US-Behörden

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Blankoscheck für VW-Chef in Abgas-Affäre

Herbert Diess, neuer Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, hat mit den US-Behörden offenbar einen Deal abgeschlossen.
Herbert Diess, neuer Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, hat mit den US-Behörden offenbar einen Deal abgeschlossen.
Bernd Von Jutrczenka

Der neue VW-Chef darf sich weltweit frei bewegen, die USA werden ihn laut Medienberichten nicht verhaften. Herbert Diess soll beim FBI gegen seinen Vorgänger ausgesagt haben.

Die US-Justiz geht in der Abgas-Affäre gegen den früheren VW-Boss Martin Winterkorn vor. Sein Nachfolger Herbert Diess erhält in den USA jedoch freies Geleit. Er soll Anfang Mai auch beim FBI ausgesagt haben – im Geheimen. Darüber berichten die „Bild”-Zeitung und der US-Finanzdienst „Bloomberg”.

Der seltene Deal, den Diess demnach mit der US-Justiz abgeschlossen haben soll, ist äußerst bemerkenswert. Dass er nun freies Geleit in den Vereinigten Staaten habe, deute darauf hin, dass die Behörden keinen strafrechtlich relevanten Verdacht gegen den VW-Manager haben. Wie es in den berichten heißt, soll er sogar informiert werden, falls es zu Ermittlungen gegen ihn oder zu einer Anklage komme.

Keine Anklage gegen Diess

Weder das Justizministerium noch das Unternehmen wollten sich auf Nachfrage zu dem Bericht äußern. Die US-Ermittler haben Diess bislang noch nie etwas vorgeworfen. Er hatte erst einige Monate vor Bekanntwerden des Skandals bei VW angeheuert, aber im Juli 2015 bei einem Treffen teilgenommen, bei dem Führungskräfte über Unregelmäßigkeiten von Abgaswerten in den USA informiert wurden.

Diess Vorgänger Winterkorn wurde bereits angeklagt. Er will sich nach Ausstellung eines Haftbefehls in den USA laut Insidern bei passender Gelegenheit äußern. Er werde dann seine Sicht auf die schweren Vorwürfe im Abgasskandal umfassend schildern, sagte ein Informant der Deutschen Presse-Agentur. Dies hänge aber vom Fortgang der Ermittlungen in Deutschland ab.

Winterkorn fühlt sich unschuldig

Winterkorn fühle sich „nicht im Büßergewand”, sagte der Insider, der mit dem 70-Jährigen in Kontakt steht. Der ehemalige VW-Vorstandschef verfolge die aktuellen Schlagzeilen aufmerksam. Seine Familie gebe ihm viel Rückhalt. Auch einer seiner Anwälte erklärte, noch sei der Zeitpunkt einer Stellungnahme nicht genau absehbar.

Die US-Justiz will Winterkorn wegen Betrugs in der Abgasaffäre zur Rechenschaft ziehen. Ihm wird zudem Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vorgeworfen. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig unter anderem wegen Betrugsverdachts weiter gegen ihn.

Trotz des Abgas-Skandals laufen die Geschäfte bei VW gut. Diess sagte dennoch, der Konzern müsse anständiger werden. Einen Kommentar dazu lesen Sie hier.