Nord Stream 2
Dänische Alternativstrecke auf dem Prüfstand

Die Arbeiten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 schreiten voran. Doch ob sie durch dänische Gewässer führen kann, ist noch unklar.
Die Arbeiten an der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 schreiten voran. Doch ob sie durch dänische Gewässer führen kann, ist noch unklar.
Stefan Sauer

Die Verlegung der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ist in allen betroffenen Ländern genehmigt – bis auf Dänemark. Dort hat man sicherheitspolitische Bedenken.

Die Alternativstrecke für die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2 durch dänische Gewässer liegt nun auch Deutschland zur Prüfung vor. Beim sogenannten Konsultationsverfahren befragt Dänemark seinen Nachbar zu grenzüberschreitenden Umweltauswirkungen. Die Unterlagen liegen in den Behörden des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg und Rostock aus und können auch im Internet eingesehen werden. Stellungnahmen können bis 19. Dezember eingereicht werden, wie das BSH mitteilte.

Die Verlegung ist in allen Ländern genehmigt - bis auf Dänemark, das unter anderem sicherheitspolitische Bedenken erhoben hat und bislang nicht über den Antrag von Nord Stream 2 entschied. Im August hatte Nord Stream 2 als "Vorsichtsmaßnahme" eine Alternativroute beantragt, die nicht durch die dänischen Küstengewässer, sondern durch die Ausschließliche Wirtschaftszone Dänemarks führt.

Während der erste Trassenverlauf in Dänemark als politisch schwer durchzusetzen gilt, ließe sich die Alternativtrasse nur aus Gründen der Umweltverträglichkeit verhindern. Beide Trassen werden momentan geprüft, hieß es aus dem dänischen Ministerium für Energie, Forschung, Klima. Wann eine Entscheidung fällt, konnte das Ministerium auf Anfrage nicht abschätzen. Diese 174 Kilometer lange Route, die nordwestlich um Bornholm führt, ist nach Angaben von Nord Stream 2 etwa 35 Kilometer länger als die favorisierte ursprüngliche Route.

Dänemark formuliert mehrere Bedingungen

Dänemark formuliert in seinem Genehmigungsentwurf für die Alternativroute mehrere Bedingungen. Demnach muss Nord Stream 2 unter anderem Vereinbarungen mit den Eigentümern jener Kabel- und Pipelineanlagen schließen, die Nord Stream 2 quert. Anschließend soll Nord Stream 2 der dänischen Energiebehörde die Querungen zur Genehmigung vorlegen - "in jedem Fall jedoch vor Verlegung der Pipeline", heißt es in dem Genehmigungsentwurf.

Wie ein Sprecher von Nord Stream 2 sagte, sind diese Bedingungen "üblich und auch erfüllbar". Sie beeinflussten auch den Zeitplan des Pipelinebaus nicht. Die Gazprom-Tochter will Ende 2019 die 1200 Kilometer lange Ostseepipeline mit einer Jahreskapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas in Betrieb nehmen. Die Möglichkeiten, das Projekt von deutscher Seite noch zu verhindern, sind gering.

Nabu will Anträge genau prüfen

Der Umweltverband Nabu, der gegen den Bau in Deutschland geklagt hatte, will sich die Anträge genau ansehen und auf umweltrelevante Auswirkungen prüfen, wie der Meeresschutz-Experte Kim Detloff sagte. Der Umweltverband hatte gegen den Bau der Pipeline in deutschen Küstengewässern geklagt, war aber mit einem Eilantrag gescheitert. Das Hauptsacheverfahren am Oberverwaltungsgericht Greifswald ist noch nicht terminiert, obwohl sich die Verlegung der Pipeline im Greifswalder Bodden dem Ende nähert.

Zudem soll die Alternativstrecke an demselben Eintrittspunkt in die deutschen Gewässer enden wie die ursprüngliche Route. Damit verhindert Nord Stream 2, dass das deutsche Genehmigungsverfahren nochmals angefasst werden muss.