:

Bahn-Chaos in Mainz, aber im Nordosten rollen die Züge

Auf einer digitalen Info-Tafel wird im Hauptbahnhof in Mainz (Rheinland-Pfalz) auf ausgefallene Zugverkehr hingewiesen. Foto: Fredrik von Erichsen
Auf einer digitalen Info-Tafel wird im Hauptbahnhof in Mainz (Rheinland-Pfalz) auf ausgefallene Zugverkehr hingewiesen. Foto: Fredrik von Erichsen
Fredrik von Erichsen

Während im Süden der Ausnahmezustand auf Bahnhöfen im gesamten Rhein-Main-Gebiet zu spüren ist, sind die Stellwerke in der Region besetzt. Doch die Gewerkschaft warnt, dass es künftig wegen Personalmangels auch hierzulande zu Problemen kommen könnte.

Neubrandenburg/Mainz. Die täglich rund 700 Fern-, Regional- und S-Bahnen in Mecklenburg-Vorpommern fahren derzeit ohne Einschränkungen. Laut Gewerkschafter Andreas Schmidt von der Branchengewerkschaft EVG gibt es im Nordosten derzeit keine Streckenschließungen oder Zugausfälle, weil Mitarbeiter nicht zum Dienst kommen können. Das bestätigt auch ein Bahnsprecher aus Berlin. „Alle Stellwerke sind arbeitsfähig“, sagte er. Das gelte nicht nur für die wichtigen Knotenpunkte in Rostock, Schwerin und Stralsund, sondern auch für den Bereich Berlin und Brandenburg. „Wir gehen davon aus, dass das weiterhin so bleibt“, sagte der Bahnsprecher weiter. Auswirkungen der chaotischen Zustände im Rhein-Main-Gebiet auf den Zugverkehr im Nordosten schloss er aus.

„Allerdings muss die Bahn schon heute gegensteuern“, warnt Gewerkschafter Schmidt. Denn viele Kollegen näherten sich der Pensionsgrenze, deswegen müsse sich das Unternehmen schon heute dringend um den Berufsnachwuchs kümmern.

Unterdessen geht der Ausnahmezustand am Mainzer Hauptbahnhof geht in die zweite Woche. Reisende sind dort seit Montag nicht nur abends und nachts großteils vom Schienenverkehr abgehängt – auch tagsüber treffen nun Zugausfälle, Umleitungen und Verspätungen mehrere tausend Pendler und Fernreisende. Der für das Rhein-Main-Gebiet wichtige Knotenpunkt Mainz ist zeitweise völlig ausgebremst, weil Personal für das Stellwerk fehlt. Viele Fahrgäste sind deshalb richtig sauer.

Während die anderen Bahnsteige recht verlassen in der Morgensonne liegen, drängeln sich am Gleis 4a die Wartenden Richtung Frankfurt. Marion Metz (59) ist verärgert. „Um 8.50 Uhr sollte eine Bahn fahren, aber die kam einfach nicht.“ Sie wartet seit über einer Stunde, musste ihren Termin am Flughafen in Frankfurt absagen. Auch die anderen Bahnen in der Zwischenzeit seien nicht gefahren. „Jetzt muss ich drei Stunden in Frankfurt auf den nächsten Termin warten.“

Die Schlange vor der DB-Information im Hauptbahnhof Mainz reicht am Montagvormittag fast bis in eine gegenüberliegende Drogerie. Die Bahn-Mitarbeiter an der Information haben deutlich mehr zu tun als sonst. Sie müssen beraten und beschwichtigen. Was sie nicht können, ist die Wünsche der Reisenden erfüllen. Noch bis Ende August soll das Chaos dauern, auch wenn es sich nächste Woche nachts wieder entspannen soll.

Johannes Halfmann hat sich vorher die Verbindungen herausgesucht. Die Mittelrheinbahn, mit der der 21-Jährige nach Mainz kam, hatte bereits Verspätung. Sie musste auf einen DB-Regionalzug warten. Halfmann wirkt resigniert. „Ich müsste um 11 Uhr in Frankfurt an der Börse sein, aber das klappt wohl nicht mehr so ganz.“

Zwei Banker ärgern sich ebenfalls. Die beiden waren aus Bremen nach Frankfurt geflogen. Ihr Zug nach Mainz hielt auf der anderen Rheinseite in Mainz-Kastel, obwohl beide die Verbindung vorher geprüft hatten. Sie wollen weiter nach Bad Kreuznach und geben der Bahn zumindest für den Augenblick keine Chance mehr: „Im Zweifel nehmen wir ein Taxi“, sagt die Bankerin.

Das Chaos begann vor über einer Woche. Von 15 Fahrdienstleitern im Mainzer Stellwerk ist etwa die Hälfte krank oder in Urlaub. Am Sonntag gab es kurzzeitig etwas Luft. Die Fußballfans des VfB Stuttgart konnten per Sonderzug zum Bundesligaspiel in Mainz hin und zurück fahren. Da rollten auch zusätzliche S-Bahnen und ein Regionalzug – weil ein Fahrdienstleiter für kurze Zeit einsprang.

Bahnchef Rüdiger Grube weiß um das Chaos. "Dass es trotz des hohen Einsatzes unserer Fahrdienstleiterinnen und Fahrdienstleiter zu diesen unvorhersehbaren Störungen in Mainz kommt, ist besonders ärgerlich und nicht akzeptabel", schrieb er an den Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD).

Die Bahn hat nun Mainzer Fahrdienstleiter gefragt, ob sie freiwillig früher aus dem Urlaub zurückkommen. Der Chef der Bahntochter DB Netz, Frank Sennhenn, will heute Stellung dazu nehmen. Tausende Bahnfahrer hoffen weiter auf Licht am Ende des Tunnels.