuch diese Hoffnungen auf eine Einigung mit den Taliban genährt. Washington habe Gespräche über Wege zu Frieden mit den Islamisten weniger als drei Monate nach ihrem Abbruch wieder aufgenommen, sagte Trump. Er glaube, dass die Taliban mittlerweile auch eine Waffenruhe wollten.

Neue Friedensgespräche müssten die afghanische Politik, die afghanischen Verantwortlichen miteinbeziehen, sagt Kramp-Karrenbauer. Sie hoffe sehr, dass die Präsidentschaftswahl zügig zu einem von allen nachvollziehbaren und akzeptierten Ergebnis führen werde. Denn: Mit einer starken afghanischen Regierung könnten dann auch die Friedensgespräche fortgeführt werden. Die Taliban lehnen direkte Gespräche mit der Regierung in Kabul bisher ab.

In den vergangenen Wochen war die Gewalt vor allem in Städten gesunken. In ländlichen Gebieten greifen Taliban-Kämpfer weiter regelmäßig Sicherheitskräfte der Regierung an; US- und afghanische Luftstreitkräfte bombardieren regelmäßig Taliban-Stellungen oder führen Kommandoaktionen durch.

7379 Menschen durch Terrorismus im vergangenen Jahr

Trump versuchte bei seinem Afghanistan-Besuch offenkundig auch, Sorgen über einen möglichen unangekündigten US-Truppenabzug zu zerstreuen. Er erklärte, die USA würden so lange in Afghanistan bleiben, bis ein „Deal“ mit den Taliban erzielt sei – „oder wir einen totalen Sieg haben“.

Gräueltaten der Taliban sind nicht vergessen und machen sie zu einem überaus schwierig zu akzeptierenden politischen Akteur. Der globale Terrorismus-Index verzeichnet für Afghanistan einen traurigen Rekord. Dort starben im vergangenen Jahr 7379 Menschen durch Terrorismus, knapp 60 Prozent mehr als 2017. Die Taliban lösten zuletzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als tödlichste Gruppe ab. Ob und inwieweit man ihnen Zugeständnisse für einen Frieden machen kann, diese Frage können letztlich nur die Afghanen selbst entscheiden.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Kommende Events in Masar-i-Scharif

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Masar-i-Scharif

zur Homepage