MEHRFACH VORBESTRAFT

Asylbewerber soll Rentnerin mit ihrem Rollator erschlagen haben

Die Polizei hat einen 23-Jährigen festgenommen, der eine alte Frau mit deren Rollator erschlagen haben soll. Die kriminelle Vorgeschichte des Mannes, der als Asylbewerber nach Deutschland kam, ist beachtlich – und beängstigend.
Gabriel Kords Gabriel Kords
Der Tatverdächtige soll die 84-Jährige mit einem Rollator ermordet haben.
Der Tatverdächtige soll die 84-Jährige mit einem Rollator ermordet haben. (Symbolfoto) Daniel Karmann
Berlin.

Dass der Fall öffentlich wurde, ist der BILD-Zeitung zu verdanken: Sie brachte in ihrer Freitags-Ausgabe einen Bericht über den Fall aus Berlin, der bereits vor knapp zwei Wochen für traurige Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Seitdem war bereits bekannt, dass eine 84-Jährige Berlinerin in ihrer eigenen Wohnung mit ihrem eigenen Rollator erschlagen worden war. Einen Tatverdächtigen hatte die Polizei zunächst nicht festsetzen können.

Am vorigen Freitag, 18. Mai, gaben die Beamten dann allerdings bekannt, in einer Obdachlosenunterkunft in Brandenbug an der Havel einen dringend Tatverdächtigen festgenommen zu haben. Er sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Bei dem Man handelt es sich um den 23-jährigen Bernhard N., wie die Berliner Staatsanwaltschaft auf Nordkurier-Anfrage bestätigte.

Mindestens sechs Mal bei Polizei und Justiz aufgefallen

Die Behörde bestätigte im Wesentlichen auch die weiteren Darstellungen in der BILD-Zeitung über die kriminelle Vorgeschichte des Mannes, ohne dabei auf nähere Angaben einzugehen. Demnach ist der Mann Asylbewerber, über dessen im Jahr 2015 gestellten Asylantrag bislang noch nicht entschieden wurde.

Allerdings soll der Mann laut BILD seit 2015 mindestens sechs Mal wegen Straftaten aufgefallen sein. In zwei Fällen – einmal ging es um Diebstahl, einmal um Rauschgift – wurden die Verfahren eingestellt. In einem Fall erhielt er eine Geldstrafe für mehrere Ladendiebstähle, in einem weiteren Fall eine Bewährungsstrafe für zwei weitere Ladendiebstähle. 15 Monate ins Gefängnis musste er für die Belästigung von Frauen in Brandenburg/Havel. Ob und wie zwölf Anzeigen wegen Körperverletzung, die es ebenfalls gegen ihn gegeben haben soll, letztlich geahndet wurden, ist zudem unklar.

„Können nicht sagen, warum der Mann noch nicht abgeschoben wurde”

Die Berliner Staatsanwaltschaft konnte zu der in der BILD-Zeitung veröffentlichten Liste nur sagen, dass ihr bekannt sei, dass der Mann wegen zahlreicher Delikte polizeibekannt gewesen sei. „Das hat sich aber alles in Brandenburg ereignet und ist für unsere Ermittlungen zu dem Fall in Berlin zunächst nicht relevant”, sagte Martin Steltner, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Berlin: „Wir können daher auch nicht sagen, warum der Mann noch nicht abgeschoben wurde. Für uns ist zunächst nur von Belang, dass er leider hier ist und offenbar diese Tat begangen hat.” Man bereite nun eine Anklage vor, dafür seien aber noch weitere Ermittlungen notwendig. 

Zuständig für den Mann war übrigens die Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Eisenhüttenstadt, die zu den insgesamt elf Bamf-Außenstellen gehört, die gerade im Zuge des Skandals um auffällige Bewilligungszahlen überprüft werden. Die Behörde ist auch für das Asylverfahren jenes Mannes zuständig, der in der vorigen Woche in Neubrandenburg eine Mutter und einen Mann mit einem Messer brutal niedergestochen und lebensgefährlich verletzt haben soll. In beiden Fällen lehnte die Behörde mit Verweis auf die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen eine Stellungnahme ab.

„Er hätte nie in Deutschland sein dürfen”

Ebenfalls bemerkenswert: Der aus Kamerun stammende Mann soll seinen Asylantrag in Deutschland erst gestellt haben, nachdem ein Asylantrag in Belgien abgelehnt worden war. Dieses Prozedere ist innerhalb der EU eigentlich nicht vorgesehen. Wie die BILD-Zeitung weiter schlussfolgert, hätte der Mann mit seiner kriminellen Vorgeschichte zudem auch in Deutschland längst abgeschoben werden können. Folglich lautet der Titel des BILD-Berichts dann auch: „Er hätte nie in Deutschland sein dürfen.”

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