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Nato-Manöver

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Neubrandenburger Soldaten brechen zum kalten Kriegstest auf

Die Bundeswehr schickt 8000 Soldaten und 100 Panzer nach Norwegen und stellt damit bei dem Manöver den größten Teil.
Die Bundeswehr schickt 8000 Soldaten und 100 Panzer nach Norwegen und stellt damit bei dem Manöver den größten Teil.
Mindaugas Kulbis

Die einen nennen es Säbelrasseln, die anderen Abschreckung: Die Manöver der Nato und Russland haben zugenommen. Nun steht für die schnelle Eingreiftruppe der Nato der letzte Test des Ernstfalls an.

Die Bundeswehr schickt 8000 Soldaten, etwa 100 Panzer und insgesamt mehr als 2000 Fahrzeuge in das vielleicht größte Nato-Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges. Damit zählt Deutschland zu den größten Truppenstellern bei der Übung „Trident Juncture“mit insgesamt mehr als 40 000 Soldaten aus etwa 30 Nato- und Partnerstaaten. Die Übung soll vom 25. Oktober bis 7. November in Norwegen stattfinden.

Unter den 8000 Uniformierten befinden sich etwa 150 Soldaten der Panzergrenadierbrigade 41 mit Stabssitz in Neubrandenburg. Sie unterstützen eine Panzerlehrbrigade aus dem niedersächsischen Munster. Ab 2019 werden die deutschen Soldaten als sogenannte Speerspitze der Nato eingesetzt. Mit dem Großmanöver soll diese schnelle Eingreiftruppe ihre Kampfbereitschaft unter Beweis stellen. Zweck der Übung ist „die Zertifizierung des Gefechtsverbandes durch die Nato“, wie die Bundeswehr mitteilt.

Weitere Übung in Ukraine mit Bundeswehrbeteiligung

Mit Beginn des kommenden Jahres gilt für die schnelle Eingreiftruppe „innerhalb von 48 bis 72 Stunden einsatzbereit an jedem Ort“ zur Verfügung zu stehen, heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Doch es geht nicht um jeden Ort, sondern um Russlands Grenzen. Die Nato hat ihre Übungen seit Beginn der Ukraine-Krise 2014 massiv ausgebaut. Nach Lesart des westlichen Militärbündnisses dienen sie der Abschreckung Russlands.

Denn die östlichen Nato-Mitgliedstaaten Polen, Estland, Litauen und Lettland nehmen Russland seit Beginn der Ukraine-Krise als Bedrohung wahr und haben von der Nato mehrmals eine Verstärkung der Truppenpräsenz gefordert. Moskau hat seine Übungen in der Nähe zum Nato-Bündnisgebiet seit 2014 ebenfalls verstärkt. Für Aufsehen sorgte vor einem Jahr das Manöver „Sapad“in Weißrussland, das an die Nato-Staaten Litauen, Lettland und Polen grenzt. Nach russischen Angaben waren 12 700 Soldaten beteiligt, nach westlichen Zählungen waren es 60 000 bis 80 000.

Noch vor Beginn der Übung in Norwegen beteiligt sich die Bundeswehr an einem weiteren, von den US-Streitkräften geführten Manöver, das auf besonders viel Kritik aus Moskau stößt: „Rapid Trident“(schneller Dreizack) in der Ukraine. Dort werden allerdings nur maximal fünf deutsche Soldaten für die Leitung und Auswertung der Übung eingesetzt, die ganz im Westen der Ukraine in der Nähe von Lemberg stattfindet. Insgesamt sind dort 14 Länder mit rund 2300 Soldaten beteiligt.

Bundeswehreinsatz an anderer Stelle wird beendet

Während die Neubrandenburger Soldaten sich für die letzte Übung vor ihrem Einsatz als Speerspitze der Nato rüsten, bereiten sich andere Soldaten auf ihre Heimreise vor: Das größte
Lager der Bundeswehr im Kosovo wird zum Jahresende geschlossen. Der Bundeswehreinsatz im Rahmen der Kfor-Mission ist damit aber nicht vollständig vorbei. Ein paar Dutzend Soldaten sollen noch in der Großstadt Prizren im Süden des Kosovo bleiben.

Kfor, das steht für das englische Kosovo Force, also Kosovo-Truppe. Das waren einmal 50 000 Soldaten aus rund 40 Staaten. Heute sind noch bis zu 4500 Militärs zur Friedenssicherung aktiv. Sie helfen etwa beim Aufbau kosovarischer Sicherheitstruppen. Die Mannschaft in Prizren war lange darauf spezialisiert, die internationalen Kräfte medizinisch zu versorgen.

Die Bundeswehr ist seit 1999 auf dem Balkan im Einsatz. Rund zwei Jahrzehnte, in denen die Soldaten ein sicheres Umfeld in einer zwischen Serben und Albanern umstrittenen Balkan-Region schaffen sollten. Allein bis 2016 hat dieser Einsatz nach Angaben der Bundeswehr rund 3,4 Milliarden Euro gekostet. 27 Soldaten starben dort – wenn auch nicht durch Kämpfe, sondern durch Unfälle und Suizide.