Nach Einsturz in Genua

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Auch in Deutschland gibt es viele Problem-Brücken

Die Rheinbrücke in Leverkusen in Nordrhein-Westfalen macht seit Jahren wegen Bauwerksschäden massive Probleme. 
Die Rheinbrücke in Leverkusen in Nordrhein-Westfalen macht seit Jahren wegen Bauwerksschäden massive Probleme.
Henning Kaiser

Könnte ein Vorfall wie der fatale Brückeneinsturz in Genua auch in Deutschland passieren? Grundsätzlich gelten die 40 000 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen als sicher – es gibt aber eine Dunkelziffer.

Nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke im italienischen Genua mit mehreren Toten stellt sich die Frage nach dem Zustand von Brücken in Deutschland. Nach jüngsten Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) gibt es hierzulande fast 40 000 Brücken an Bundesfernstraßen – das heißt Autobahnbrücken und Brücken an Bundesstraßen mit Ortsdurchfahrten.

Nach Angaben der BAST ist der Zustand der Brückenflächen bei über 12 Prozent „sehr gut“ oder „gut“, bei etwa 75 Prozent „befriedigend“ oder „ausreichend“. Bei fast 11 Prozent ist der Zustand „nicht ausreichend“, bei knapp 2 Prozent gar „ungenügend“.

Wenige Problem-Brücken in den neuen Bundelsändern

Die Zustandsnote bildet nach BAST-Angaben die Grundlage für die weitere Erhaltungsplanung. Eine Zustandsnote „nicht ausreichend“ bedeute aber nicht zwangsläufig eine Nutzungseinschränkung des Bauwerkes, sondern sei vielmehr ein Indikator dafür, dass in näherer Zukunft eine Instandsetzungsmaßnahme zu planen sei.

Ein „ungenügender“ Zustand weist zwar auf eine beeinträchtigte oder nicht mehr gegebene Stand- oder Verkehrssicherheit hin, kann aber auch lediglich auf Schäden an den Gitterstäben des Geländers zurückzuführen sein. Wenn bei der Bauwerksprüfung eine Sicherheitsbeeinträchtigung festgestellt wird, so werden der BAST zufolge sofort entsprechende Maßnahmen getroffen, um die erforderliche Sicherheit weiterhin zu gewährleisten.

Ein Blick in die Liste aller rund 40.000 Brücken zeigt allerdings: In den neuen Bundesländern ist der Brückenzustand allgemein gut, Brücken mit der Note "ungenügend" finden sich dort kaum. Lediglich in Roitzsch und Osterburg (beides in Sachsen-Anhalt). Insgesamt sind aber vor allem westdeutsche Brücken aus den 70er und 60er Jahren problematisch.

Kommentare (1)

Die BAST-Statistik weist nur Straßenbrücken an Bundesfernstraßen aus, wie es im Artikel richtig heißt. Wie steht es um die Brücken in der Baulast der (ostdeutschen) Bundesländer, der Landkreise und Kommunen?