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Bundesregierung will Glyphosat-Studien geheim halten

Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wurde in der EU für fünf weitere Jahre erlaubt.
Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wurde in der EU für fünf weitere Jahre erlaubt.
Jens Büttner

Eine EU-Behörde will keine Studien über Glyphosat herausgeben. Die Deutsche Bundesregierung unterstützt sie dabei und stellt sich somit auf die Seite der Chemiekonzerne.

Die Deutsche Bundesregierung will Studien über das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat unter Verschluss halten. Dabei soll sie sich in ein Verfahren des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) eingemischt haben. Das berichtet „Spiegel Online” und beruft sich dabei auf Unterlagen des EuGH. Demnach gehe aus diesen hervor, dass die Regierung die EU-Lebensmittelbehörde Efsa bei dem Versuch unterstützt, die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Studien über Glyphosat zu unterbinden.

Die Efsa gehört zu den Behörden, die Glyphosat bislang für gesundheitlich unbedenklich erklärt haben. Vier Abgeordnete des Europaparlamentes (alle gehören zur Grünen Partei) hatten laut „Spiegel Online” im Mai beim EuGH geklagt. Die Studien, die zur Basis des Efsa-Urteils gehörten, sollten herausgegeben werden. Die Studien wurden demnach von den Chemie-Konzernen Monsanto und Cheminova angefertigt.

Studien von öffentlichem Interesse

Laut der Kläger handele es sich bei den Studien um Umweltinformationen von großem öffentlichen Interesse. Daher müssten sie unbedingt veröffentlicht werden werden und es spiele keine Rolle, dass Interessen von Unternehmen betroffen seien.

Die Konzerne dürfen als Streithelfer im Verfahren zugelassen werden. Sie dürfen somit ihre Argumente vorbringen, warum die Efsa die Studien weiter unter Verschluss halten sollte. Die Bundesrepublik Deutschland ist in dem Dokument als Unterstützer aufgeführt.

Der Grüne Europaabgeordnete Sven Giegold sagt dazu: „Die Bundesregierung stellt den Schutz von Lobbyinteressen über den Schutz von Gesundheit und Umwelt.”

Krebserregend, oder nicht?

Inzwischen wird bereits seit Jahren um das Herbizit Glyphosat gestritten. Glyphosat ist ein sehr wirksames Unkrautgift und wird weltweit in großen Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt. Einige Wissenschaftler sehen jedoch ein Krebsrisiko. Mehr als eine Million Bürger in der EU haben gegen eine weitere Zulassung des Mittels unterschrieben.

Ende November stimmte der Deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in der EU-Komission für eine Verlängerung der Zulassung des Mittels um weitere fünf Jahre. Vorher hatte sich Deutschland immer enthalten. Dies hätte auch in diesem Fall passieren sollen, denn Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) war gegen eine Verlängerung. Schmidt wurde für sein Verhalten hart kritisiert.

+++Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels stand fälschlicherweise, dass Hans-Peter Friedrich der Landwirtschaftsminister Deutschlands ist. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.+++

Kommentare (2)

Es ist kein Geheimnis: Landwirtschaftsminister Hans Peter-Friedrich mußte vor 3 Jahren seinen Posten verlassen. Der neue heißt leider immer noch Christian Schmidt.

Haben Sie vielen Dank für den Hinweis. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Mit freundlichen Grüßen, Friederike Zörner, Redakteurin