PATIENTENSCHÜTZER

Ausweis für Corona-Immunität ist „zutiefst diskriminierend”

Der von Gesundheitsminister Spahn geplante Corona-Immunitätspass sorgt für heftige Debatten. „Der Hochrisikogruppe bliebe dann nur die Wahl zwischen langanhaltender Isolation oder Lebensgefahr”, wird kritisiert.
dpa
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will einen Immunitätspass für Corona-Infizierte einführen.
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will einen Immunitätspass für Corona-Infizierte einführen. Peter Kneffel
Berlin.

Patientenschützer lehnen Pläne der Bundesregierung, auch beim Coronavirus einen Nachweis für eine Immunität zu ermöglichen, rundweg ab. „Der Immunitätsausweis wäre ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte”, sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Der Vorschlag gehe „ethisch weit über die aktuelle Bekämpfung der Pandemie hinaus”, beklagte er. „Denn während die Immunisierten Teilhabe am öffentlichen Leben erhalten, wird sie den Nichtimmunisierten verwehrt. Das ist zutiefst diskriminierend.”

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Zudem verleite der Immunitätsausweis zu vorsätzlichen Selbstinfektionen. „Der Hochrisikogruppe bliebe dann nur die Wahl zwischen langanhaltender Isolation oder Lebensgefahr. Eine solche Spaltung der Gesellschaft ist unverantwortlich”, kritisierte Brysch.

Spahn rudert bei Immunitätspass zurück

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Montag erklärt, dass es vorerst keine Regelungen dazu geben soll, inwiefern solche Immunitätsnachweise Ausnahmen von Alltags-Beschränkungen wie in der Corona-Krise ermöglichen könnten. Er habe den Deutschen Ethikrat um eine Stellungnahme dazu gebeten. In der Koalition sei vereinbart worden, bis dahin keine gesetzliche Regelung zu dieser Frage vorzunehmen. Neben der Opposition hatte sich zuletzt auch SPD-Chefin Saskia Esken skeptisch über Pläne für Immunitätsnachweise geäußert.

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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte, es könne dazu kommen, dass sich Menschen absichtlich infizierten und damit in Gefahr brächten, um immun gegen das Virus zu werden, „auch aus wirtschaftlicher Not”. „Wenn es aber einen Impfstoff gibt, ist ein Immunitätsausweis sinnvoll”, sagte der SPD-Politiker der „Passauer Neuen Presse” (Dienstag).

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