Bäcker befürchten, dass die Belegpflicht am Ende nur Bürokratieaufwand verursacht und die Arbeit behindert.
Bäcker befürchten, dass die Belegpflicht am Ende nur Bürokratieaufwand verursacht und die Arbeit behindert.
Bäcker-Aufstand

Beim Brötchen-Kauf droht eine Zettelflut

Der Kauf eines Brötchens ist unkompliziert: Geld gegen Ware. Das wird sich mit einer Belegpflicht ändern. Die Folge: Viel Frust für Bäcker und noch mehr Papiermüll.
dpa
Berlin

„Benötigen Sie einen Bon?” Diese Frage beim Bäcker wird sich ab 2020 erledigt haben. Denn mit dem Jahreswechsel tritt die sogenannte Kassensicherungsverordnung in Kraft – kurz: eine Belegpflicht für Bäcker. Das könnte einen enormen bürokratischen Aufwand und erhebliche Kosten nach sich ziehen. „Im Einzelhandel in Deutschland rechnen wir mit mehr als zwei Millionen Kilometern zusätzlicher Länge an Kassenbons im Jahr“, sagte der Steuerexperte des Handelsverband Deutschland (HDE), Ralph Brügelmann. Die Anzahl und Länge der auszugebenden Kassenzettel werde spürbar zunehmen. Besonders stark betroffen seien Unternehmen, die viele günstige Artikel verkaufen.

Technik ist noch gar nicht am Markt

Die Kassenbon-Pflicht ist Teil der Kassensicherungsverordnung, die Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern soll. Demnach sollen Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden. Ursprünglich sollten alle Kassen bis zum Jahresbeginn 2020 die neuen Vorschriften erfüllen, das Finanzministerium räumte nun Zeit bis Ende September ein. Der HDE kritisierte, die benötigte Technik sei noch nicht am Markt verfügbar und die Umstellung kostspielig. „Erste grobe Kostenschätzungen liegen einschließlich Installation zwischen 300 und 500 Euro pro Kasse.“

Belegpflicht hilft kaum gegen Steuerbetrug

Laut Brügelmann könne die Umstellung der Kassen Steuerbetrug zwar eindämmen, die Belegpflicht trage aber nicht dazu bei. „Denn mit dem ersten Tastendruck beim Kassieren wird eine Transaktion eröffnet, die sich bei einer mit einer TSE ausgerüsteten Kasse nicht mehr ohne Spuren löschen lässt. Ob dann der Kunde einen Beleg bekommt oder nicht, ist unerheblich.“

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks ist jetzt schon ziemlich aufgebracht. Für jedes Brötchen einen Bon? "Wir reden über Umweltschutz und diskutieren über die Reduktion von Coffee-to-go-Bechern, schaffen dann aber auf der anderen Seite Müllberge aus beschichtetem Papier“, kritisiert der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Daniel Schneider. Rund 11 000 Betriebe und insgesamt 61 000 Verkaufsstellen seien davon betroffen. Er rechnet vor: Bei durchschnittlich 100 000 Kunden je Verkaufsfiliale ergebe sich über 5 Milliarden Bons pro Jahr. Das entspreche dem 25-fachen Erdumfang, wenn ein Bon im Durchschnitt 20 Zentimeter lang sei. Und wofür? „Der Anteil der Kunden, die einen Bon brauchen, liegt unter 3 Prozent. In Zeiten, in denen unsere Betriebe und die Gesellschaft zunehmend auf Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung achten, ist es geradezu unsinnig, wenn für den Kauf von ein paar Brötchen ein Kassenzettel gedruckt werden muss“, heißt es vom Bäckerverband.

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