FORSA-UMFRAGE

Corona-Maßnahmen – Kippt die Stimmung in Deutschland?

Großdemos und wütende Proteste in den sozialen Medien scheinen zu zeigen, dass immer mehr Menschen unzufrieden mit dem Weg sind, den Deutschland in der Corona-Pandemie eingeschlagen hat. Stimmt das wirklich?
Eine Polizeikette steht den Teilnehmern der großen Demo gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin gegenüber. Foto:
Eine Polizeikette steht den Teilnehmern der großen Demo gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin gegenüber. Foto: Bernd Von Jutrczenka Bernd Von Jutrczenka
Lediglich bei AfD-Anhängern findet sich eine Mehrheit für die Forderungen der Corona-Demos.
Lediglich bei AfD-Anhängern findet sich eine Mehrheit für die Forderungen der Corona-Demos. Hannes Ackermann
Die Umfrage zeigt eine hohe Akzeptanz für die Pandemie-Maßnahmen der Politik.
Die Umfrage zeigt eine hohe Akzeptanz für die Pandemie-Maßnahmen der Politik. Hannes Ackermann
Berlin.

Seit Sommerbeginn mehren sich die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Gleichzeitig formiert sich in den sozialen Medien eine scheinbar breite Front an Bürgern, die sich gegen „unverhältnismäßige Corona-Maßnahmen“ im Rahmen einer „Hygiene-Diktatur“ auflehnen.

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Viel mediale Aufmerksamkeit

Politisch flankiert vor allem von Abgeordneten der AfD, erweckt all dies den Eindruck, als würde die Stimmung in der Bevölkerung kippen, als würden immer mehr Menschen gegen eine Regierung aufbegehren, die ihnen unverhältnismäßige Gesundheitsauflagen erteilte und ihre Freiheitsrechte rigoros einschränkte. Die mediale Aufmerksamkeit, die vor allem die beiden großen Demonstrationen im August in Berlin genossen, tut dazu ihr Übriges.

Repräsentative Umfrage

Aber ist das denn tatsächlich so? Wird die Zahl der Unzufriedenen immer größer, wollen immer mehr Deutsche das Ende der Corona-Maßnahmen? Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat deshalb eine Analyse erstellt, die sich mit diesen Fragen beschäftigt – und die Ergebnisse sind überraschend. Im Großen und Ganzen betrachten die Deutschen der Umfrage zufolge die gesamtgesellschaftliche Lage durchaus kritisch: Nur 49 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass sich „die Dinge in Deutschland in die richtige Richtung bewegen“, 42 Prozent glauben, dass es in die „falsche Richtung“ geht. Dies bezieht sich aber nicht auf die Corona-Pandemie, sondern auf allgemeine Faktoren wie die Lebensqualität in Deutschland, die Lage am Arbeitsmarkt, das Schul- und Bildungssystem und die soziale Gerechtigkeit im Land.

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AfD-Anhänger ticken anders als der Rest

Interessant dabei ist, dass es nur eine Gruppe von Wählern gibt, die mehr oder weniger vollständig glaubt, dass sich das Land in die falsche Richtung bewegt, nämlich 96 Prozent der AfD-Anhänger. Die Wähler der meisten anderen Parteien denken mehrheitlich, dass sich Deutschland in die richtige Richtung bewegt, allen voran 61 Prozent der CDU-Wähler und jeweils 59 Prozent der Wähler von SPD und Grünen.

In Bezug auf Corona glauben 84 Prozent der Bevölkerung, dass die Maßnahmen der Bundesregierung angemessen sind oder sogar nicht weit genug gehen. Dieser Wert schwankt von Woche zu Woche, lag aber vom ersten Tag an immer zwischen 80 und über 90 Prozent. Nur 15 Prozent der Bevölkerung glauben, dass die Corona-Maßnahmen zu weit gehen. Auch in diesem Bereich unterscheiden sich AfD-Anhänger grundsätzlich von der Mehrheit des deutschen Volkes. Während sich Anhänger von Grünen (93), Union (92), SPD (89), FDP (89) und Linken (86) klar zu den Corona-Maßnahmen bekennen, glauben nur 49 Prozent der AfD-Anhänger, dass die Corona-Maßnahmen angemessen sind. Beim Vertrauen ins Krisenmanagement der Bundesregierung sieht es ähnlich aus: 37 Prozent der AfD-Anhänger vertrauen der Regierung, bei den anderen Parteien sind es durchgängig zwischen 87 Prozent (FDP) und 99 Prozent (CDU/CSU).

Wer ist die Mehrheit?

Auch die Glaubwürdigkeit der Informationen, die die Bundesregierung in Bezug auf die Corona-Pandemie verbreitet, wird nur von AfD-Anhängern mehrheitlich in Zweifel gezogen: 33 Prozent der AfD-Wähler halten die Informationen für glaubwürdig, bei der FDP sind es 72 Prozent, alle anderen liegen zwischen 83 und 93 Prozent.

