Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. Sven Hoppe
Corona-Krise

Bayern verhängt Ausgangssperre!

Ab Mitternacht gilt in ganz Bayern eine umfassende Ausgangssperre. Ins Freie dürfen die Leute nur noch alleine oder mit ihrer Familie.
München

Sichtlich betroffen stellte sich sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Donnerstagmittag an die Mikrofone und verkündete Entscheidungen, die ihm „sehr schwer” gefallen seien. Aber man dürfe sich jetzt nicht wegducken. Seine Maßnahmen lehnt er eng an die Regeln an, die bereits in Österreich gelten. Zuvor hatte Söder auch mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz telefoniert und die Maßnahmen mit ihm abgestimmt.

„Wir dürfen die Entwicklung nicht verschleppen. Der Schutz der Bevölkerung ist jetzt das wichtigste, und dabei zählt jeder Tag”, sagte Söder in seiner Erklärung. Andere Länder hätten bereits mit Ausgangssperren auf das Coronavirus reagiert, ein deutscher Sonderweg in der Bekämpfung der Krise sei auf Dauer nicht möglich.

Bayern passt Konzept an Österreich an

„Wir in Bayern werden unser Konzept jetzt eins zu eins an Österreich orientieren und anpassen”, erklärte Söder, und spätestens in dem Moment war klar: Jetzt greift Bayern richtig durch.

Und dann wurde Söder konkret: „Per Allgemeinverfügung ordnen wir folgendes an: Ab Freitagnacht, vorläufig für zwei Wochen, beginnend ab 0 Uhr, gelten grundlegende Ausgangsbeschränkungen. Wir fahren das öffentliche Leben fast vollständig herunter.”

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Jeder solle Zuhause bleiben und nur in nötigen Ausnahmefällen raus, etwa zum Einkaufen oder zum Arzt. Jeder könne natürlich zur Arbeit gehen. Aber auch dort gelten jetzt scharfe Restriktionen. So werden in Bayern jetzt auch Bau- und Gartenmärkte geschlossen. Logopäden und Ergotherapeuten müssen ihre Praxen schließen, auch Friseure dürfen nicht mehr öffnen. Die Gastronomie wird komplett dicht gemacht, außer dem Verkauf to go, drive in und Lieferdienste.

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Das Besuchsrecht in Senioren- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern ist komplett ausgesetzt. Ausnahmen gibt es nur für Besuche bei Sterbenden und für Eltern, die ihre kranken Kinder besuchen wollen.

Söder. "Wir wollen Bayern nicht zusperren"

Söder sagte aber auch: „Wir wollen Bayern nicht zusperren. Frische Luft tut gut und kann auch helfen.” Deshalb könne man das Haus für Spaziergänge oder um Sport zu treiben verlassen. Aber eben alleine oder nur mit der Familie. Gruppenbildungen würden in Bayern nicht mehr geduldet, auch keine Partys. Söder kündigte harte Kontrollen und hohe Bußgelder an. Zum Schutz deren, die bisher schon freiwillig vernünftig gewesen seien, aber auch zum Schutz der Uneinsichtigen Für die Vernünftigen ändere sich nicht viel, sagte Söder. Die anderen würden jetzt in diesem „Charaktertest für Bayern” gezwungen, sich an klare Regeln zu halten.

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„Das alles fällt nicht leicht. Man ringt mit sich. Wir heißen auch Freistaat Bayern. Und ich hätte nie gedacht, dass ich als Ministerpräsident solche Entscheidungen treffen muss. Aber diese Maßnahmen sind notwendig. Wir treffen diese Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen. Es geht um den Schutz von uns allen.” Söder beendete seine Ansprache mit den Worten: „Gott schütze unsere Heimat. Und bleiben Sie gesund.”

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