Zu wenig Kleidung
Bundeswehr ist erst 2031 voll einsatzbereit

Gefechtshelme, Kampfanzüge und Schutzwesten werden bei der Bundeswehr in Zukunft benötigt.
Gefechtshelme, Kampfanzüge und Schutzwesten werden bei der Bundeswehr in Zukunft benötigt.
Uli Deck

Material-Probleme mit schwerem Gerät sind bei der Bundeswehr ja bekannt. Dass es aber auch in anderen Bereich hapert, offenbart eine FDP-Anfrage im Bundestag.

In den Kleiderkammern der Bundeswehr herrscht Ebbe, zumindest was Kampfbekleidung, Schutzwesten, Gefechtshelme und andere Bekleidung angeht. Sowohl die benötigten Stückzahlen als auch Größen sind nicht vorrätig, um die künfigen Ansprüche der Bundeswehr zu erfüllen. Das ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag. Die nackte Wahrheit tut demnach doppelt weh: Nicht nur, dass jetzt wichtige Kleidung fehlt – dem Verteidigungsministerium zufolge soll dieser Mangel erst im Jahr 2031 behoben sein. 13 Jahre dauert es also, um die Soldaten und Soldatinnen mit passender Bekleidung zu versorgen.

Schon 2017 bemängelte der Wehrbeauftragte der Bundesregierung fehlende Kleidung, einen Auszug listete die FDP in ihrer Anfrage auf: „Auch im Berichtsjahr 2017 gab es wieder Klagen über nicht ausreichend verfügbare Bekleidungsstücke“; „Lieferengpässe aufgrund von Verzögerungen im Vergabeverfahren“; „bemängelt wurden auch gänzlich fehlende Bekleidungsstücke“; „im Bereich der persönlichen Ausrüstung der Soldatinnen und Soldaten gibt es ebenfalls Defizite.”

Wie kann es so lange dauern, Kleidung zu beschaffen? Und welche fehlt am meisten? Auch darauf gibt die Bundesregierung Antworten – teilweise. Beispielsweise für Kampfbekleidung und Schutzwesten plant die Bundeswehr mit einem erhöhten Bedarf. Mit der „Reorientierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung wird eine standardisierte Vollausstattung aller Soldaten und Soldatinnen angestrebt”, heißt es. Bisher wurden nur Soldaten komplett ausgerüstet, wenn sie an einem Einsatz teilnehmen.

„Kräfte zur nationalen Krisenvorsorge” an erster Stelle

Das heißt: 228.000 Gefechtshelme, 32.000 Schutzwesten und insgesamt 31.000 Sätze an Kampfbekleidung in verschiedenen Tarndrucken umfasst der Bedarf für das Personal in Einsätzen derzeit. Wie hoch der Bedarf in Zukunft ist, wird mit dem Verweis „Nur für den Dienstgebrauch” nicht in der veröffentlichten Antwort ausgewiesen, da diese Angaben „einen umfassenden Einblick in die weitere Bestandsentwicklung vermitteln und somit Rückschlüsse auf Fähigkeiten der Bundeswehr zulassen.”

Laut Bundeswehr.de gibt es derzeit 179.861 aktive Soldaten und Soldatinnen (Stand 31. August 2018). Bis also – wie angestrebt – alle über eine Vollausstattung mit der Kampfanzügen und Schutzwesten verfügen, ist es ein weiter Weg. Dass es bis 2031 dauert, bis eine Vollausstattung gegeben sein soll, lässt sich aus der Prioritätenliste der Bundesregierung ableiten.

An erster Stelle stehen demnach die „Kräfte zur nationalen Krisenvorsorge”, danach kommen auch schon die Mitglieder der „Very High Readiness Joint Task Force”, also die Soldaten und Soldatinnen einer schnellen Eingreiftruppe, die den Nato-Plänen in Europa zufolge mehr Verantwortung für das Bündnis übernehmen sollen. Die Gründung der Truppe war ein Ergebnis des Nato-Gipfels in Wales im Jahr 2014 und eine Reaktion auf die Ukraine-Krise. Am 25. Oktober beginnt mit „Trident Juncture” in Norwegen das bisher größte Manöver der Bundeswehr und der Nato. Zu der Übung werden nach aktuellen Angaben rund 50.000 Soldaten erwartet. Die Bundeswehr stellt nach eigenen Angaben rund 10.000 davon.