Forsa fragte auch die Meinung der Deutschen über die Teilnehmer der Großdemonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin aus den vergangenen Wochen ab. Viele dieser Demonstranten – so geht aus Interviews hervor – sehen sich selbst als mutige Dissidenten, die die Bedenken der Mehrheit der Bevölkerung aussprechen und für ihre Rechte auf die Straße gehen. Die Mehrheit der Bevölkerung aber sieht das anders: 87 Prozent glauben, dass die Demonstranten eine Minderheitenmeinung vertreten. Dies zieht sich durch alle Altersgruppen und Parteienpräferenzen – mit der Ausnahme, wieder einmal, von AfD-Anhängern. 63 Prozent derer glauben nämlich, dass die Corona-Demonstranten für die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sprechen. Zudem haben 91 Prozent der Deutschen kein Verständnis für die Demonstrationen. Auch hier weichen nur AfD-Anhänger ab, von denen eine Mehrheit von 59 Prozent Verständnis für die Demos zeigt.

Forsa-Chef: Es gibt keine Spaltung der Gesellschaft

Zudem sind 51 Prozent der Bundesbürger überzeugt, dass die „Anti-Corona-Demonstranten“ der AfD nahestehen. Das sehen diese wiederum anders und glauben mehrheitlich, die Demonstranten stünden keiner Partei nahe.

„Alles in allem zeigen die vorliegenden Daten, dass von einer Spaltung der Gesellschaft nicht die Rede sein kann“, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. Würde die Stimmung in der Gesellschaft tatsächlich kippen, dann müsste die Akzeptanz der getroffenen Corona-Maßnahmen im Laufe der Krise geringer geworden sein. „Doch das ist nicht der Fall: Unverändert halten über 80 Prozent die getroffenen Maßnahmen für angemessen oder halten sie sogar für nicht weitgehend genug.“ Im Übrigen, so Güllner, rechtfertige die Zahl der Teilnehmer nicht die große mediale Aufmerksamkeit. „Selbst wenn in Berlin wirklich 50 000 am Wochenende demonstriert hätten, wären das nur 0,08 Prozent aller Wahlberechtigten“.

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Kommentare (5)

AfD-Anhänger ticken anders als der Rest - die ticken nicht ganz richtig, wäre besser getitelt.
Die asozialen Medien kann man nicht ernst nehmen. Da lungern bezahlte Wutwürger mit Vielfachaccounts rum, zumeist aus dem Rechtsterror-Spektrum.

Aus dem Pinocchio-TV? Aus welchen anderen Medien? Weder die GEZ Medien, noch die üblichen Zeitschriften werden von den Kritikern konsumiert. Repräsentativ geht bestimmt anders. Ansonsten könnte man ja auch die ganzen bezahlten Faktenchecker ernst nehmen. PresstutitIon geht immer. Da macht Forsa keine Ausnahme. Auch wenn ich noch nie AFD gewählt habe und mich als Linksliberalen sehe, kommen die einzigen eigenständigen Meinungen von dieser Seite. Ein Armutszeugnis für unsere Parteienlandschaft.

Gleich vorneweg: ich wähle nicht die Afd. Trotzdem zweifele ich sehr an dieser sogenannten repräsentativen Umfrage. In meinem wirklich großen Freundes- und Bekanntenkreis kenne ich niemand, der diese Corona- Politik gutheißt. Die Wirtschaft wird wissentlich ruiniert, Corona wird als Vorwand genommen, das Bargeld abzuschaffen, still und heimlich, totale Kontrolle ist angesagt.
Vielleicht haben wir in Deutschland wirklich nur Glück gehabt, weil unser Gesundheitswesen weltweit das Beste ist. Wer weiß. Die Zahlen rechtfertigen jedoch meiner (und vieler anderer) Meinung nach trotzdem nicht diese Maßnahmen.
Und jetzt noch was zum Nachdenken: es gab schon immer eine Partei, die im Kreuzfeuer der Medien stand: FDP, dann die Grünen, dann Bündnis 90 und jetzt halt die Afd. Weil sie unbequem sind. Und ein Sündenbock her muss. Und: Nein, ich wähle immer noch NICHT die Afd.

die die Maßnahmen verhältnismäßig finden. Es sind keine Corona-Leugner und sie halten sich auch an die Maßnahmen, notgedrungen. Die Zahl der Erkrankten und die Todesfälle sund trotz steigender Neuinfektionen unverändert niedrig. Wenn man mal im Internet recherchiert, da gibt es Berichte von 2007/2008 zum Bespiel von der "Zeit", die Wirtschaftskrise wäre dieses Jahr so oder so gekommen. Aber unter dem Deckmantel von Corona kann man das natürlich viel besser abwickeln und dem Bürger sagen, es ging ja nicht anders. Vermutlich hätte man die Krise der regierenden Parteien zugeschrieben und die Werte wären in den Keller gegangen. Nun sind die Umfragewerte sogar gestiegen. Die sollen die Spirale nur nicht überdrehen. Wenn die Leute mal merken das fast keiner mehr erkrankt an diesem Virus kann es schon zu spät sein. Und welche Partei dann evtl. Nutznießer sein könnte, will ich gar nicht drüber nachdenken müssen.

Hier ein Bericht von August 2019 : https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirtschaftskrise-2020-rezession-1.4576139