KRYPTOWÄHRUNGEN

Bitcoin & Co als Geldanlage – so funktioniert’s

Finanzexperten empfehlen Sparern, Geld in Sachwerte anzulegen. Neben Aktien, Immobilien und Gold werden dabei oft auch sogenannte Kryptowährungen genannt. Nordkurier-Reporter Carsten Korfmacher erklärt, was es damit auf sich hat.
Bitcoin-Transaktionen werden nicht auf einem zentralen Server gespeichert, sondern auf unzähligen Computern weltweit. Her
Bitcoin-Transaktionen werden nicht auf einem zentralen Server gespeichert, sondern auf unzähligen Computern weltweit. Herzstück des Netzwerks sind sogenannte „Minen-Farmen” wie diese hier in Island. Egill Bjarnason
Neubrandenburg ·

Was sind eigentlich Kryptowährungen?

Kurz gesagt: Kryptowährungen sind digitales Geld, das nur als Kette von Informationsbausteinen existiert, aber keinen physischen Gegenwert in Form von Scheinen oder Münzen hat. Anders als das von Staaten ausgegebene Geld werden Kryptos nicht von einer zentralen Kontrollstelle reguliert. Derzeit gibt es knapp 12 000 Kryptowährungen, von denen aber die wenigstens den Anspruch haben, eine echte Währung zu sein und als Wertspeicher zu fungieren.

Wie funktioniert eine digitale Währung?

Kryptos sind sozusagen „Bargeld für das Internet”, weil sie direkt – ohne den Umweg über eine Bank – zwischen Nutzern getauscht werden können. Es gibt keine zentrale Stelle, die diese Überweisungen überwacht, speichert oder anderweitig kontrolliert. Jeder Nutzer hat eine elektronische Geldbörse und kann Summen einfach an einen anderen Nutzer überweisen. Die Zahlung ist praktisch nicht nachzuverfolgen.

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Die digitale Infrastruktur unterscheidet sich bei Kryptos grundlegend. Der Bitcoin zum Beispiel entsteht durch sogenanntes „Mining”. Vereinfacht gesagt: Da das gesamte Währungsnetz dezentral zur Verfügung stehen muss, also nicht auf den Servern einer Zentralbank liegen soll, stellen Nutzer die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung. Auf diesen wird die gesamte Transaktionshistorie in einer „Blockchain” überprüft, zusammengefügt und verschlüsselt. Für ihre Mithilfe werden die Nutzer mit kleinen Bitcoin-Paketen entlohnt.

Welche bekannten digitalen Währungen gibt es?

Die erste und bekannteste Kryptowährung der Welt, Bitcoin, ging 2009 an den Start und besitzt mittlerweile eine Marktkapitalisierung – also einen Gesamtwert – von rund 740 Milliarden Euro. Die zweitgrößte Währung ist Ether mit einer Marktkapitalisierung von etwa 330 Milliarden Euro, gefolgt von den deutlich kleineren Kryptos Cardano und Tether.

Warum wollen Leute ihr Geld in Kryptos investieren?

In den ersten Jahren des Bitcoin-Hypes spielte in erster Linie der Reiz des Neuen eine Rolle: Bitcoin-Nutzer wollten die innovative Blockchain-Technologie auf der die Währung basiert, ausprobieren. Und viele von ihnen erlebten die Idee, Handel völlig unabhängig von staatlichen Strukturen zu betreiben, als revolutionär. Hier spielte sicherlich auch die Finanzkrise von 2008 eine Rolle, die die vorhandene Skepsis gegenüber dem globalen Bankensystem befeuerte.

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Im Laufe der Jahre hat sich das Bild aber grundlegend geändert. Die expansive Geldpolitik der Notenbanken der USA und der EU, die andauernden Niedrigzinsen und die stark gestiegenen Preise von Aktien und Immobilien zwangen sowohl institutionelle als auch private Anleger dazu, sich nach Alternativen umzusehen. Mittlerweile investieren zahlreiche Banken, Unternehmen und Privatleute in Kryptowährungen.

Ist es ratsam, sein Geld in Kryptowährungen anlegen?

Für konservative Anleger nicht. Hier muss man zwischen Anlage und Spekulation unterscheiden. Der Anleger möchte sein Geld in einen Sachwert stecken, der mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit im Laufe der Zeit steigt – langsam, aber verhältnismäßig sicher. Beispiele sind breit gestreute Aktien-ETFs, Anteile von Unternehmen, die ihre Gewinne kontinuierlich steigern oder Immobilien in einer guten Lage. Der Spekulant hingegen verspricht sich Gewinne, weil er darauf wettet, dass in Zukunft andere Käufer einen (deutlich) höheren Preis für das Spekulationsobjekt zahlen möchten. Die Geldanlage in Kryptowährungen ist derzeit stark spekulativ, es kommt häufig zu rasanten Kursanstiegen und starken Einbrüchen – teilweise ohne erkennbaren Grund.

Was sagen Experten zu dieser Frage?

Hier gehen die Meinungen weit auseinander. „Von einer eigenen, etablierten Anlageklasse würden wir bei Kryptowährungen noch nicht sprechen”, sagt Nicolas Pilz von der Societas Vermögensverwaltung. „Dazu fehlt noch die staatliche Akzeptanz und eine gewisse Regulierung.”

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Markus Richert von Portfolio Concept Vermögensmanagement widerspricht: „Es ist durchaus eine spekulative Anlageklasse”, da es eigene Börsen und einen Handel gebe. „Es fehlt jedoch der innere Wert.” Stephan Witt von der Finum Private Finance geht noch einen Schritt weiter und sieht in Kryptowährungen eine eigene Assetklasse, die sich im Laufe der vergangenen Jahre etablierte. „Selbst Banken und Wirtschaftsunternehmen nutzen und investieren mittlerweile in dieser Anlageklasse.”

Wie sicher sind Kryptowährungen? Können sie nicht einfach gehackt werden?

Normalerweise ist das fast unmöglich, da die Transaktionshistorien der Bitcoins immer über das gesamte Netzwerk verstreut werden, also auf zahlreichen einzelnen Computern liegen. Für einen Hackerangriff müsste also nicht nur die Verschlüsselung umgegangen werden, es müssten auch diese Computer identifiziert und gleichzeitig einzeln gehackt werden. Aber es ist Hackern natürlich möglich, einzelne Krypto-Besitzer oder Handelsplattformen anzugreifen.

Wie sieht die Zukunft von Kryptowährungen aus?

Mit dem Aufstieg der Kryptos und der Blockchain-Technologie hat nicht weniger als eine neue Zeitrechnung im Finanzwesen begonnen. Die Idee, dass Banken als Zwischenhändler von Finanztransaktionen überflüssig werden, könnte den gesamten Sektor revolutionieren. Zudem stellen Kryptos einen Frontalangriff auf das Geldmonopol der Notenbanken dar. Zahlreiche Zentralbanken weltweit arbeiten deshalb bereits an eigenen digitalen Währungen, die aufgrund ihrer zentralen Steuerung aber nicht mit Kryptowährungen gleichzusetzen wären. Derweil akzeptieren nicht nur immer mehr Unternehmen Kryptowährungen – El Salvador hat vergangene Woche als erstes Land der Welt den Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt. Seitdem muss jeder Händler, der technisch dazu in der Lage ist, Bitcoin akzeptieren, auch Steuern können in der Kryptowährung bezahlt werden.

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