Im Zuge der ARD-Affäre laufen auch beim NDR Prüfungen.
Im Zuge der ARD-Affäre laufen auch beim NDR Prüfungen. Georg Wendt
ARD-Affäre

Auch ohne Boni Spitzengehälter für NDR-Spitze

Der Norddeutsche Rundfunk sieht sich im Schlepp der RBB-Affäre mit Fragen zur Gehältern und möglicher Vetternwirtschaft konfrontriert. Beim Sender laufen die Prüfungen.
Neubrandenburg

Es hat mehrere Tage gedauert, bis die Führungsspitze des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) mit einem der bestbehütetsten Geheimnisse des Senders herausgerückt ist. Was bisher nicht einmal die eigenen Mitarbeiter wussten: Zu den Jahresgehältern ihrer Chefs um die 200.000 Euro kommen in der Regel Bonuszahlungen in Höhe von 30.000 bis 40.000 Euro. Unklar ist noch, ob auch die wegen Vetternwirtschaft geschasste Intendantin Patricia Schlesinger auch ein solches Sahnehäubchen verbuchen konnte. Bisher ist nur bekannt, dass ihr Jahressalär um 16 Prozent auf 303.000 Euro steigen sollte.

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Und beim Norddeutschen Rundfunk? Der Vier-Länder-Küstensender scheint als Kaderschmiede für den RBB eine wichtige Rolle zu spielen. Neben Schlesinger ist auch der aktuelle RBB-Programmchef Jan Schulte-Kellinghaus ein NDR-Gewächs. Zehn Jahre lang schnupperte er Führungsluft in Hamburg. Haben beide Gehaltsvorstellungen aus Hamburg mit nach Berlin genommen?

Keine Boni beim NDR

Wie alle ARD-Sender gönnt sich auch der NDR im Zeitalter kritischer Debatten über die öffentlich-rechtlichen Sender eine Transparenzabteilung auf der eigenen Internetseite. Mit ein wenig Ausdauer beim Suchen ist dort zu erfahren, dass derzeit 46 Führungskräfte außerhalb des geltenden Tarifvertrags entlohnt werden. An der Spitze steht Intendant Joachim Knuth mit ausgewiesenen 352.500 Euro für das vergangene Jahr, enthalten sind knapp 6000 Euro an Sachbezügen. Als kleines Extra im Kleingedruckten finden noch 9600 Euro im Jahr als Aufwandsentschädigung.

Für die NDR-Führungskräfte unter dem Intendanten wird eine Gehaltsspanne zwischen 250.000 und 163.000 Euro als Durchschnitt ausgewiesen. Ein Hinweis auf mögliche Bonuszahlungen wie beim RBB findet sich nicht. Eine NDR-Sprecherin nennt den Grund: Das System der leistungsbezogenen Vergütung gebe es ausschließlich beim RBB und damit in keiner anderen Landesrundfunkanstalt der ARD. „Niemand in der NDR-Geschäftsleitung, auch nicht der Intendant, erhalten variable Vergütungen oder Boni”, so die Versicherung. Der NDR sei vollkommen transparent in der Angabe der Gehälter der Geschäftsleitung.

NDR-Doku-Drama wird geprüft

Wenn man von der oft kritisierten Höhe der Bezüge absieht: Der NDR-Führung scheint auf der Gehaltsseite kein Desaster um verdeckte Gehaltsbestandteile zu drohen. Trotzdem bringt es die RBB-Affäre mit sich, dass manche Verflechtungen auf den Tisch kommen, die schnell den Geruch von Vetternwirtschaft verbreiten können.

Da ist die TV-Produktion des Doku-Dramas „Der gute Göring” in der Zeit von Patricia Schlesinger als NDR-Programmbereichschefin. Ob es den Dienstvorschriften entsprach, dass ihr Ehemann als Drehbuchautor eingebunden war, wird jetzt NDR-intern geprüft.

Musikberater im Fokus

Auf dem Prüfstand steht auch die Tätigkeit eines zusätzlichen Musikberaters bei NDR Niedersachsen. Dessen Job ist die Modernisierung des Musikprogramms, obwohl es einen Musikredakteur gibt. Findigen Beobachtern fiel auf, dass der Extra-Musikberater der Lebensgefährte der Hamburger Funkhaus-Chefin Sabine Rossbach ist.

Diese persönliche Beziehung des anerkannten Experten sei im NDR bekannt gewesen, erklärt der Sender. Dessen Einsatz sei trotzdem durch Hörfunkchef und Landesfunkhaus-Direktor genehmigt worden. Sabine Rossbach habe die Anstellung nicht vermittelt. Der NDR werde die Handhabung bei solchen Beauftragungen in Zukunft vor dem Hintergrund der Geschehnisse beim RBB noch sensibler behandeln, vor allem wenn es persönliche Beziehungen zu Mitgliedern der Geschäftsleitung gibt, heißt es in einer Stellungnahme des Senders.

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