REGIERUNGSBILDUNG

Das mögliche neue Kabinett von Angela Merkel

In Berlin wird die Besetzung der einzelnen Ministerposten immer konkreter. Es soll auch neue Einteilungen und Zuständigkeits-Zuschnitte für Ministerien geben.
dpa
Angela Merkel (CDU) strebt eine vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin an.
Angela Merkel (CDU) strebt eine vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin an. Michael Kappeler
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wechselt wohl nach Berlin ins Finanzministerium. Außerdem könnte er Vizekanzler werden.
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) wechselt wohl nach Berlin ins Finanzministerium. Außerdem könnte er Vizekanzler werden. Christian Charisius
Martin Schulz will den SPD-Parteivorsitz abgeben und ins Auswärtige Amt ziehen.
Martin Schulz will den SPD-Parteivorsitz abgeben und ins Auswärtige Amt ziehen. Annegret Hilse
Katarina Barley (SPD) könnte Familienministerin bleiben.
Katarina Barley (SPD) könnte Familienministerin bleiben. Kay Nietfeld
Peter Altmaier (CDU) liebäugelt offenbar mit dem Wirtschaftsministerium.
Peter Altmaier (CDU) liebäugelt offenbar mit dem Wirtschaftsministerium. Kay Nietfeld
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) darf laut Medienberichten im gewohnten Stuhl sitzen bleiben.
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) darf laut Medienberichten im gewohnten Stuhl sitzen bleiben. Michael Kappeler
Helge Braun (CDU) könnte ebenfalls Mitglied des Kabinetts werden.
Helge Braun (CDU) könnte ebenfalls Mitglied des Kabinetts werden. Swen Pförtner
Der stellvertretenden CDU-Parteivorsitzenden Julia Klöckner werden Chancen für das Landwirtschaftsministerium ausgerechnet.
Der stellvertretenden CDU-Parteivorsitzenden Julia Klöckner werden Chancen für das Landwirtschaftsministerium ausgerechnet. Kay Nietfeld
CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer wird bald eventuell von München nach Berlin umziehen.
CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer wird bald eventuell von München nach Berlin umziehen. Kay Nietfeld
Eva Högl (SPD) ist unter anderem für das Arbeitsministerium im Gespräch.
Eva Högl (SPD) ist unter anderem für das Arbeitsministerium im Gespräch. Soeren Stache
Horst Seehofer (CSU) soll das Innenministerium leiten.
Horst Seehofer (CSU) soll das Innenministerium leiten. Kay Nietfeld
Der jetzige Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) könnte sein Amt behalten.
Der jetzige Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) könnte sein Amt behalten. Michael Kappeler
Ob er in neuem Kabinett Merkel sitzen bleibt, steht noch nicht fest: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU).
Ob er in neuem Kabinett Merkel sitzen bleibt, steht noch nicht fest: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Sven Hoppe
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dürfte ihren Posten behalten.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dürfte ihren Posten behalten. Maurizio Gambarini
Mit Annette Widmann-Mauz (CDU) würde ein neues Gesicht in das Kabinett der neuen Regierung ziehen.
Mit Annette Widmann-Mauz (CDU) würde ein neues Gesicht in das Kabinett der neuen Regierung ziehen. Uwe Zucchi
Dorothee Bär (CSU) könnte Entwicklungshilfeministerin werden.
Dorothee Bär (CSU) könnte Entwicklungshilfeministerin werden. Karlheinz Schindler
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bleibt wohl im Kabinett. Welches Ressort er leiten wird, steht allerdings noch nicht fest.
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) bleibt wohl im Kabinett. Welches Ressort er leiten wird, steht allerdings noch nicht fest. Jörg Carstensen
Berlin.

Am Mittwoch wurden die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen. Nur noch der Mitgliederentscheid der SPD, steht der Beendigung des nun 4,5 Monate dauernden Regierungsfindungsprozesses im Weg. Die ersten Gerüchte, über die Zuschnitte der Ministerien, die Zuweisungen an die Parteien und die Besetzung der Ministerposten, sind durchgesickert. Nach aktuellen Informationen bekommen die SPD und die CDU jeweils 6 Ministerien und die CSU drei. In Folge des Stühlerückens in Berlin, wird es auch innerhalb der Parteien Neubesetzungen geben.

Medienberichten zu Folge könnte die Verteilung der Ministerposten wie folgt aussehen:

Bundeskanzlerin (CDU)

Wenn es mit der Neuauflage von Schwarz-Rot klappen sollte, geht Angela Merkel (63), in ihre vierte Amtszeit als Bundeskanzlerin. Es wäre ihre dritte große Koalition, einmal führte sie eine schwarz-gelbe Regierung. Sollte Merkel noch einmal Kanzlerin werden, wird sie sich genau überlegen, wie sie ihre Nachfolge organisiert.

Auswärtiges Amt (SPD)

Schon lange wurde gemutmaßt, dass Martin Schulz (62) selbst nach dem Außenamt greifen würde – und damit seinen Parteikollegen Sigmar Gabriel verdrängt. Nun ist es offiziell. Bitter für Schulz ist, dass er im gleichen Schritt den SPD-Vorsitz verliert. Schwacher Trost: Auch er kann nach längerer Durststrecke auf einen Popularitätsschub hoffen, der Politiker in diesem Amt üblicherweise ereilt.

Finanzministerium und Vizekanzler (SPD)

Olaf Scholz (59). Der Hamburger Regierungschef gilt als einer der talentiertesten Politiker der SPD, aber das Fiasko des G20-Gipfels in Hamburg kratzte an seinem Image. Und in der Partei war er zuletzt der Vizechef mit dem schlechtesten Ergebnis. Von 2005 bis 2009 Arbeitsminister, beerbt er nun Wolfgang Schäuble.

Ministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (SPD)

Katarina Barley (49) hat das Familienressort erst kurz vor Ende der Wahlperiode übernommen, als ihre Vorgängerin Manuela Schwesig Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern wurde. Barley hat gute Aussichten, mehr als nur eine Übergangslösung in dem Ressort zu sein. Ihr mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Auch sie weiß, sich in Szene zu setzen. Sollte sie für das gewichtige Arbeitsressort in Frage kommen, wäre auch Eva Högl eine mögliche Kandidatin für das Familienministerium.

Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (SPD)

Barbara Hendricks (65). Die Frau aus Kleve erarbeitete sich Respekt im Umweltressort seit 2013, fordert viel, kämpft für Artenvielfalt und weniger Kohlekraftwerke. Wurde aber auch öfter düpiert, zuletzt konnte sie die Verlängerung der EU-Zulassung für Glyphosat nicht verhindern. Wichtigste Mission: der Klimaschutz.

Ministerium für Arbeit und Soziales (SPD)

Hier gilt die Berliner Abgeordnete Eva Högl (49) als Kandidatin. Eigentlich eine Innenexpertin, die sich im Untersuchungsausschuss zur rechten NSU-Terrorzelle einen Namen machte. Nun könnte sie oder Katarina Barley das prestigeträchtige BMAS übernehmen, das Ministerium mit dem größten Einzeletat. Aber auch über Heiko Maas wird gemunkelt.

Ministerium für Justiz und Verbraucherschutz (SPD)

Der bisherige Ressortchef Heiko Maas (51) hat gute Chancen, das Ministerium weiter zu führen. Der SPD-Politiker aus dem Saarland hat sich in dem Job profiliert – ohne größere Fehltritte. Der Jurist brachte in der vergangenen Wahlperiode eine Gesetzesinitiative nach der anderen auf den Weg und mischte auch bei ressortfremden Themen gerne mit. Allerdings ist auch der Name Eva Högl (siehe oben) im Zusammenhang mit dem Ministerium gefallen.

Verteidigungsministerium (CDU)

Ursula von der Leyen (59) gilt als quasi gesetzt für das Amt der Verteidigungsministerin. In der CDU gilt die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidentin Ernst Albrecht als Frau mit dem ausgeprägtesten Machtanspruch. Das könnte sie ins Spiel bringen, wenn Merkel bei einer kurzfristigen Neuwahl nicht mehr will.

Ministerium für Wirtschaft und Energie (CDU)

Peter Altmaier (59) ist Merkels Allzweckwaffe – und als Minister galt auch er als gesetzt. Dass er für ein vergrößertes Wirtschaftsressort in Frage kommt, war schon vor der Wahl klar. Glaubt man den Stimmen in der CDU, konnte er sich auch vorstellen, das Amt des Finanzministers, das er derzeit geschäftsführend ausübt, auf Dauer zu übernehmen.

Gesundheitsministerium (CDU)

Der frühere CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe (56) würde gerne Gesundheitsminister bleiben – wenn Merkel ihn nicht bittet, Kanzleramtschef Altmaier zu beerben. Möglich ist aber auch, dass Gröhes bisherige Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz (51) seinen Posten übernimmt.

Bildung und Forschung (CDU)

Nachdem Ministerin Johanna Wanka nicht mehr antritt, drängt sich so richtig niemand für das Amt auf. Auch hier wird der Merkel-Vertraute Gröhe als Kandidat genannt. Oder der Staatsminister bei der Kanzlerin Helge Braun (45) auf den Merkel große Stücke hält.

Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (CDU)

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner (45) gilt als Nachwuchshoffnung in der Union und als möglicher Bestandteil einer Personaloffensive, mit der Merkel ihr Kabinett jünger und weiblicher machen will. Aus dem Agrarbereich bringt sie Erfahrung mit – sie war in dem Ressort bis 2011 bereits Parlamentarische Staatssekretärin.

Ministerium für Inneres, Heimat und Bau (CSU)

Horst Seehofer (68) wird das üppig aufgewertete Innenministerium besetzen. Neu hinzu kommen die Zuständigkeiten für Bauen und für Heimat – also etwa für den ländlichen Raum. Vor allem kann Seehofer nun so etwas wie die personifizierte Obergrenze sein: Als zuständiger Ressortchef kann er so gut es geht darüber wachen, dass die Flüchtlingszahlen im Rahmen bleiben – auch wenn der Koalitionsvertrag eine „Obergrenze” nicht enthält. Sein Wechsel wäre auch die Vollendung der CSU-Doppelspitze Horst Seehofer-Markus Söder.

Ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (CSU)

Dieses Ressort kann die CSU halten – über die konkrete Besetzung will sie aber erst später entscheiden. Kandidaten sind Generalsekretär Andreas Scheuer (43), die bisherige Parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär (39) und der bisherige Entwicklungsminister Gerd Müller. Ausgang: offen.

Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (CSU)

Auch dieses Ressort behält die CSU, will die Besetzung aber erst später klären. Gerd Müller (62) könnte hier Ressortchef bleiben – oder er wird durch Dorothee Bär ersetzt.

Kanzleramtschef (CDU/CSU)

Das ist der Posten, bei dem die Unklarheit am größten ist. Es ist noch nicht einmal klar, ob der wichtige Koordinierungsposten an CDU oder CSU geht. Fest steht nur, dass Amtsinhaber Peter Altmaier es nicht mehr machen wird. Helge Braun ist für diesen Posten im Gespräch.

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