SOZIALVERBAND

Awo-Funktionäre übernachten dienstlich im Luxus-Hotel

Die Arbeiterwohlfahrt in Hessen wird von einer Gehaltsaffäre erschüttert, Mitarbeiter übernachteten im Adlon. Ein erster Regionalchef tritt zurück.
Andreas Becker Andreas Becker
Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Frankfurt am Main
Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Frankfurt am Main Frank Rumpenhorst
Frankfurt (Main).

450 PS unter der Haube des Dienstwagens, mehrere hunderttausend Euro an Geschäftsführergehältern: Für manche in Frankfurt/Main oder Wiesbaden war die Arbeiterwohlfahrt (Awo) ein ausgesprochen guter Arbeitgeber. Die Affären bringen nun ans Licht, dass bei dem Sozialverband auch Unterkünfte bei Dienstreisen nicht 08/15 sein mussten. Nach Recherchen des Hessischen Rundfunks haben drei Mitarbeiter der wegen hoher Gehälter und teurer Dienstwagen in die Kritik geratenen Kreisverbände dienstlich im Berliner Luxushotel Adlon übernachtet.

Damit nicht genug: Nachdem die Awo Frankfurt/Main in den vergangenen Wochen durch ein überhöhtes Gehalt und sonstige Vergütungen für die Frau des SPD-Oberbürgermeisters und früheren Awo-Mitarbeiters Peter Feldmann in die Negativschlagzeilen geraten war, knallt es jetzt in der benachbarten Awo Wiesbaden. Dort deckten örtliche Medien auf, dass der Awo die Dienste der langjährigen Geschäftsführerin Hannelore Richter satte 344.000 Euro jährliche Personalkosten wert waren. Die Summe beschreibt das sogenannte Arbeitgeberbrutto. Um auf den Bruttolohn Richters zu kommen, muss der individuelle Arbeitgeberanteil noch abgezogen werden. 280.000 Euro sollten wenigstens übrig geblieben sein. Mit 256.000 Euro schlugen die Personalkosten für ihren Stellvertreter zu Buche, den aktuellen Wiesbadener Awo-Chef Murat Burcu.

Familie Richter gibt seit Jahren den Ton an

Wolfgang Stasche, bislang ehrenamtlicher Vorsitzender der Awo Wiesbaden, bittet Mitarbeiter und Ehrenamtliche in einer schriftlichen Erklärung für fehlende Kontrollen zerknirscht um Entschuldigung – und legte jetzt nach 20 Jahren sein Amt nieder. „Es gab Geschäftsvorfälle, die nur schwerlich mit den Grundwerten eines Sozialverbands, der aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen ist, zu vereinbaren sind“, heißt es in Stasches verbitterter Rücktrittserklärung.

Im Zentrum dieses Teils der Awo-Affäre stehen drei Mitglieder der Familie Richter, die seit langem in den Kreisverbänden Wiesbaden und Frankfurt den Ton angibt. Jürgen Richter ist Geschäftsführer der Awo Frankfurt und ehrenamtlicher Vize-Vorsitzender der Awo in Wiesbaden. Seine Frau Hannelore war lange Geschäftsführerin der Awo in Wiesbaden und wurde im Oktober laut Mitteilung des Verbandes „mit stehenden Ovationen“ verabschiedet. Inzwischen ist ihr Sohn Gereon in der Geschäftsführung.

In Mecklenburg-Vorpommern hat die Arbeiterwohlfahrt seit Jahren mit verschiedenen Skandalen zu kämpfen. Besonders der Kreisverband an der Müritz fiel damit auf. Oft geht es um Bereicherung einzelner Vorstände, die teilweise bereits verurteilt worden sind.

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Kommentare (1)

... geht doch nicht um die Grundwerte des Sozialverbandes, sonder darum, viel Geld zu kriegen. Verdient hätten sie viel weniger.