Bei wem Corona-Antikörper nachgewiesen wurden, ist immun? So einfach ist die Lage nicht zu bewerten, warnen Experten vom
Bei wem Corona-Antikörper nachgewiesen wurden, ist immun? So einfach ist die Lage nicht zu bewerten, warnen Experten vom RKI und der WHO. Oliver Berg
Immunitätspass

Bundesregierung plant einen Corona-Ausweis

In einem Immunitätspass sieht Gesundheitsminister Spahn eine Möglichkeit, das Coronavirus auszubremsen. Das könnte zu einer Zweiklassengesellschaft führen, wird kritisiert.
Berlin

Labore und Ärzte sollen den Gesundheitsämtern künftig nicht mehr nur Verdachtsfälle einer Infektion, bestätigte Fälle und Todesfälle melden müssen – sondern auch negative Testergebnisse und genesene Fälle. Ziel ist ein besserer Überblick über die Entwicklung der Epidemie. Für den Fall, dass es demnächst gesicherte Erkenntnisse zur Immunität nach einer Corona-Infektion geben sollte, soll eine Bescheinigungsmöglichkeit dafür kommen – ähnlich wie im Impfpass. Zum Paket gehört auch eine Finanzspritze von 50 Millionen Euro für die bundesweit 375 Gesundheitsämter, die Infektionsketten nachverfolgen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will demnach die Voraussetzung dafür schaffen, unter bestimmten Umständen eine Immunitätsdokumentation einzuführen. Das käme einem Ausweis für den Immunitätsstatus einer Person nahe. Rein vorsorglich, wie Spahn betonte: „Im Moment haben wir auch in der wissenschaftlichen Diskussion noch keine abschließende Erkenntnis darüber, ob nach einer durchgemachten Sars-CoV-2-Infektion eine entsprechende Immunität da ist”, sagte er.

Immunität nicht 100-prozentig nachweisbar

Dennoch: Sollte es wissenschaftlich sicher belegbar sein, könnte eine Art Immunitätspass es den Betroffenen ermöglichen, leichter ihren Tätigkeiten nachzukommen, hofft Spahn. Zudem könnten Rückschlüsse für den weiteren Umgang mit Schutzmaßnahmen gezogen werden.

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Im Gesetzentwurf heißt es daher: „Der Serostatus einer Person in Bezug auf die Immunität gegen eine bestimmte übertragbare Krankheit kann durch eine Ärztin oder einen Arzt dokumentiert werden (Immunitätsdokumentation).” Name der Krankheit, Datum der Feststellung der Immunität und die Kontaktdaten der betroffenen Personen müssten eingetragen werden.

Welche Krankheiten dürfen noch erfasst werden?

Dem Gesetzentwurf nach soll auch das Infektionsschutzgesetz geändert werden. Bislang kann der Impfstatus von Arbeitnehmern demnach für „Krankheiten, die durch eine Schutzimpfung verhütet werden können” verarbeitet werden. Dieser Passus soll auf "übertragbare Krankheiten” geändert werden. Das würde beispielsweise aber auch Krankheiten wie HIV beinhalten.

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Antikörper lassen sich laut dem Robert Koch Institut (RKI) frühestens ein bis zwei Wochen nach der Infektion nachweisen. Sie gelten als Hinweis auf eine durchgemachte Erkrankung und auf Immunität – wobei bisher unklar ist, wie lange die Immunität bei Sars-CoV-2 anhält. Eine Reihe entsprechender Tests sei seit kurzem verfügbar, dabei schwankten die Qualitätsparameter stark, so RKI-Präsident Lothar Wieler. Zudem gibt es neben Sars-CoV-2 weitere Coronaviren, die vom Immunsystem mit ähnlichen Antikörpern bekämpft werden. Daher warnt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davor, eine Immunität vor dem Coronavirus leichtfertig ohne weitere Studien anzunehmen.

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Zudem könnte ein Immunitästspass die Gesellschaft in Deutschland spalten. „Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen, so dürfen Menschen nicht eingeteilt werden. Die Folge wäre, dass manche mehr Grundrechte hätten als andere”, kritisiert die Grünen-Politikerin Kirsten Kappert-Gonther in einem „Spiegel Online”-Bericht.

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