Margot Honecker (vorne rechts) ist eine zentrale Figur der DDR-Geschichte. Sie starb im Mai.
Margot Honecker (vorne rechts) ist eine zentrale Figur der DDR-Geschichte. Sie starb im Mai. ullstein bild - ADN
Leserbrief

DDR oder Deutschland – welches Schulsystem ist besser?

Wer die heutige Gesellschaft betrachtet, zieht auch Vergleiche zu früher. Unser Leser Roland Strahl aus Ueckermünde hat der Beitrag "Vorsicht vor den Klischees" und der Tod der langjährigen DDR-Volksbildungsministerin Margot Honecker zu einer Betrachtung animiert.
Neubrandenburg

Warum schreibt man nicht, dass dieses DDR-Schulsystem besser war als das jetzige? Nahezu alle hatten einen Schulabschluss und eine Berufsausbildung. Ich sage immer noch, dass die DDR ein Schlaraffenland für Kinder und Jugendliche und den Sport war. Das Ideologische lassen wir jetzt einmal. Das interessierte die Kinder und Jugendlichen in der Mehrzahl sowieso nicht. Ich bin ein Lehrer in beiden Systemen. Zur Wende war ich 36 Jahre alt, machte im Neuen Forum mit und war Teilnehmer der Leipziger Demonstrationen. Nach der Wende begann ich ein postgraduales Studium an der Freien Universität Berlin und schloss dies als Wirtschafts- und Sozialkundelehrer ab. Westdeutsche Lehrer, die unmittelbar nach der Wende zu uns kamen, beschworen uns, unser Schulsystem beizubehalten. Dazu gab es nie eine Chance. Bei allen Evaluationen galtest du als ewig Gestriger.

Was haben wir heute? Das Bildungsniveau ist eindeutig zurückgegangen. Heute klagt die Wirtschaft, dass unsere Schulabgänger oftmals wegen mangelnden Wissens nicht mehr ausbildungsfähig seien. Unsere Universitäten klagen über die zunehmende Nichtstudierfähigkeit der Abiturienten. Das war nach der Wende grundlegend anders. Unsere Schüler kamen gut im neuen System klar, waren oftmals besser ausgebildet.

Erst kürzlich las ich in unserem Nordkurier, dass sich ein Heimkind lobend über die DDR-Kinderheime äußerte und was aus ihm geworden ist. Er nahm auch Bezug auf die Jugendwerkhöfe, in denen oftmals tüchtige Rowdys waren und dass der heutigen Jugend manchmal erzieherische Härte gut tun würde in Vorbereitung auf ihr Leben.

Wenn ich als Lehrer, der wir ja auch immer DDR-Geschichte vermitteln sollen, die DDR nur auf Stasi und Unrechtsstaat reduziere, kommt doch ein ganz falsches Bild heraus.

Übrigens gab es auch hier in Ueckermünde ein Treffen ehemaliger Heimkinder, die im damaligen Schloss in Vogelsang unweit der Haffstadt untergebracht waren. Sie äußerten sich durchweg positiv über diese Zeit. Es hatte sich auch ein TV-Sender angesagt. Als die Fernsehleute erfuhren, wie der Grundtenor des Treffens sein würde, sagten sie diesen Bericht ab. Auch wieder so ein Fall, wie bewusst DDR-Geschichte verklärt werden soll.

Machen Sie sich selbst einen Reim auf meine Worte.

Mit Groll im Bauch, aber dennoch
höflichem Gruß, Roland Strahl

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